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„Bis ich 108 Jahre alt bin, will ich arbeiten“

Norbert Beule ist eigentlich seit 2015 Rentner. Doch der Harthaer hat eine soziale Ader und arbeitet mit 71 weiter im Hospiz Leisnig.

Norbert Beule aus Hartha arbeitet seit zwei Jahren ehrenamtlich im Hospiz Leisnig. Dafür hat er extra einen Lehrgang absolviert und ein Zertifikat darüber erhalten.
Norbert Beule aus Hartha arbeitet seit zwei Jahren ehrenamtlich im Hospiz Leisnig. Dafür hat er extra einen Lehrgang absolviert und ein Zertifikat darüber erhalten. © Dietmar Thomas

Hartha/Leisnig. Eigentlich könnte Norbert Beule seit sechs Jahren zu Hause sein und das Rentnerleben genießen. Doch genau das kann und will der 71-jährige nicht. „Ich muss zu tun haben, sonst ist mir langweilig“, meint der Harthaer. Im Jahr 2015 hat Norbert Beule sich entschieden, nach einer langjährigen Dozenten-Karriere in die Pflege umzuschulen. Nebenbei hat er sich ehrenamtlich beim Hospiz in Leisnig gemeldet, um dort Sterbende zu begleiten – und das macht er bis heute.

Bei einem christlichen Freiwilligendienst 2002 habe der eigentlich aus dem Sauerland stammende Harther kennengelernt, was es heißt, mit Sterbenden umzugehen. „Dort geht es vor allem um das Vorlesen, Geschichten erzählen und das Reden. Das Ohr ist das Organ, was bis zum Ende funktioniert“, erzählt Norbert Beule.

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„Als ich dann wieder hierher zurückkam, wollte ich auch weiterhin in diesem sozialen Bereich tätig sein.“Damals gab es das Leisniger Hospiz noch nicht, doch mit der Eröffnung 2012 hat er sich gemeldet und ist seit dem vor allem im ambulanten Dienst tätig.

Erster steiler Anstieg und dann tiefer Fall für den Harthaer

Dafür absolvierte der ehemalige Bänker sogar einen extra Lehrgang, um sich für diesen, wie er sagt, „sehr psychisch belastenden“ Job zu qualifizieren. Doch trotz der Belastung, macht es ihm Freude, den Menschen in ihren letzten Wochen zu helfen.

Doch auch sein eigenes Leben war nicht immer ein leichtes. In ärmlichen Verhältnissen in Meschede im Sauerland aufgewachsen, ermöglichte ihm der Dorflehrer ein Studium. „Meine Eltern wollten, dass ich Schornsteinfeger werde. Aber ich hatte sehr gute Schulnoten“, erzählt Beule.

Vor seiner Tätigkeit im Leisniger Hospiz war er im Pflegeheim tätig.
Vor seiner Tätigkeit im Leisniger Hospiz war er im Pflegeheim tätig. © Archiv/André Braun

Das Studium zum Diplom-Betriebswirt finanzierte sich Beule mit einem Nebenjob im Sägewerk. Bereits mit 21 Jahren war er verheiratet. Mit 22 hatte er zwei Kinder. Später kam noch ein Drittes hinzu. Dem Studium folgten eine auf zwei Jahre verkürzte Banklehre und der Aufstieg in die Vorstandsetage einer großen Bank. „Dort besaß ich die Handlungsvollmacht“, sagt er.

Nach dem steilen Aufstieg kam der tiefe Fall. Beurlaubung und Entlassung. Er rappelte sich wieder auf, absolvierte die Ausbildereignungsprüfung und unterrichtete an einer Meisterschule der IHK in Dortmund. Im Jahr 1991 im Rahmen des Programms „Aufbau Ost“ kam er nach Leipzig.

"Zuhause sitzen kann ich nicht. Ich brauche eine Beschäftigung"

Doch dann kam die Scheidung nach 26 Jahren. „Die hat mich aus der Bahn geworfen. Ich habe meine Sorgen in Alkohol ertränkt.“ Nach einem Klinikaufenthalt kam er mit mehr Kraft zurück.

Trotz aller Widrigkeiten – oder gerade deshalb – hat sich Norbert Beule schon oft für andere Menschen eingesetzt. „Meine Mutter hat immer gesagt ‚Hilf den Menschen, solang du nur kannst‘. Und das mache ich. Bis ich 108 Jahre alt bin, will ich arbeiten“, sagt Norbert Beule und betont: „Solange meine Beine mich tragen, möchte ich im sozialen Bereich tätig sein.“

Aber das Coronavirus macht auch bei ihm nicht Halt. Zwar wurde der 71-jährige bereits mit der ersten Spritze dagegen geimpft, doch den normalen Hospiz-Alltag gebe es derzeit nicht, wie er erzählt. „Ich habe im Rahmen meiner ambulanten Hospiz-Tätigkeit noch zwei Patienten im Pflegeheim, die ich regelmäßig besuchen gehe.“ Doch auch das sei nur mit vielen Formalien möglich.

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Norbert Beule hofft, dass er Mitte des Jahres wieder mehr im Hospiz tätig sein kann. Bis dahin arbeitet er einige Stunden in einer Speditionsfirma. „Zuhause sitzen kann ich nicht. Ich brauche eine Beschäftigung“, sagt der Harther lächelnd.

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