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Hans Dampf in allen Gassen

Das Leben von Jörg Dathe ist eng mit dem Döbelner SV verbunden. Am Montag feiert er seinen 75. Geburtstag.

In der Sporthalle Burgstraße ist Jörg Dathe immer mal wieder anzutreffen. Zuletzt hat er an einer Chronik zum 30-jährigen Bestehen des Döbelner SV Vorwärts gearbeitet.
In der Sporthalle Burgstraße ist Jörg Dathe immer mal wieder anzutreffen. Zuletzt hat er an einer Chronik zum 30-jährigen Bestehen des Döbelner SV Vorwärts gearbeitet. © Lars Halbauer

Döbeln. Will man Jörg Datehe zu Hause erreichen, erhält man von seiner Frau Evelin oft die Auskunft: „Der ist in der Sporthalle.“ Ruhe halten ist eben nicht sein Ding, auch wenn Jörg Dathe am Montag seinen 75. Geburtstag feiert. Den wollte er nur mit seiner Frau im Urlaub feiern. Nach Bad Füssing in Niederbayern sollte es gehen. Doch diese Pläne wurden durch die Corona-Pandemie zerschlagen.

Für seine vielen Aufenthalte in der Sporthalle hat Jörg Dathe immerhin eine „triftige“ Ausrede. Er leistet noch bis Ende dieses Monats Bundesfreiwilligendienst (BFD). Den hat er 2019 begonnen. Aufgrund der Corona-Krise wurde sein Dienst bis Ende dieses Jahres verlängert. „Für den Betrieb in der Sporthalle unter Corona-Bedingungen habe ich Konzepte erstellt. Das betrifft sowohl das Training als auch die Veranstaltungen“, berichtet Jörg Dathe.

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Außerhalb des BFD engagiert er sich in weiteren Bereichen ehrenamtlich, ist stellvertretender Vorsitzender des Döbelner SV und Fachwart Schul- und Breitensport im Vorstand des Sächsischen Tischtennis-Verbandes (STTV).

Vereinschronik für Döbelner SV Vorwärts erstellt

Das persönliche Jubiläum von Jörg Dathe fällt mit dem runden Geburtstag seines Vereins zusammen. Seit 30 Jahren gibt es den Döbelner SV Vorwärts. „Das war für mich ein Grund, eine Vereinschronik zu erstellen. Wenn der Kopf mal weg ist (Dathe deutet auf seinen eigenen, Anm. der Red.), weiß keiner mehr, was vor 2002 mal war. Viele unserer Unterlagen sind 2002 mit dem Hochwasser Richtung Hamburg geschwommen“, so Dathe, der sich selbst als „Hans Dampf in allen Gassen“ bezeichnet.

Begonnen mit dem Tischtennissport hat Jörg Dathe 1959 über eine Schulsportgemeinschaft. Als in den Harthaer Hausschuhwerken dann irgendwann ein Vergleichskampf DDR gegen Jugoslawien ausgetragen wurde, war Dathe, der in Sportlerkreisen nur „Max“ genannt wird, mit dem Tischtennis-Virus infiziert. „Der Spitzname stammt aus der Armeezeit, da hab ich immergesagt: Mag’s werden, wie es will. Und da wurde Max draus“, verrät Dathe.

So begann er bei der BSG Fortschritt Hartha nicht nur als Spieler, sondern bereits ab 1964 fungierte er als Übungsleiter und war im Kreisfachverband für den Breitensport verantwortlich. In seiner Armeezeit blieb er aktiv, trainierte beim ASV Vorwärts unter anderem Kindermannschaften und arbeitete seit 1968 – er blieb als zivilangestellter Fahrlehrer bei der NVA – als Sektionsleiter. Weitere Funktionen im Kreis- und Bezirksfachverband folgten. „Tischtennis wurde auch zu DDR-Zeiten gefördert, aber im Breitensportbereich“, erzählt Dathe.

Für die Halle verantwortlich und Vorstellunen umgesetzt

Nach der Wende gab es plötzlich Möglichkeiten, Träume zu leben. Jörg Dathe fand Partner, oder wurde von denen – wenn teilweise auch nicht ganz uneigennützig – gefunden. „Wir haben versucht, auszubauen, was wir hatten. Und wenn jemand anklopfte, der Ideen mitbrachte, wurde der mit offenen Armen empfangen“, sagt Dathe.

Und so entwickelte sich nicht nur eine Sportfreundschaft mit Borussia Düsseldorf, sondern auch die komplette europäische Spitze gastierte teilweise mehrfach in Döbeln. Angefangen von Jan-Ove Waldner über Jörg Roßkopf bis Timo Boll. Im Gegenzug war der Döbelner SV jedes Jahr bei den „kids open“, einem bundesweiten Tischtennisturnier, das Borussia Düsseldorf ausrichtet, vertreten.

Und auch der Döbelner SV schaffte es als ITTC Sachsen Döbeln in der 2. Bundesliga an die ostdeutsche Spitze. Im Jahr 2009 brach dieses Joint Venture dann zusammen. „Eine Ursache war der Bankencrash“, erinnert sich Dathe.

Bei den Sportlern, die zum Schulsport oder Training in die Sporthalle Burgstraße kommen, ist Jörg Dathe auch schon mal als „harter Hund“ verschrien. Der Döbelner SV hat die Sporthalle von der Stadt Döbeln gepachtet. Dathe und seine Mitstreiter achten darauf, dass der Sporthallenbereich nur mit Turnschuhen – mit heller Sohle!!! – betreten wird. „Wenn ich für die Halle verantwortlich bin, setze ich auch meine Vorstellungen um“, macht er klar.

Auch bei den Modernisierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren hat Dathe immer wieder als „treibender Keil“ gewirkt. „Wir haben über den Verein Baumaßnahmen im Wert von 1,8 Millionen Euro gestemmt“, sagt Jörg Dathe nicht ohne Stolz. Dabei sei Fördergeld vom Freistaat geflossen, auch Stadt und Kreissportbund steuerten ihren Anteil bei. Nicht zuletzt habe auch der Verein seinen Eigenanteil geleistet, was vor allem durch Arbeitsleistungen passiert ist.

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