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Aus Japan und Kalifornien nach Hartha

Mao Nakamura kommt aus Japan. In ihrer Highschool müssen die Schüler selbst zu Besen und Schaufel greifen.

Von Sylvia Jentzsch
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Maya Petrie (links) kommt aus Kalifornien und Mao Nakamura aus Hiroshima. Beide Schülerinnen lernen für ein Jahr am Harthaer Martin-Luther-Gymnasium.
Maya Petrie (links) kommt aus Kalifornien und Mao Nakamura aus Hiroshima. Beide Schülerinnen lernen für ein Jahr am Harthaer Martin-Luther-Gymnasium. © Dietmar Thomas

Hartha. Mao Nakamura liebt Burgen und Schlösser. Deshalb hat sie eine lange Reise auf sich genommen und besucht seit Anfang des Schuljahres das Harthaer Martin-Luther-Gymnasium. Die deutsche Sprache lernt sie erst hier.

„Dabei hilft mir die zweijährige Tochter meiner Gastfamilie in Gersdorf. Sie ist meine Deutschlehrerin“, so Mao (18). Für sie ist es besonders schwierig, den Unterrichtsstoff aufzunehmen, da sie nur mit Englischkenntnissen nach Deutschland gereist ist.

Aber sie hat sich schon in den vergangenen Wochen etwas Deutsch aneignen können. Mit den Mitschülern spricht sie aber meist Englisch.

Mao liebt Kartoffeln

Mao hat schon die Burg Kriebstein und einen Mittelaltermarkt besucht. Auch die Ferien will sie nutzen, um noch einige Burgen und Schlösser kennenzulernen. Doch auch sportlich ist Mao interessiert. Sie spielt in Leisnig Tennis.

Zu den Lieblingsspeisen von Mao gehören Kartoffeln. Zwar gebe es diese auch in Japan. „Aber in Deutschland sind sie so lecker“, meint die 18-Jährige. Auch das Brot würde sie lieben. In Japan gebe es hauptsächlich Reis.

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Mit ihrer Familie ist sie per WhatsApp in Kontakt. Das Skypen funktioniert nicht ganz so gut. Wenn Mao wieder in Japan ist, will sie studieren und eventuell einmal Politikerin oder Diplomatin werden. Die Japanerin ist über das Netzwerk „Youth For Understanding (YFU)“ in Deutschland und wird auch von dieser Organisation betreut.

Mehr Freiheiten als an der Highschool

Die Japanerin schwärmt von den größeren Freiheiten, die sie am Gymnasium hat. In Japan startet das Schuljahr im April. Täglich ist bis 16 Uhr Unterricht und danach beginnen die Aktivitäten wie Sport oder Arbeitsgemeinschaften.

„Außerdem müssen wir die Schule selbst putzen“, so Mao, die die Highschool besucht.

Mao Nakamura ist nicht die einzige Austauschschülerin, die zurzeit am Harthaer Gymnasium lernt.

Deutschkenntnisse von der Oma

Maya Petrie (16) kommt aus den USA, aus Kalifornien. Sie bringt schon einige Deutschkenntnisse mit, da ihre Oma aus Deutschland stammt. Während sie den Deutschunterricht in Klasse neun besucht, nimmt sie am Englisch-, Geschichts- und Sportunterricht der Klasse elf teil.

In Englisch sogar im Leistungskurs. So manches Mal komme sie als Assistentin zum Einsatz. Seit Ende August ist Maya in Deutschland.

Wegen Corona hat es vor dem Schulalltag kein Sprachcamp in der herkömmlichen Form, sondern nur online gegeben.

Die 16-jährige Maya hat schnell Anschluss gefunden, wohnt bei ihren Gasteltern in Geringswalde und ihre Gastgeschwister besuchen das Harthaer Gymnasium. Da gestalte sich vieles einfacher. Die Kalifornierin will die deutsche Sprache noch besser lernen, sie liebt Kunst und die Architektur.

Maya geht zweimal in der Woche zum Volleyballtraining.Ihr Lieblingsgericht sind Käsespätzle mit Bratwurst – sowohl in den USA als auch in Deutschland.

Gymnasium hat viele internationale Gäste

Maya Petrie hat sich über das Parlamentarische Patenschafts-Programm für das Jahr in Deutschland beworben. Das Programm gibt seit 1983. Jedes Jahr haben so Schüler die Möglichkeit, mit einem Stipendium ein Austauschjahr in den USA zu erleben.

Zeitgleich sind junge US-Amerikaner zu einem Austauschjahr zu Gast in Deutschland. Inez Bardehle betreut seit 2006 Gastschüler über den internationalen Verein Give.

„Wir hatten am Harthaer Gymnasium schon mehr als 20 Austauschschüler“, erzählt Bardehle. „Sie kamen aus Frankreich, den USA oder Italien, Dänemark oder Mexiko.“

Bei den Besuchen gehe es darum, gegenseitig die andere Kultur, das Land und auch die Sprache besser kennenzulernen, einfach einmal über den Tellerrand zu schauen.