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Einigung beim Harthaer Stadtwäldchen?

Bürger, die Stadtverwaltung und der Sachsenforst haben sich in dem Waldstück getroffen. Dabei wurden mehrere Ansätze und Vorschläge diskutiert.

Begehung im Stadtwäldchen Hartha: Anwohner Herbert Seidel, Mathias Stahn vom Forstbezirk Leipzig, Revierförster Dirk Tenzler und Harthas Bauamtsleiter Ronald Fischer (von links).
Begehung im Stadtwäldchen Hartha: Anwohner Herbert Seidel, Mathias Stahn vom Forstbezirk Leipzig, Revierförster Dirk Tenzler und Harthas Bauamtsleiter Ronald Fischer (von links). © Erik-Holm Langhof

Hartha. Es kommt Schwung in die Debatte rund um das Harthaer Stadtwäldchen. Nachdem der neben dem Waldstück lebende Herbert Seidel gemeinsam mit 128 anderen Anrainern eine Petition gegen die Entwidmung der Waldwege in der Stadtverwaltung abgegeben hatte, gab es nun ein Vor-Ort-Treffen mit Stadtverwaltung, Bürgern und dem Sachsenforst. Letzterer hatte die Zusammenkunft nach der medialen Berichterstattung angeregt.

Diskutiert wurde dabei vor allem, ob die Wege im Stadtwäldchen auch in Zukunft weiterhin gewidmet bleiben sollen. Denn genau das fordern die Bürger mit ihrer Unterschriftensammlung.

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Nach Angaben von Mathias Stahn vom Forstbezirk Leipzig wäre das Stadtwäldchen dann jedoch an sich kein Wald, sondern mehr ein Park. „Es müsste jede nur so kleine Unsicherheit entfernt werden, damit keinem Besucher etwas passiert“, sagt er.

Die Stadt ist bei gewidmeten Wegen im Wald verpflichtet, regelmäßig das Wäldchen zu pflegen und vor allem die Wege sicher zu halten. „Das heißt, dass wir für alle körperlichen Schäden, die Besucher erleiden könnten, wenn sie hinfallen oder etwas auf den Kopf bekommen, haften würden“, erklärt Ordnungsamtsleiter Ronald Fischer.

Das wolle die Stadt aber möglichst verhindern. Hintergrund ist das Sächsische Waldgesetz, das vorschreibt, dass Wälder grundsätzlich frei zugänglich sind, jedoch auf eigene Gefahr und eigene Haftung.

Hartha muss "Wirtschaftlichkeit" betrachten

Weiterhin wolle die Stadtverwaltung nach Angaben von Ronald Fischer die mit den Stadtwäldchen verbundenen hohen Kosten reduzieren. „Es geht nicht darum, dass wir überhaupt nichts machen.

Denn auch wenn die Wege entwidmet sind, müssen wir regelmäßig das Wäldchen pflegen und Unsicherheiten entfernen“, erklärt Fischer. „Doch der Kosten-Nutzen-Faktor ist besser und die Unsicherheit mit möglichen Schadensansprüchen ist weg. Deshalb betrachten wir da auch immer die Wirtschaftlichkeit.“

Förster Mathias Stahn ergänzt dabei, dass zur sogenannten Verkehrssicherungspflicht – also der Abwehr von Gefahrenquellen – auch weiterhin die Wege, Bänke, Schautafeln oder auch der Treffpunkt am Pilz gehören.

Ordnungsamtsleiter der Stadt Hartha Ronald Fischer hat am Mittwoch das Stadtwäldchen nach einer Sperrung aufgrund von lockeren Ästen wieder freigegeben.
Ordnungsamtsleiter der Stadt Hartha Ronald Fischer hat am Mittwoch das Stadtwäldchen nach einer Sperrung aufgrund von lockeren Ästen wieder freigegeben. © Erik-Holm Langhof

Über den Trimm-Dich-Pfad müsse in diesem Zuge ebenso noch einmal gesprochen werden. Trotz alledem muss letztendlich der Stadtrat über die Entwidmung der Wege im Stadtwäldchen entscheiden. Das soll im August passieren.

Bei einem ganz anderen Punkt hingegen, wollen Sachsenforst und die Stadtverwaltung ein wenig auf die Forderungen der Bürger eingehen. „Beim Thema herumliegende Äste und Reisig haben wir uns beim Treffen geeinigt, eine Aktion zu initiieren, bei der der Bauhof gemeinsam mit freiwilligen Bürgern das Stadtwäldchen etwas beräumt“, so Mathias Stahn vom Forstbezirk Leipzig.

Schwerpunkte im Stadtwäldchen Hartha in Angriff nehmen

Bauamtsleiter Ronald Fischer ergänzt: „Wir wollen in der kommenden Woche über die Terminplanung sprechen und werden im Anschluss Interessierte einladen.“ Es sei jedoch noch zu klären, wie die freiwilligen Bürger bei einer solchen Aktion versichert seien.

Sollte alles rechtlich geklärt sein, so Fischer, werde es ein bis drei Tage geben, an denen das Stadtwäldchen an einigen Schwerpunkten beräumt wird. Auch rund um den bekannten Pilz soll sich etwas verändern. „Wir planen hier, die Stolperstellen rundherum zu entfernen“, so Fischer.

Grundsätzlich solle das Stadtwäldchen aber nicht zu einhundert Prozent sauber werden, erklärt Revierförster Dirk Tenzler, der auch das Harthaer Stadtwäldchen regelmäßig begutachtet. „Wir werden Schwerpunkte bearbeiten, wollen auf der anderen Seite aber auch Freiraum und Totholz für die hier lebenden Tiere lassen.“ Deshalb werde es mit der Verwaltung genaue Absprachen geben.

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Auch Herbert Seidel unterstützt die Mitmach-Aktion. Selbst will er jedoch schon vorher Hand anlegen und einige Sträucher verschneiden. „Ich denke, es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wie es mit der Widmung der Wege weitergeht, ist noch unsicher. Ich bin auch weiterhin gegen eine Entwidmung“, so der 69-jährige Anwohner.

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