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Hier entsteht der neue Landesrechnungshof

Der Freistaat Sachsen lässt gerade die alte Kaserne in Döbeln umbauen. Dabei gab es einige Überraschungen.

Das Kasernengebäude von oben. Derzeit erfolgt der Umbau für den Landesrechnungshof. Neu gebaut wird ein Anbau vor dem Gebäude, der gerade hochgezogen wird.
Das Kasernengebäude von oben. Derzeit erfolgt der Umbau für den Landesrechnungshof. Neu gebaut wird ein Anbau vor dem Gebäude, der gerade hochgezogen wird. © Dietmar Thomas

Döbeln. Wenn ein Altbau saniert wird, gibt es immer Überraschungen. Meistens böse. Beim Umbau der alten Döbelner Kaserne zum neuen Sitz des sächsischen Landesrechnungshofs aber eine, die schmunzeln lässt. 

„Als wir die Zwischendecke zum Dachboden aufgemacht haben, kamen jede Menge leerer Schnaps- und Sektflaschen runter. Der ganze Flur war mit Glasscherben bedeckt“, sagte Ramona Winter, die Projektleiterin vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilen- und Baumanagement, kurz SIB. „Eine Flasche Goldbrand war sogar noch voll.“

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Keine Frage, woher die Flaschen stammen. Bis 1993 wurde das Haus noch als Kaserne genutzt. Jeder Reservist kann Geschichten von geschmuggeltem Alkohol erzählen. Wo viele der geleerten Flaschen geblieben sind, ist jetzt klar. Auch der Bau selbst hielt noch die eine oder andere Überraschung bereit. 

Eine der aufgefundenen Deckenkonstruktionen nennen die Bauleute spaßeshalber die „gesprengte Elbbrücke“. Irgendwann waren mächtige Eisenträger in einer Etage der Kaserne eingebaut worden, die ganz offensichtlich schon mal irgendwo anders verwendet waren. 

Viele der alten Nieten hängen noch in den Löchern. Wer das gebaut hat und woher die Träger stammen, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Das SIB hatte keinerlei Bauunterlagen über die Kaserne auftreiben können.

Bauende des Landesrechnungshofs im Herbst 2022

Derzeit laufen die Rohbauarbeiten an der alten Kaserne. Die Firma O.H.T. Hoch- und Tiefbau GmbH aus Ostrau hatte das Glück, den Auftrag zu bekommen. Auch Peter Voit, Chef der SIB-Niederlassung in Chemnitz, freut sich, dass letztlich ein einheimisches Unternehmen die Arbeiten übernommen hat.

Der Umbau des Hauses hatte mit erheblichen Startschwierigkeiten begonnen. Nicht nur, weil die erste Ausschreibung im vergangenen Jahr komplett ins Leere gegangen war. Die eingegangenen Angebote waren viel zu hoch und nicht wirtschaftlich, sagte Voit. Aber auch mit der zweiten Ausschreibung war das SIB zunächst glücklos. 

Die Firma O.H.T. hatte zwar ein akzeptables Gebot abgeliefert. „Aber der Zweitplatzierte glaubte, sein Angebot wäre das bessere“, so Voit. Das Ganze landete vor der Vergabekammer. Das SIB bekam vor Gericht zwar recht, aber insgesamt war ein halbes Jahr Zeit verloren gegangen.

Hier entsteht einer der beiden Aufzugsschächte, die neu in das Haus eingebaut werden. Dafür wurde großzügig Baufreiheit geschaffen. Ansonsten bleibt viel erhalten. 
Hier entsteht einer der beiden Aufzugsschächte, die neu in das Haus eingebaut werden. Dafür wurde großzügig Baufreiheit geschaffen. Ansonsten bleibt viel erhalten.  © Dietmar Thomas
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© Dietmar Thomas

Ende Februar war dann endlich Beginn der Rohbauarbeiten. Ein paar vorbereitende Abrisse hatte das SIB schon im Vorfeld vornehmen lassen. Der Bauablauf war neu geplant worden. Aufgrund der Entwicklungen auf dem Baumarkt rechnet Voit auch im weiteren Verlauf damit, dass Aufträge mehrfach ausgeschrieben werden müssen. 

