merken
PLUS Döbeln

Hat Roßwein ein Drogenproblem?

Das lässt sich schwer sagen. Präventive Veranstaltungen sind bisher nicht gut besucht.

Welche Rolle Drogen bei Roßweiner Jugendlichen spielen, lässt sich schwer sagen. Einige Eltern sind sich sicher, dass manche Schüler zumindest wissen, wie sie an Drogen kommen könnten.
Welche Rolle Drogen bei Roßweiner Jugendlichen spielen, lässt sich schwer sagen. Einige Eltern sind sich sicher, dass manche Schüler zumindest wissen, wie sie an Drogen kommen könnten. ©  Symbolfoto: dpa

Roßwein. In einer Ratssitzung zu Jahresbeginn haben die Räte – mehr oder weniger spontan – einige eher unangenehme Dinge aufgegriffen. Ein Besucher wollte wissen, was die Räte gegen die für sein Empfinden zunehmende Kriminalität unternehmen wollen. Daraufhin kam eine Diskussion zustande, in der es auch darum ging, die Augen vor dem Thema Drogen nicht zu verschließen.

Damit hat sich jetzt grundsätzlich eine Gruppe befasst, die sich durchaus als kriminalpräventiver Rat bezeichnen könnte, sich aber nicht so nennen möchte. Am Tisch saßen nach den Worten von Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) Vertreter der Kommune, der Polizei, von Bürger- und Jugendhaus sowie der Roßweiner Schulen. 

Anzeige
Sichere App für Nachverfolgung
Sichere App für Nachverfolgung

Die Regeln für die Besucher von öffentlichen Einrichtungen wurden verschärft. Die App "Pass4all" bietet für sie und die Anbieter eine ideale Lösung.

Wirklich konkret wollte der Rathauschef im Nachgang nicht werden. „Nicht umsonst ist die Runde nichtöffentlich“, sagte er. Die erste Zusammenkunft des Gremiums war dann auch eher versehentlich bekannt geworden. Lindner erklärte das in einer Ratssitzung damit, dass eine Einladung verkehrt geleitet worden sei.

Tatsächlich ist ein Stadtrat damals als ein von einer Straftat Geschädigter eingeladen worden. Davon fühlten sich andere Räte wiederum übergangen.

Nur wenige aus der Zielgruppe erreicht

Im Ergebnis der neuerlichen Runde sagte der Bürgermeister, dass es daraus zwei Erkenntnisse gibt: Zum einen sollten Präventionsveranstaltungen öffentlicher und zum anderen häufiger angeboten werden als schon praktiziert. 

Denn offenbar genüge das bisherige Angebot nicht. „Zwar gibt es auch schulische Veranstaltungen, etwa in der Oberschule“, sagte der Bürgermeister. Aber eben nur ein- bis zweimal im Jahr. So auch im September. „Allerdings ist auch da wohl nur ein kleiner Teil derjenigen erreicht worden, die zur Zielgruppe gehören“, resümierte der Bürgermeister.

Erklären könne er sich, dass Schüler wie Eltern Angst davor haben könnten, als diejenigen abgestempelt zu werden, die Probleme mit Drogen haben. „Deshalb gibt es vielleicht weniger Befürchtungen, wenn die Prävention für alle Interessierten offen steht“, so Lindner.

Rat holen bei einem Suchtberater

Für die nächste Zusammenkunft soll ein Mitarbeiter des Diakonischen Werkes Döbeln eingeladen, den die Laien wegen seiner Erfahrungen in der Suchtberatung als Experten befragen wollen. Von ihm erhoffen sie sich Tipps und Hinweise, welche Art der Prävention bisher gut angekommen ist und wie die Kommune das Problem weiter anpacken sollte.

 Denn auch eine vom Bürgerhaus organisierte Buchlesung, in der die Autorin als Betroffene schilderte, wie ihr Sohn süchtig geworden ist und was das mit der Familie gemacht hat, ist nicht auf die erhoffte breite Resonanz gestoßen.

Kriminalstatistik und Empfindungen gehen auseinander

Ob es in Roßwein überhaupt ein akutes Drogenproblem gibt, lässt sich mit Sicherheit nicht sagen. In seinen bisherigen öffentlichen Kommentierungen der Kriminalstatistiken hat der Leiter des Döbelner Polizeireviers Andrée Wagner den Drogendelikten keine außergewöhnlich große Bedeutung beigemessen. Zumindest in den vergangenen Jahren. Die Statistik für 2019 stellte Wagner erstmals in einem nichtöffentlichen Teil einer Stadtratssitzung vor. 

Im Bereich der Rauschgiftdelikte wurden im vergangenen Jahr sechs Taten gezählt, teilte die Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz Jana Ulbricht auf Anfrage von Sächsische.de mit. Im Jahr davor seien es acht Straftaten unter dieser Überschrift gewesen.

 Einige Eltern haben zumindest das Gefühl, dass Drogen eine größere Rolle spielen. Berücksichtigen kann die Polizei in der Statistik allerdings nur Delikte, die bekannt sind und angezeigt werden.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln