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Ski-Gondel für ein Leipziger Wochenendgrundstück

Tischlermeister Stefan Wagner aus Hartha ist dafür bekannt, ungewöhnliche Projekte umzusetzen. Auch diesmal ist ihm ein Meisterwerk gelungen.

Tischlermeister Stefan Wagner hat einen recht ungewöhnlichen Auftrag realisiert. Er übernahm den Innenausbau einer ausgemusterten Ski-Gondel aus Österreich. Die soll nun in Leipzig Platz finden.
Tischlermeister Stefan Wagner hat einen recht ungewöhnlichen Auftrag realisiert. Er übernahm den Innenausbau einer ausgemusterten Ski-Gondel aus Österreich. Die soll nun in Leipzig Platz finden. © Lars Halbauer

Hartha. Künftig wird über einem Grundstück am Hainer See bei Leipzig eine Ski-Godel schweben. Zur Freude des Besitzers. Denn nachdem sie der Harthaer Tischleimeister Stefan Wagner ausgebaut hat, können Gäste auf rustikalen Bänken Platz nehmen.

Ihnen stehen auch noch ein Tisch mit entsprechenden Steckdosen, eine Infrarotheizung und ein Lichtband für das gemütliche Ambiente zur Verfügung. „Die Nutzer sollen sich so wohlfühlen, wie in einer Almhütte. Das war die Forderung des Auftraggebers“, so Wagner.

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Vor längerer Zeit war die Gondel noch am Kreischberg, einem Wintersportgebiet in der Steiermark in Österreich im Einsatz. Das ist zurzeit noch außen an der Kabinenwand in Form eines Aufklebers zu sehen. Auch die Hinweisschilder, an den Fenstern angebracht sind, sollen noch verschwinden.

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Ist der Harthaer Tischlermeister mit seiner Arbeit fertig, wird die Gondel noch von einem Spezialisten von außen beklebt und dann an den künftigen Standort transportiert. „Dort wurde bereits ein Fundament gegossen. Die Gondel wird an zwei Eisenträgern befestigt und schwebt dann mit Blick auf den See über dem Grundstück“, so der Tischlermeister.

„Eine Privatperson hat die ausgemusterte Kabine im Internet erworben und bei mir angefragt, ob ich den Innenausbau übernehmen könnte“, sagte Stefan Wagner. Er habe seinen Auftraggeber schon gekannt, weil er dessen Büro in Leipzig ausgestattet habe.

Lichttechnik per App gesteuert

„Der Möbelbau ist eigentlich mein Kerngebiet. Doch dieser Auftrag war schon etwas ungewöhnlich und eine besondere Herausforderung. Das hat mich gereizt“, so der Harthaer. Am schwierigsten und aufregendsten seien für ihn jedoch nicht die Tischlerarbeiten gewesen.

„Die Kabinentür wird normalerweise über einen Bautenzug geregelt. Doch diese steht nicht mehr zur Verfügung. Also musste ein Motor eingebaut werden, mit dessen Hilfe die Tür geöffnet und geschlossen werden kann. Natürlich auf Knopfdruck“, so Wagner. Beachtet werden musste in diesem Zusammenhang, dass die Türen auch funktionieren müssen, wenn der Strom einmal ausfällt.

„In einer kleinen Luke wurde die entsprechende Technik mit Unterstützung eines Freundes eingebaut“, sagte der Tischlermeister. Auch die Lichttechnik habe es in sich und könne nun über eine App gesteuert werden. Das Lichtband kann in verschiedenen Farben leuchten.

Für die Innenausstattung hat Stefan Wagner Fichtenholz genutzt. Um den rustikalen Charakter zu bekommen, wurde das Holz zunächst „flambiert“ und anschließend mit Bürsten bearbeitet. "Jedes Holz hat weiche und harte Jahresringe. Das weichere Holz wurde sozusagen herausgebürstet, sodass es an diesen Stellen wieder hell wurde. Die Holzteile, die erhaben sind, haben einen leichten braunen Farbton."

Tischlermeister wollte Fähigkeiten weiterentwickeln

Den Entwurf, wie es in der Gondel einmal aussehen soll, hat Stefan Wagner selbst gestaltet. "Da steckt viel Planung drin." Um die Formen, wie die abgerundeten Säulen hinzubekommen benötigte es handwerkliches Können und Geschick. Eine Woche benötigten Wagner und ein befreundeter Tischlermeister für den Innenausbau der Gondel.

Stefan Wagner legte im Jahr 2015 die beste Meisterprüfung der Handwerkskammer Chemnitz im Tischlerhandwerk ab. Auch damals überzeugte der Harthaer mit ungewöhnlichen Techniken und Formen. Er stellte einen Schreibtisch mit einer schrägen Form und einer interessanten, etwas rauhen Holzstruktur her. Selbst die Schieber waren kleine Kunstwerke.

Stefan Wagner aus Hartha hat bereits 2015 die beste Meisterprüfung der Handwerkskammer Chemnitz im Tischlerhandwerk abgelegt. Er hat mit dem Job sein Wunschberuf gefunden.
Stefan Wagner aus Hartha hat bereits 2015 die beste Meisterprüfung der Handwerkskammer Chemnitz im Tischlerhandwerk abgelegt. Er hat mit dem Job sein Wunschberuf gefunden. © Lars Halbauer

Stefan Wagner (33) hat nach der 10. Klasse eine dreijährige Ausbildung als Tischler bei der Firma Ernst Rockhausen und Söhne KG absolviert. „Damals war es gar nicht so einfach, eine Lehrstelle zu bekommen. Ich wollte unbedingt Tischler werden, mit Holz arbeiten. Probiert hatte ich das schon oft Zuhause. Ich habe immer viel gebaut“, so Stefan Wagner.

Schon während der Ausbildung habe er gemerkt, dass er seinen Traumberuf gewählt hat. Nach der Lehre ist er von der Firma Rockhausen übernommen worden. Doch er wollte mehr. Es entstand der Wunsch, sich weiterzuentwickeln, seine Fähigkeiten zu erweitern, den Meisterlehrgang zu besuchen.

Werkstatt in Richzenhain mit drei Selbstständigen

Nachdem die künftigen Meister im Dezember 2014 ihre Prüfung ablegten und sie auf das Ergebnis warteten, begann für Stefan Wagner eine Orientierungsphase. „Zuerst habe ich nach einer Firma gesucht, die mich als Meister einstellt. Doch so eine Stelle habe ich nicht gefunden“, sagte Stefan Wagner.

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Deshalb habe er sich entschieden, sich selbstständig zu machen. Mit der Bestätigung der Prüfung, der Eintragung in die Meisterrolle und dem sogenannten kleinen Meisterbrief in der Tasche, erledigte er alle Formalitäten, um sich ab dem 1. März 2015 selbstständig zu machen.

Die Werkstatt an der Richzenhainer Straße teilen sich nun drei selbstständige Tischlermeister. „Es funktioniert prima. Schließlich kann einer nicht an allen Maschinen auf einmal arbeiten. So werden sie gut ausgelastet.“

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