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In zwei Monaten Deutsch gelernt

Anas Shahood hat ein klares Ziel vor Augen. Er möchte Arzt werden. Dafür gibt er alles und bekommt in Döbeln unerwartete Hilfe.

Anas Shahood besucht das Gymnasium und ist sehr ehrgeizig. Er hat von der Start-Stiftung ein Stipendium erhalten.
Anas Shahood besucht das Gymnasium und ist sehr ehrgeizig. Er hat von der Start-Stiftung ein Stipendium erhalten. © Dietmar Thomas

Döbeln. Am Lessing-Gymnasium war Frühstückspause, als die Klassenleiterin zu Anas Shahood kam und ihm sagte, Schulleiter Michael Höhme wolle ihn sprechen. Der Neuntklässler war verunsichert. „Ich hatte Angst und habe überlegt, was ich angestellt habe“, erinnert er sich. Heute lacht er über diese Situation. Denn es war nichts Unangenehmes, das ihn im Schulleiter-Zimmer erwartete.

Michael Höhme machte den in Syrien geborenen Jungen auf ein Stipendium der Start-Stiftung aus Frankfurt am Main aufmerksam. Die setzt auf faire Bildungs- und Entwicklungschancen für alle Jugendlichen – egal welcher Herkunft. Start fördert junge Menschen aus Migranten-Familien, die voller Tatendrang und Neugierde sind, die ein Ziel verfolgen und sich von Widrigkeiten nicht abschrecken lassen.

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50 Wörter am Tag

Diese „Vorgaben“ passen genau auf Anas. Am 20. Mai 2017 ist der heute 14-Jährige in Döbeln angekommen. Der Vater war bereits eher vor dem Krieg in Syrien geflüchtet. Die Familie kam nach. Die deutsche Sprache hatte der Vater in der Zwischenzeit schon gut gelernt. Nun unterrichtete er seinen Sohn. „Ich musste jeden Tag 50 Wörter lernen. Außerdem habe ich mir zwei Bücher über Deutschland aus der Bibliothek geliehen und durchgearbeitet und deutsches Fernsehen geschaut“, erzählt Anas. 

Nur zwei Monate habe es gedauert, bis er die Sprache so gut beherrscht hat, dass er zur Schule gehen konnte. „Das musste so schnell gehen. Ich wollte keine Klasse zurückgestuft werden“, sagt der selbstbewusste Junge.

Nach zwei Wochen normaler Unterricht

Zwei Wochen lang habe er am Gymnasium in der DAZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) gelernt. Dort wurden nicht nur seine Sprachkenntnisse, sondern auch sein schulisches Wissen und seine Kontaktfreudigkeit getestet. All das habe gut funktioniert und er konnte in die normale Klasse wechseln. Und wie sah das Zeugnis nach dem ersten kompletten Schuljahr in Döbeln aus? „Nicht so gut“, meint Anas und spricht gleichzeitig von überwiegend Einsen und Zweien.

Die Schule in Deutschland gefällt ihm besser als die in Syrien. „Hier wird viel mehr praktisch gearbeitet“, sagt er und nennt die Fächer Chemie und Physik als Beispiele. Auch sei das Lessing-Gymnasium digital viel besser ausgerüstet.

Berufswunsch: Arzt

Digital erfolgten aufgrund der Corona-Pandemie auch die Tests für das Stipendium. Mathematik, Deutsch und Psychologie spielten dabei eine Rolle und Anas musste das Zeugnis vorlegen. „Das war der erste Filter. Dann kam ein Anruf“, erzählt er. Das Gespräch drehte sich um die Bildung, die Gesellschaft, seine Hobbys, was er an seinem Umfeld verändern möchte und, was er sich von dem Stipendium erhofft.

Das weiß Anas ganz genau. Das Stipendium könnte ihm helfen, seinen Berufswunsch zu erreichen. Den hat er schon, seitdem er fünf Jahre alt war und kein anderer kommt infrage. „Ich möchte Medizin studieren und Arzt werden“, sagt Anas bestimmt.

Leidenschaft für Schach

Vorbild ist sein Onkel. Und das auch noch in anderer Hinsicht. Der Onkel war in seiner Heimat Stadtmeister im Schach. Auch Anas spielt – ebenfalls seit seinem fünften Lebensjahr. Ab der zweiten Klasse hat ihn ein Schachtrainer unterrichtet. „Dann kam der Krieg und ich habe das Training nach einem Jahr wieder abgebrochen.“

Aber die Leidenschaft ist geblieben. Gern wäre er in die Schach-AG des Gymnasiums eingetreten. Aber die kollidiert zeitlich mit seinem normalen Unterricht. Deshalb spielt Anas jetzt in einem Döbelner Verein Schach.

Einer von elf in Sachsen

Auch Computer mag er. Allerdings keine Computerspiele. „Ich programmiere gern und probiere Videoschnittprogramme aus“, sagt er. Natürlich besitzt er auch ein Handy. Das bleibe jedoch während der Schulzeit zu Hause und auch danach schaue er nur sporadisch drauf, sagt er. Das Stipendium hat Anas Shahood bekommen. Dazu gehören ein Notebook und 3.000 Euro, die verteilt auf drei Jahre ausgezahlt werden. Das Geld kann Anas für alles verwenden, das seiner Bildung dient.

Der junge Syrer ist einer von elf Jugendlichen aus Sachsen, die das Bildungs-Stipendium erhalten haben. „Und ich bin der jüngste Junge“, sagt er. Die anderen hat er anfangs nur per Video-Chat kennengelernt.

Inzwischen hat er sie auch schon einmal persönlich getroffen, bei einem Besuch des Zeitgeschichtlichen Museums in Leipzig. Dort haben sie sich eine Ausstellung über die Deutsche Einheit angesehen.

Ein zweites Treffen ist in der Leipziger Kunstwerkstatt geplant. Außerdem gibt es Seminare zu verschiedenen Themen und irgendwann noch eine Aufnahmeveranstaltung in Bonn. Die ist bisher aufgrund von Corona ausgefallen.

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