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Problemfall: Harthaer Stadtwäldchen

Die Debatte um das Waldstück an der B175 reißt nicht ab. Mehrere Bürger haben eine Petition gegen die Entwidmung der Wege unterschrieben.

Herbert Seidel (69) aus Hartha wohnt direkt neben dem Stadtwäldchen. Er ist mit dem derzeitigen Zustand des Waldstücks unzufrieden. Früher sei es ein
Schmuckstück gewesen, heute ein „Saustall“.
Herbert Seidel (69) aus Hartha wohnt direkt neben dem Stadtwäldchen. Er ist mit dem derzeitigen Zustand des Waldstücks unzufrieden. Früher sei es ein Schmuckstück gewesen, heute ein „Saustall“. © Lars Halbauer

Hartha. Herbert Seidel ist sauer. Der 69-jährige Harthaer wohnt direkt neben dem Stadtwäldchen an der B175. Mehrmals in der Woche geht der Rentner spazieren – auch im benachbarten Waldstück. Doch entspannen kann er bei seinem Rundgang meist nicht, er ärgert sich mehr. Vor allem über die unzähligen herumliegenden Äste zwischen und auf den Wegen.

Seidel wohnt schon viele Jahre in der Stadt, kennt das Stadtwäldchen noch aus DDR-Zeiten. „Unser Wäldchen war seit jeher ein Tummelplatz für Kinder, auch Kulturprogramme gab es auf der Freilichtbühne und Möglichkeiten zum Sport treiben“, erzählt der 69-Jährige.

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Gewidmete Wege im Wald sind Seltenheit in Sachsen

„Doch mittlerweile ist unser Wäldchen zu einem Saustall verkommen.“ Den Rentner ärgert vor allem das unzählige Totholz, das sich im gesamten Waldstück findet. „Warum ist es nicht möglich, die Äste mal aus dem Wald rauszuholen? Ist das so schwer?“, fragt sich Seidel. Schon als sachkundiger Bürger der Stadt Hartha setzte sich Seidel damals für die Pflege des Stadtwäldchens mehrfach ein, hat dabei sogar selbst geholfen.

Zu seiner Verärgerung hat auch die angekündigte Maßnahme der Stadtverwaltung, die Wege des Waldstücks zu entwidmen, beigetragen. „Sollte das passieren, dann gibt die Stadt den Wald komplett auf“, meint Seidel.

Gemeinsam mit 128 anderen Anrainern des Stadtwäldchens hat er am Dienstag einen Einspruch gegen dieses Vorhaben beim Harthaer Bauamtsleiter Ronald Fischer abgegeben. Darin fordern die Unterstützer die Stadträte auf, „dass Vorhaben ‚Einziehung der öffentlichen Widmung der Wege im Stadtwald‘ abzulehnen“.

Die „Kraftarena“ kann derzeit nicht genutzt werden. Der Wald ist gesperrt.
Die „Kraftarena“ kann derzeit nicht genutzt werden. Der Wald ist gesperrt. © Lars Halbauer
Der Wald war einst beliebter Jugendtreff. Er hat schon bessere Zeiten gesehen.
Der Wald war einst beliebter Jugendtreff. Er hat schon bessere Zeiten gesehen. © Lars Halbauer

Außerdem verlangen sie vom Gremium, alle Möglichkeiten zu nutzen, damit das Stadtwäldchen wieder so wird, wie es damals war: „Ein gepflegter Ort, an den Erwachsene und Kinder gern hingehen.“

Harthas Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) bestätigt auf Anfrage, dass er das Schreiben mit den Einwänden von 129 Bürgern erhalten hat. Er nehme es ernst, sieht jedoch einige Punkte im Schreiben als unbegründet an. „Eine Entwidmung der Wege ist gesetzlich im sächsischen Waldgesetz vorgesehen“, so der Rathauschef.

„Über 90 Prozent der Wälder im Freistaat haben keine gewidmeten Wege mehr. Das Gesetz besteht schon lange, und nun wollen wir endlich diese Änderung auch bei uns in Hartha umsetzen

Harthas Bürgermeister auf der Suche nach einer Lösung

Ganz klar stellt Kunze jedoch fest, dass der Wald auch nach dieser Entscheidung im Besitz der Stadt bleibt. Das heißt, dass sie auch weiterhin für die Pflege des Waldes und Instandhaltung der Wege verantwortlich sei.

„Die Entwidmung bringt uns grundsätzlich nur rechtliche Sicherheit. Wir sind dann nicht mehr für Schäden haftbar, wenn beispielsweise jemand hinfällt“, so Kunze. Der Besuch sei, wie in vielen anderen Wäldern, auf eigene Gefahr.

Sollte der Stadtrat bei seiner Entscheidung im Sommer gegen die Entwidmung stimmen, sei das Stadtwäldchen dann offiziell als Park zu deklarieren. Das wiederum bedeute, dass sich die Stadt beziehungsweise die von ihr beauftragten Firmen intensiv um die Bäume und Wege kümmern müssten, um eine möglichst hundertprozentige Sicherheit zu gewährleisten. Zudem kämen auf die Stadt Mehrkosten in Höhe einer „mittleren fünfstelligen Summe“ zu.

Sollte der Stadtrat gegen die Einstellung der zusätzlichen Kosten im Haushalt stimmen, dann gebe es dem Bürgermeister zufolge nur noch eine Möglichkeit: die Sperrung des Stadtwäldchens. Doch das will Kunze verhindern.

„Wir werden in den Ausschüssen und im Stadtrat darüber sprechen und eine Lösung finden.“ Er könne sich auch vorstellen, mit den Bürgern und einem Förster vor Ort ein Termin zu vereinbaren, um die Wünsche anzusprechen.

Mindestens 7.100 Euro Ausgaben für Stadtwäldchen

Deutlich positioniert sich Ronald Kunze jedoch gegen die Bezeichnung „Saustall“. Die Verwaltung habe in den vergangenen Jahren mithilfe der Beratung vom Staatsbetrieb Sachsenforst das Stadtwäldchen auf einen nachhaltigen, ökologischen Weg gebracht. „Wir haben letztes Jahr 800 Bäume und 2021 noch einmal 130 Bäume gepflanzt“, sagt das Stadtoberhaupt.

„Insgesamt haben unsere Bauhof-Mitarbeiter letztes Jahr 158 sowie in diesem Jahr bis Ende April 194 Stunden im Stadtwäldchen gearbeitet.“ Zusammen mit dem Material waren das 2020 etwa 7.100 Euro Ausgaben. Hinzukommen Firmen, die im Auftrag der Stadt gearbeitet haben. Für die Beratung durch Sachsenforst fielen und fallen laut dem Bürgermeister keine Ausgaben an.

„Wir sind nicht untätig, aber wir verlassen uns auf fachliche Auskünfte“, sagt Kunze. „Dazu zählt unter anderem auch, dass wir das Totholz liegen lassen, um Tieren einen Lebensraum zu geben.“

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Wie es aber letztendlich in Zukunft mit den Wegen im Harthaer Stadtwäldchen weitergeht, wird der Stadtrat in einer der Sommer Sitzungen beschließen. Bis dahin will die Stadt mit allen Beteiligten noch einmal ins Gespräch kommen.

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