„Wir geben jetzt eine Bauzeit an, die wir mit Sicherheit einhalten können“, sagte Voit. Er rechnet mit dem Bauende im Herbst 2022. „Im November 2022 können wir das Haus vielleicht an den Rechnungshof übergeben.“ Nach dem Beschluss des Landtages sollte der Landesrechnungshof eigentlich schon in diesem Jahr von Leipzig nach Döbeln umziehen.

Grundstruktur der alten Döbelner Kaserne bleibt

Die Rohbauarbeiten werden wahrscheinlich bis in den Frühsommer kommenden Jahres dauern. Parallel dazu könnten die Elektriker und Klempner beginnen, die Haustechnik zu installieren. Der 120 Meter lange Kasernenbau ist dafür in drei Bauabschnitte unterteilt, sagte Christian Weber vom Bauplanungsbüro Eßmann, Gärtner, Nieper Architekten aus Leipzig, der die Bauüberwachung hat.

Ein Überbleibsel von der damaligen Kaserne: Ein Schild mit der Aufschrift "Kreiskommando Döbeln am Ost-Bahnhof".
Ein Überbleibsel von der damaligen Kaserne: Ein Schild mit der Aufschrift "Kreiskommando Döbeln am Ost-Bahnhof". © Dietmar Thomas

Im Moment braucht es noch viel Fantasie, sich vorzustellen, wie die rund 150 Mitarbeiter des Landesrechnungshofs einmal arbeiten werden. Die alten Ziegelwände sind ohne Putz, an der Decke sind die 130 Jahre alten Bretter der Decke freigelegt. Die gusseisernen Säulen, die die Decke abfangen, stehen aufgefrischt in den Räumen. Der Umbau ist ein großes Weiterverwendungsprojekt. 

Die Grundstruktur des Gebäudes und damit auch viele der 130 Jahre alten Bauelemente bleiben erhalten. Deckenbalken werden nur dort erneuert, wo sie durchgefault sind. Das war aber nur unter den Sanitärräumen der Fall, wo Wasser eindringen konnte, sagte Weber. Wo schwere Gewichte zu tragen sind, etwa in Archiven, werden moderne Deckenkonstruktionen eingebaut.

Umbau kostet den Freistaats 20 Millionen Euro

An manchen Stellen kann man von oben bis unten durch alle Stockwerke schauen. Der Aufzug des früheren Straßenbauamtes ist abgerissen worden. Dafür werden zwei neue Aufzüge eingebaut. 

Außerdem, aus Brandschutzgründen, ein zusätzliches Treppenhaus. Wirklich neu ist nur ein eingeschossiger Anbau, an dem gerade gearbeitet wird. Er enthält einen 270 Quadratmeter großen Raum für Betriebsversammlungen, Schulungen und Tagungen. Er lässt sich später durch flexible Wände in kleinere Räume unterteilen.

Peter Voit (von links) und Ramona Winter stehen mit den Bauüberwachern Adnan Najjar und Christian Weber im Rohbau. Hier wird eine „Kombizone“ für die künftigen Nutzer eingerichtet mit Kaffeeküche und Sitzecken für Besprechungen.
Peter Voit (von links) und Ramona Winter stehen mit den Bauüberwachern Adnan Najjar und Christian Weber im Rohbau. Hier wird eine „Kombizone“ für die künftigen Nutzer eingerichtet mit Kaffeeküche und Sitzecken für Besprechungen. © Dietmar Thomas

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Der Umbau der Kaserne ist mit knapp 20 Millionen Euro kein Schnäppchen. Der Freistaat bekommt 4,3 Millionen Euro als Zuschuss von der EU, weil der Bau besonders energieeffizient ist. Im Altbau werden die geforderten Effizienzwerte um mehr als 40 Prozent übertroffen, sagte Voit.

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