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Im Amtsgericht gibt’s jetzt Geschenke

Das Haus Dresdener Straße 8 hat eine wechselvolle Geschichte. Früher gehörte es zu den wichtigsten Gebäuden der Stadt.

Das Haus an der Dresdner Straße 8 in Roßwein war das erste Gerichtsgebäude der Stadt. Jetzt befinden sich im Erdgeschoss rechts der Geschenkeladen von Regina Baier und das Geschäft der Elektro Roßwein GmbH.
Das Haus an der Dresdner Straße 8 in Roßwein war das erste Gerichtsgebäude der Stadt. Jetzt befinden sich im Erdgeschoss rechts der Geschenkeladen von Regina Baier und das Geschäft der Elektro Roßwein GmbH. © Dietmar Thomas

Roßwein. Die Dresdener Straße ist die Geschäftsstraße Roßweins. Viele Schaufenster sind aber verwaist. Die Häuser bieten bis auf einige Ausnahmen keinen schönen Anblick. Teilweise sind die Eigentümer nicht einmal mehr auffindbar.

Das Haus Nummer 8 ist eine der Ausnahmen. Die Fassade ist zwar nicht frisch saniert, hat aber vor Jahren schon einmal einen frischen Anstrich bekommen. Und auch im Inneren hat sich in den zurückliegenden Jahren einiges getan. Auch die beiden Ladengeschäfte im Parterre sind so gut wie durchgängig vermietet.

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Sachsen ordnet Umzug an

Reinhard Senf ist Mitglied des Heimatvereins und in der Geschichte Roßweins bewandert. Er weiß: die Dresdener Straße 8 war das erste Gerichtsgebäude von Roßwein. „Darin befand sich das Amtsgericht. Deshalb waren die Fenster im Untergeschoss auch vergittert“, sagt der 82-Jährige. 

Nach einer Verordnung Sachsens musste es aber umziehen. Befürchtet wurde nämlich, dass die wertvollen Aktenbestände etwa durch einen Stadtbrand vernichtet werden könnten.

Wann genau der Umzug erfolgen musste, konnte Reinhard Senf nicht herausfinden, „aber es muss noch in der Zeit gewesen sein, als Sachsen Königreich war“, sagt er. Das neue Domizil für das Amtsgericht wurde am Rande der Stadt gefunden, im Gebäude der ehemaligen Meisterschule gegenüber dem Lidl-Markt an der Döbelner Straße. Dort habe sich auch ein Gefängnis befunden, aber nur für kurzzeitige Aufenthalte, so der Heimatfreund.

Läden wechselten immer wieder

Amtsgerichte hätten zu damaliger Zeit im Gegensatz zu heute noch eine andere Bedeutung gehabt. „Dort wurden nicht nur Strafsachen behandelt. Auch Straßensperrungen oder Ähnliches wurden früher im Amtsgericht entschieden und durchgesetzt“, erzählt Reinhard Senf.

Nach dem Auszug des Amtsgerichts wandelte sich das Gebäude an der Dresdner Straße 8 in ein Wohn- und Geschäftshaus. Im Parterre befinden sich schon seit vielen Jahren zwei Ladengeschäfte – heute der RB-Geschenkeladen von Regina Baier und das Geschäft der Elektro Roßwein GmbH. 

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts habe sich die traditionsreiche Drogerie Wolf in einem Gebäudeteil befunden. Auf der anderen Seite etablierte sich um 1935 ein Schokoladenwarengeschäft, so Reinhard Senf.

Rollstuhlgerechter Zugang

Nach der Wende erwarb Hubert Langer das Haus und verkaufte fortan im Parterre Drogeriewaren und Tapeten in den beiden Geschäften. Langer war es auch, der im rückwärtigen Bereich anbauen und erste Sanierungen vornehmen ließ.

 Nachdem er seine Geschäfte aufgegeben hatte, zog die Drogeriekette Schlecker ein. Die hatte zuvor auf der Döbelner Straße in dem an den ehemaligen Second-Hand-Laden angrenzenden Haus eher ungenügende Bedingungen vorgefunden. Die Kunden mussten dort mehrere Stufen hochsteigen, um in das Geschäft zu gelangen.

Mittlerweile ist André Baier, der neue Eigentümer des traditionsreichen Hauses an der Dresdner Straße 8. Er hat in das Gebäude investiert und die Wohnungen in den beiden Obergeschossen saniert. 

Derzeit arbeitet er an den Außenanlagen auf dem Hinterhof am Niederstadtgraben. Weil einer der Mieter auf den Rollstuhl angewiesen ist, werden der Hinterausgang und der Weg zu den Parkplätzen so gestaltet, dass er diesen problemlos erreichen kann.

Sanierung der Fassade geplant

Vor sechs Jahren hat Baier das Haus erworben. Weil der gelernte Fliesenleger so gut wie sämtliche Arbeiten in Eigenleistung verrichtet, benötigt er mehr Zeit für die Sanierung. Drei Jahre habe es allein gedauert, bis er selbst in seine Wohnung im zweiten Obergeschoss einziehen konnte.

Auch die Sanierung der denkmalgeschützten Fassade zur Dresdner Straße steht auf dem Plan des Hausbesitzers. Bis es soweit ist, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. „Ich kann alles nur schrittweise erledigen“, sagt der 37-Jährige. Deshalb werde es noch mindestens zwei bis drei Jahren dauern, bis er die Fassade in Angriff nehmen kann.

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