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In Mittelsachsen fehlen Psychiater

Die Zahl der Fachärzte ist um ein Drittel gesunken. Auch die finanziellen Zuschüsse haben sich verringert.

Menschen mit psychischen Problemen bekommen in Mittelsachsen auf vielfältige Weise Hilfe. Die Zahl der Fachärzte ist allerdings gering.
Menschen mit psychischen Problemen bekommen in Mittelsachsen auf vielfältige Weise Hilfe. Die Zahl der Fachärzte ist allerdings gering. © Matthias Rietschel

Mittelsachsen. Rund 5,3 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren erkranken jedes Jahr deutschlandweit an einer Depression. Auch in Mittelsachsen ist der Anteil an Bürgern mit psychischen und Suchterkrankungen auf einem anhaltend hohen Niveau, heißt es im Psychiatrieplan des Landkreises. Dessen Fortschreibung hat der Kreistag unlängst mehrheitlich beschlossen.

Zuvor übte David Rausch von den Linken allerdings deutliche Kritik. Zum einen sei der Bericht lediglich mit kleinen Änderungen eins zu eins mit dem Bericht aus dem Jahr 2017 identisch. Und die Änderungen gingen zu Lasten derer, die psychotherapeutische Hilfe benötigen. „Jeder kann jederzeit psychisch erkranken . Dann muss er auch Hilfe bekommen“, sagte Rausch.

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Weniger Betten im Fachkrankenhaus Bethanien

Der Plan orientiere sich nicht mehr am Bedarf, sondern richte sich nach der Zahl der Einwohner im Landkreis. Da diese Zahl sinkt, verringert sich zum Beispiel auch die Bettenkapazität im Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen von bisher 125 auf 121.

Zudem habe Rausch die rund 50 Psychotherapiepraxen, die es in Mittelsachsen gibt, auf die sieben Sozialregionen des Landkreises aufgeschlüsselt. In der Sozialregion Südost, zu der rund um Sayda zwölf Kommunen gehören, gibt es drei Therapeuten und in der Sozialregion Südwest rund um Burgstädt mit acht Kommunen sind zwei Therapeuten tätig. „Ich bezweifle, dass das reicht“, erklärte Rausch.

Ähnlich sehe es bei den Fachärzten aus. Waren im Plan von 2017 noch sechs psychotherapeutisch tätige Ärzte aufgeführt, sind es im aktuellen Plan nur noch vier.

Zuschüsse vom Freistaat gekürzt

„Für die Zuweisung der Ärzte ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen zuständig“, sagte Matthias Gröll, Psychiatriekoordinator des Landkreises Mittelsachsen. Dreimal habe er die KV aufgesucht und darauf hingewiesen, dass in der Region bei diesen Fachärzten eine Unterversorgung vorliegt und dies von der Bevölkerung auch so empfunden werde. „Laut KV sind jedoch genügend Ärzte vorhanden“, so Gröll.

Er hat ebenso wie David Rausch darauf hingewiesen, dass für alle Entscheidungen die Bevölkerungszahl und nicht mehr das Leistungssystem zugrunde gelegt wird. „Da die Einwohnerzahl sinkt, sind auch die Landeszuschüsse rückläufig“, so der Psychiatriekoordinator.

David Rausch machte es konkreter: Im Jahr 2017 gab es einen Zuschuss in Höhe von 515.000 Euro. Jetzt sind es noch 485.000 Euro. Gleichzeitig würden sich die Ausgaben auf über 500.000 Euro erhöhen – unter anderem durch steigende Lohnkosten. „Gesundheit sollte keine Ware sein“, meinte Rausch.

Erfolgreiche Präventionsprojekte

Das Finanzierungsvolumen liegt laut Psychiatrieplan derzeit bei insgesamt etwa 2,2 Millionen Euro. Der Freistaat Sachsen sei mit pauschalierten Zuschüssen daran beteiligt. Den mit mehr als 60 Prozent größten Finanzierungsanteil trage aber der Landkreis Mittelsachsen. Er werde dabei durch Eigenmittel der Beratungsstellen unterstützt.

Neben den negativen gibt es aber auch positive Aspekte. In den vergangenen Jahren sind einige Präventionsprojekte erfolgreich auf den Weg gebracht worden. „Sie sollen weiter gestärkt werden“, sagt Dr. Carina Pilling, Amtsärztin und Leiterin des Gesundheitsamtes Mittelsachsen. Das betreffe zum Beispiel den Lauf für seelische Gesundheit, aber auch das 2016 ans Netz gegangene Projekt Zwischenstopp in Bockelwitz.

Letzteres hilft nach Pillings Angaben jungen Erwachsenen, die Wartezeit zwischen der Entzugsbehandlung im Krankenhaus und der sich anschließenden Rehabilitation ohne Rückfall in Alkohol und Drogen zu bewältigen.

Zusammenarbeit mit Schulen

„Seit dem Projektstart erhielten wir immer tiefere Einblicke in Situationen, die junge Menschen in eine Suchtmittelabhängigkeit führen können“, erklärte Michael Köste, Leiter des Projekts Zwischenstopp.

Deshalb gebe es seit 2019 gemeinsam mit der Klinik für Suchtmedizin am Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen eine enge präventive Zusammenarbeit mit regionalen Schulen. Besonders die Klassenstufen 7 und 8 seien darin einbezogen.

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„Mittlerweile entfallen fast 80 Prozent der Zeit je Veranstaltung auf den direkten Gedankenaustausch zwischen Schülern, Eltern und betroffenen Zwischenstopp-Teilnehmern. Das Interesse daran, wie sie es schaffen, stabil zu bleiben, ist enorm“, berichtete Köste. Diese Form der Präventionsarbeit soll künftig auch auf Anbieter der Jugendsozialarbeit und Sportvereine ausgedehnt werden.

Hier erfolgt die Betreuung

  • Stationär erfolgen psychiatrische und psychotherapeutische Behandlungen im Landkreis im Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen mit einer Kapazität von 121 Betten.
  • Es gibt drei Tageskliniken mit 22 Plätzen in Döbeln, 25 Plätzen in Freiberg und 15 Plätzen in Rochlitz.
  • Vier Facharztpraxen für Psychiatrie und Psychotherapie in freier Niederlassung sind bei der KV Sachsen gemeldet.
  • Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen sind in Döbeln, Freiberg, Mittweida und Waldheim mit der Außenstelle Leisnig etabliert.
  • Wohnstätten befinden sich in Waldheim (36 Plätze), Flöha (32), Rossau (49), Frankenberg (31) und Neuhausen (32).
  • Außenwohngruppen gibt es in Waldheim (21), Flöha (6), Rossau (22), Frankenberg (6) und Neuhausen (6).
  • Ambulantes betreutes Wohnen wird angeboten in Waldheim (54), Flöha (40), Freiberg (40), Mittweida (80), Oederan (5) und Frankenberg (15).
  • Werkstätten bieten behinderten Menschen Arbeit in Roßwein (30), Freiberg (53), Mittweida (35), Hartmannsdorf (30) und Brand-Erbisdorf (ohne Platzangabe).

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