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Roßwein: Training für einen gefährlichen Job

Jedes Jahr verunglücken Forstarbeiter schwer oder sogar tödlich. Die Gefahren sind mitunter schwer abzuschätzen. Nun gab es ein Sicherheitstraining in Roßwein.

Mitarbeiter der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau stellen Praktikern im Roßweiner Hartenbergwald vor, welche Technik außer der Motorsäge nützlich sein kann, um abgestorbene Bäume aus der Gefahrenzone zu bringen.
Mitarbeiter der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau stellen Praktikern im Roßweiner Hartenbergwald vor, welche Technik außer der Motorsäge nützlich sein kann, um abgestorbene Bäume aus der Gefahrenzone zu bringen. © Dietmar Thomas

Roßwein. Es war einmal eine schöne Buche, bestimmt 125 Jahre alt, schätzt Revierförster Dirk Tenzler. Jetzt steht der Baum nicht mehr. Das ist gut so.

Denn die Buche war vermutlich aufgrund des Wassermangels der zurückliegenden Jahre abgestorben. Kein grünes Blatt hatte sich im Frühling mehr ausgebildet. Nun stellte der Baum nur noch eine Gefahr dar – unmittelbar am Wander- und Zufahrtsweg zu Hartenbergbaude sowie Kleingartensparte.

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Gefahrholz ist gerade ein großes Thema

Zum fachgerechten Umlegen dieses und eines weiteren Baumes, eines vielleicht 100 Jahre alten Ahorns, hatten sich am Donnerstag rund 50 Männer auf dem Hartenberg eingefunden.

Sie haben beruflich mit Baumpflege zu tun, sind Forstarbeiter oder Mitarbeiter von Dienstleistern sowie von Stadtverwaltungen, die sich um den Waldunterhalt kümmern. An diesem Freitag gibt es noch einmal solch‘ einen Arbeitssicherheitstag mit dem Schwerpunkt Gefahrholzfällung, nochmals mit etwa 50 Teilnehmern.

Über das große Interesse freuen sich sowohl Mathias Stahn als auch Christian Lüschow. Letzterer ist stellvertretender Leiter des Arbeitsbereiches Prävention bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Stahn ist bei Sachsenforst für den Privat- und Körperschaftswald im Forstrevier Leipzig zuständig.

Rasches Handeln schützt Waldnutzer und Forstleute

In sogenanntem Körperschaftswald geht auch das Sicherheitstraining für die Forstleute über die Bühne. Der Hartenbergwald gehört der Kommune. Dirk Tenzler berät die Stadtverwaltung in allen Belangen der Waldbewirtschaftung. Kaum einer kennt die Natur dort so gut wie er.

Ein Vorzeigeobjekt ist der Hartenberg für diese zwei Schulungstage allerdings eher in negativem Sinne: Es gibt jede Menge abgestorbene Bäume. Und um die geht es bei diesen Sicherheitstagen.

Sie müssen, vor allem wenn sie an Wander- und anderen öffentlich zugänglichen Wegen stehen, zumindest gefällt werden. „Je schneller das geht“, sagt Mathias Stahn, „desto geringer ist auch die Gefahr für denjenigen, der die Arbeit erledigt.“

Diese rund 125 Jahre alte Buche ist bei der Schulung für Forstarbeiter am Mittwoch gefällt worden. Der Baum hatte nicht mehr ausgetrieben. Unmittelbar am Hauptweg war er eine Gefahr.
Diese rund 125 Jahre alte Buche ist bei der Schulung für Forstarbeiter am Mittwoch gefällt worden. Der Baum hatte nicht mehr ausgetrieben. Unmittelbar am Hauptweg war er eine Gefahr. © Dietmar Thomas

Das sind die Forstarbeiter. Die meisten, die den Sicherheitstag am Donnerstag besuchen, machen ihren Job nicht erst seit ein paar Monaten. Doch mancher Ratschlag von den Ausbildern fällt mittlerweile anders aus als noch vor ein paar Jahrzehnten.

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Während teilweise gelehrt wurde, sich in einem bestimmten Winkel zum Baum aufzustellen, wenn dieser zu fallen beginnt, sehen Experten der Versicherung, die selbst aus der Praxis kommen, dies durchaus anders: „Einfach nur weg!“, lauten deren Tipp und der Appell der SVLFG.

Darüber hinaus klären die Fachleute dazu auf, mit welcher Technik abgestorbene Bäume auf sicherstem Weg zu Fall gebracht werden. Einzig und allein der Einsatz der Kettensäge ist nicht gefragt.

Jedes Jahr dutzende tödliche Unfälle im Wald

Welche Hilfsmittel sonst noch nützlich sind, bekamen die Teilnehmer erläutert und gezeigt. Dann durften sie sich damit zunächst an der abgestorbenen Buche am Hartenberg-Hauptweg versuchen.

Später zog der Tross zum Ahornbaum weiter. Als Totholz werden beide im Wald verbleiben. An anderen Stellen werden abgestorbene Bäume stehen bleiben – dort, wo kein Weg entlangführt und keine Gefahr für Waldnutzer ausgehen kann, so Tenzler.

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Trotzdem ist das Thema Gefahrholzfällung gerade ein sehr aktuelles. Fast überall in den Wäldern. Denn deutschlandweit müssen sich Waldbesitzer mit Bruchholz nach schweren Stürmen und Orkantiefs beschäftigen. Hinzu kommt nach den zurückliegenden drei heißen und trockenen Sommern die Schwächung der Bäume durch Borkenkäferbefall oder die Rußrindenkrankheit.

Die Sicherheit der Forstarbeiter geht vor. Rund 5.000 Unfälle werden jedes Jahr bei Waldarbeiten aufgenommen. Einige wären wahrscheinlich zu vermeiden gewesen.
Die Sicherheit der Forstarbeiter geht vor. Rund 5.000 Unfälle werden jedes Jahr bei Waldarbeiten aufgenommen. Einige wären wahrscheinlich zu vermeiden gewesen. © Dietmar Thomas

Dass bei nötigen Fällungen die Gesundheit der Arbeiter an erster Stelle stehen muss, hat Christian Lüschow von der Sozialversicherung mehrfach in den Mittelpunkt gerückt: Nicht allein arbeiten, unbedingt auf die Schutzausrüstung achten, war ein Teil seines Appells.

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