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In Roßwein: Hund fällt Frau auf Fahrrad an

Der Besitzer des Tieres reagiert kaum. Und die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren ein. Muss erst Schlimmeres passieren?

Bei der Begegnung zweier Radler auf dem Hammerweg ist einer vom freilaufenden Hund des anderen gebissen worden.
Bei der Begegnung zweier Radler auf dem Hammerweg ist einer vom freilaufenden Hund des anderen gebissen worden. © Dietmar Thomas

Roßwein. Noch immer ist die Roßweinerin aufgeregt, obwohl das Ereignis, von dem sie erzählt, schon einige Monate zurückliegt. Regelmäßig unternimmt die Familie Radtouren. Doch ein Ausflug im März hinterlässt im wahrsten Sinn des Wortes Spuren.

An einem Sonntag ist die Frau mit ihrem Sohn auf dem Hammerweg unterwegs. Sie fahren stadteinwärts, der Elfjährige hinter ihr. Ihnen kommen andere Radler entgegen: ein Mann, dahinter ein Junge. Zwischen beiden läuft ein Hund – ohne Leine und Maulkorb.

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„Als wir schon fast aneinander vorbei waren, hat sich der Hund umgedreht, ist hochgesprungen und hat mich in den linken Oberschenkel gebissen“, schildert die 37-Jährige. Glücklicherweise sei ihre Hose aus festem Stoff gewesen. Die sei zwar kaputt gegangen, aber sie selbst habe „nur“ Schürfwunden davongetragen.

Hundebesitzer reagiert nicht

Der Besitzer des Hundes habe gar nicht reagiert. Er sei weitergefahren und erst stehengeblieben, als sie ihn durch Rufe dazu aufgefordert habe. Er habe sich nicht entschuldigt, sondern die Situation eher ins Lächerliche gezogen.

Auf ihre Frage, wie die Angelegenheit geregelt werden könne, habe er geantwortet, er schicke ihr etwas zu. „Aber er hat weder nach meinem Namen noch nach meiner Adresse gefragt“, erzählt die Roßweinerin. Und als sie sich nach seinen Daten erkundigt hat, habe er wieder gelacht und gesagt, er müsse sich noch überlegen, ob er sie ihr gibt.

„Da habe ich mich umgedreht und bin mit meinem Sohn nach Hause gefahren. Der war sehr erschrocken“, sagt die Frau. Zehn Tage habe sie gewartet. In denen sei sie dem Mann auch in der Stadt begegnet. Wieder mit Hund, einem Weimaraner. Der Jagdhund sei auch dann nicht angeleint gewesen und sein Besitzer habe sie nicht angesprochen und sich auch sonst nicht gemeldet. Deshalb entschloss sie sich, Anzeige bei der Polizei zu erstatten und den Vorfall im Roßweiner Ordnungsamt zu melden.

Strafe erst bei Wiederholung

Doch das ist in diesem Fall gar nicht zuständig, sondern die Ordnungsbehörde des Landkreises. Die konnte jedoch erst reagieren, wenn die Staatsanwaltschaft eine Entscheidung getroffen hat, an die die Polizei den Fall übergeben hat.

Mitte Mai erhielt die Roßweinerin ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft Chemnitz, die das Ermittlungsverfahren eingestellt und „zur Verfolgung der Ordnungswidrigkeit an die Verwaltungsbehörde“ abgegeben hatte.

Die Staatsanwaltschaft war zu dem Schluss gekommen, dass das Verhalten des Tieres für seinen Besitzer nicht vorhersehbar war, da der Hund zuvor noch nicht gebissen habe. „Erst im Wiederholungsfall kommen strafrechtliche Konsequenzen in Betracht“, heißt es in dem Schreiben.

Ahnden könnte die Ordnungswidrigkeit nun die Ordnungsbehörde des Landkreises Mittelsachsen. Trotz konkreter Nachfrage von Sächsische.de antwortete das Landratsamt „im Hinblick auf Persönlichkeitsrechte und Datenschutz“ nur allgemein.

Leinenpflicht in Roßwein

Wenn ein Beißvorfall bekannt wird, komme es zur Einleitung eines Verwaltungsverfahrens. Dazu gehörten Ermittlungen, etwa durch Befragen der Beteiligten oder des weiteren Umfeldes, aus dem der Hund stammt.

„Abschließend wird in einer Gesamtschau eine Bewertung des ermittelten Sachverhaltes vorgenommen“, teilt Kreissprecher André Kaiser mit. Im Ergebnis dessen könne es zur Feststellung der Gefährlichkeit des Hundes per Verwaltungsbescheid kommen. Dies sei mit bestimmten Restriktionen für den Hundehalter verbunden.

Dazu gehören höhere Steuern, Leinen-Maulkorbzwang und ein Sachkundenachweis des Hundehalters. Die Rechtsgrundlage dafür stelle das sächsische Gesetz zum Schutze der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden dar. Wie in dem Roßweiner Fall verfahren und entschieden wurde, teilte das Landratsamt nicht mit.

Ordnungsgeld droht

Laut der betroffenen Roßweinerin habe auch dieses Amt das Verfahren eingestellt. Dem Roßweiner Ordnungsamt sind die Hände gebunden. Denn es kann kein Verfahren anstrengen, wenn es von der übergeordneten Behörde nicht an die Roßweiner abgegeben wurde. „Wir können den Tierhalter nur anschreiben und ihn auf die Polizeiordnung hinweisen.

Laut dieser besteht auf ausgewiesenen Grün- und Erholungsflächen, auf Gehwegen und in Fußgängerzonen für Hunde Leinenpflicht“, erklärt Dirk Mehler vom Bau- und Ordnungsamt. Wenn der Mann, der ebenfalls in Roßwein Zuhause ist, wieder mit dem Hund angetroffen wird und dieser ohne Leine läuft, könne ein Ordnungsgeld erhoben werden. Eine Wesensprüfung des Tieres erfolge erst, wenn weitere Anzeigen eingehen, dass das Tier andere Menschen angefallen hat. Bisher lägen solche Anzeigen nicht vor.

Der Halter des Hundes hat sich bis heute nicht bei der Roßweinerin gemeldet. Sächsische.de hat bei ihm nachgefragt, wie seine Sicht auf den Vorfall im März ist. Er erklärte, er wolle sich gern dazu äußern, habe aber im Moment keine Zeit und werde zurückrufen. Dies ist jedoch nicht passiert. Auch Versuche der Redaktion, ihn erneut zu erreichen, blieben erfolglos.

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