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Keine Geburten mehr in Leisnigs Helios-Klinik

Die derzeit geschlossene Station öffnet im neuen Jahr nicht mehr. Einige Angebote bleiben aber. Zudem soll es künftig einen Hebammen-Stützpunkt geben.

Ein Parkplatz für werdende Eltern wird an Leisnigs Helios-Klinik nicht mehr notwendig sein. Die dortige Geburtsklinik ist schon geschlossen und wird auch nicht wieder öffnen, teilt die Geschäftsleitung mit.
Ein Parkplatz für werdende Eltern wird an Leisnigs Helios-Klinik nicht mehr notwendig sein. Die dortige Geburtsklinik ist schon geschlossen und wird auch nicht wieder öffnen, teilt die Geschäftsleitung mit. © Dietmar Thomas

Leisnig. Um die 500 Mädchen und Jungen haben jedes Jahr in Leisnig das Licht der Welt erblickt. Ab 2021 wird es keine Zahlen und Statistiken mehr geben.

Vielmehr löst Helios die Geburtshilfe am Standort in Leisnig auf und verweist auf die Gründung eines Netzwerkes Geburtshilfe. „Im Rahmen einer bestehenden Kooperation mit der Helios-Klinik in Schkeuditz wird das stationäre geburtshilfliche Angebot ab dem 4. Januar von Leisnig nach Schkeuditz verlagert“, teilt das Krankenhaus in Leisnig mit. Nach Schkeuditz gehe es bei Bedarf mit einem Storchentaxi.

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Die bestehende Kooperation beziehungsweise das Netzwerk „ermöglicht es uns, Schwangere vor und nach der Geburt hier in Leisnig weiter zu betreuen“, sagt Franziska Bell, Geschäftsführerin der Helios-Klinik in Leisnig. Darüber hinaus sei im Netzwerk Geburtshilfe ein Hebammenstützpunkt in Leisnig mit vielen Beratungs- und Serviceangeboten sowie eine Hebammenpraxis zur Geburtsvorbereitung und -nachbetreuung geplant.

Kein Fachpersonal für Leisnig gefunden

„Die Hebammen sind an beiden Klinikstandorten aktiv, kümmern sich im Vorfeld in Leisnig um die Schwangeren und sind dann auch bei der Entbindung in Schkeuditz an der Seite der werdenden Mütter“, konkretisiert Franziska Bell die Überlegungen.

Wie sie weiter mitteilt, gibt es derzeit Gespräche mit den Mitarbeiterinnen der Geburtshilfe, die von den Veränderungen betroffen sind. „Die acht Hebammen werden mit dem Aufbau der Kooperation und im Netzwerk der Helios-Kliniken adäquate Beschäftigungsangebote erhalten“, stellt sie in Aussicht.

Für Ärzte und Schwestern habe die Auflösung der Geburtshilfe in Leisnig keine Konsequenzen, so Stefan Möslein, der Leiter der Unternehmenskommunikation bei Helios.

Die Entscheidung für die Auflösung der Geburtshilfe in Leisnig begründet die Geschäftsführerin mit dem Mangel an Personal. „Wir können in Leisnig insbesondere aufgrund fehlender Fachärzte und trotz intensiver Suche nach Fachpersonal keine dauerhafte qualifizierte stationäre Betreuung werdender Mütter rund um die Uhr aufrechterhalten.“

Kinderklinik bleibt bestehen

Immerhin sei es bei einer stationären Versorgung von Schwangeren erforderlich, dass rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, sowohl ein Facharzt als auch eine Hebamme vor Ort sind. „Diesem Anspruch an eine hochwertige Versorgung Schwangerer können wir aufgrund der personellen Situation auch mittel- und langfristig nicht gerecht werden.“

Nach den Worten der Geschäftsführerin gibt es keine Abstriche, was das gynäkologische Angebot – etwa die Vor- und Nachsorge bei gynäkologischen Krebserkrankungen oder operative Eingriffe – betrifft. Auch die ärztliche Versorgung von Mädchen und Jungen sowie Heranwachsenden in der Kinderklinik des Helios-Krankenhauses in Leisnig bleibt aus heutiger Sicht in bekannter Weise erhalten.

Wer nach Alternativen zur Geburt in Leisnig sucht oder sich vom Leisniger Team der Geburtshilfe an eine andere Klinik vermitteln lassen möchte, kann sich an eine Hotline (Tel. 034321 82901) wenden. Diese ist bis zum 15. Januar 2021 geschaltet.

Erste Anfragen in den Muldentalkliniken

Kliniken mit einer Geburtshilfeabteilung rund um den Altkreis Döbeln befinden sich beispielsweise in der Elblandklinik in Riesa, im Kreiskrankenhaus Freiberg oder im Mittweidaer Krankenhaus.

Auch in den Muldentalkliniken können in Grimma sowie in Wurzen Kinder zur Welt kommen. „Wir verfügen über ein großes Team an geburtshilflichem Fachpersonal und sind diesbezüglich in beiden Häusern sehr gut aufgestellt“, teilt Beatrix Hundt von den Muldentalkliniken mit. Wie sie weiter berichtete, hatte das Hebammen-Team des Kreißsaales in Grimma gleich Hilfe angeboten, nachdem zunächst die vorübergehende Schließung der Geburtshilfe angekündigt war. „Vereinzelt haben uns inzwischen auch schon Geburtsanmeldungen aus Leisnig erreicht“, so Beatrix Hundt.

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Das Krankenhaus in Wurzen sei eines mit perinatalem Schwerpunkt. Die Mitarbeiter da verfügten sowohl über die Kompetenz als auch über die Erfahrungen in der Betreuung von Risikoschwangerschaften sowie kranken Neugeborenen. Auch die technische Ausrüstung dafür ist Beatrix Hundt zufolge vorhanden.

Rückmeldungen der Kliniken aus Riesa, Freiberg und Mittweida standen bis Redaktionsschluss noch aus.

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