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Jeder fünfte Unfallfahrer geflüchtet

In Mittelsachsen hat es 2020 knapp 6.500 Mal gekracht. Hauptursache: Ungenügender Sicherheitsabstand.

Symbolfoto: Durch einen Vorfahrtsfehler hat es Ende Mai vergangenen Jahres auf der S 34 am Abzweig Zaschwitz gekracht. Der Unfall war einer von 1.300, die sich 2020 in der Region Döbeln ereignet haben.
Symbolfoto: Durch einen Vorfahrtsfehler hat es Ende Mai vergangenen Jahres auf der S 34 am Abzweig Zaschwitz gekracht. Der Unfall war einer von 1.300, die sich 2020 in der Region Döbeln ereignet haben. © Archiv/Dietmar Thomas

Region Döbeln. Die Zahl der Unfälle ist im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. „Das ist offensichtlich auf die Corona-Pandemie und die in diesem Zusammenhang erlassenen Beschränkungen und Auflagen zurückzuführen“, erklärt Daniela Koenig von der Polizeidirektion Chemnitz.

Die Lockdowns in Verbindung mit Ausgangsbeschränkungen und Ausgangssperren hätten vor allem im Frühjahr 2020 zu einem merklich geringeren Verkehrsaufkommen geführt.

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Im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz wurden 20.641 Verkehrsunfälle erfasst. Das sind insgesamt 3.777 weniger als im Vorjahr. Die Unfälle verteilen sich regional nahezu gleichmäßig auf die Stadt Chemnitz (32 Prozent), den Landkreis Mittelsachsen (31 Prozent) und den Erzgebirgskreis (32 Prozent).

In Mittelsachsen sank die Zahl aller Unfälle von 7.609 im Jahr 2019 auf 6.440 im Jahr 2020. Im Revierbereich Döbeln wurden 1.301 Verkehrsunfälle (2019: 1.515) registriert.

Neun Menschen starben 2020 in Mittelsachsen bei Unfällen

„Die Zahl der Verletzten ist in Mittelsachsen von 995 (2019) auf 886 gesunken. 296 Menschen erlitten schwere und 590 Menschen leichte Verletzungen“, so Koenig. Neun Menschen kamen im Landkreis bei Verkehrsunfällen ums Leben, sieben weniger als 2019.

In der Region Döbeln erlitten 68 Personen schwere (2019: 52) und 142 leichte (2019: 148) Verletzungen. Zwei Personen wurden getötet (2019: 3).

Allein im Altkreis Döbeln entstand bei Verkehrsunfällen ein Sachschaden in Höhe von 20,7 Millionen Euro.

Bei 96 Verkehrsunfällen in den Regionen Döbeln, Freiberg und Mittweida stand mindestens einer der Beteiligten unter Einfluss von Alkohol oder anderer berauschender Mittel. 474 Fahrzeugführer, die alkoholisiert unterwegs waren, wurden aus dem Verkehr gezogen, bevor es zum Unfall kam.

Fast 100 Kinder sind mit dem Fahrrad verunglückt

An 252 Unfällen, die sich im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz im vergangenen Jahr ereignet haben, waren Kinder im Alter bis zu 14 Jahren beteiligt. 96 von ihnen waren dabei mit dem Rad unterwegs. Bei diesen Unfällen wurden 223 Mädchen und Jungen verletzt, aber kein Kind getötet.

Rund 15 Prozent aller Unfälle verursachten Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren. 378 Menschen dieser Altersgruppe sind dabei verletzt und drei getötet worden.

An knapp 6.000 Unfällen waren Fahrer der Generation über 65 Jahren beteiligt. Das betrifft jeden vierten Unfall. Elf Menschen dieser Altersgruppe verloren bei Unfällen ihr Leben und 473 Personen wurden verletzt.

In 305 Verkehrsunfälle waren Fußgänger verwickelt. 19 ereigneten sich im Raum Döbeln. Verletzungen zogen sich 214 Personen (2019: 353) zu und sechs verloren ihr Leben.

Mehr Fahrrad- aber viel weniger Wildunfälle

Im Gegensatz zum allgemeinen Trend hat die Polizei im vergangenen Jahr 48 Unfälle mehr als 2019 mit Beteiligung von Rad- oder Pedelecfahrern aufgenommen. Insgesamt waren es 726, 43 davon in der Region Döbeln.

Mopeds und Motorräder waren in knapp 600 Unfälle involviert. „Betrachtet man deren Anteil an den Unfällen mit Personenschaden, so liegt dieser bei 16,3 Prozent. 2019 waren es 14 Prozent“, sagt Daniela Koenig. Es verloren vier Personen (2019: elf) ihr Leben, und 400 Personen (2019: 429) erlitten Verletzungen.

Den niedrigsten Wert in den vergangenen fünf Jahren verzeichnete die Polizeidirektion Chemnitz bei Unfällen mit Wildbeteiligung. Insgesamt stehen 2.326 solcher Unfälle zu Buche und damit 489 weniger als 2019. In Döbeln waren 283 mal Tiere in Unfälle verwickelt.

Viele Kraftfahrer mit unangepasster Geschwindigkeit unterwegs

Hauptunfallursache aller Verkehrsunfälle ist wie auch im Jahr 2019 ungenügender Sicherheitsabstand. Auf „Platz zwei und drei“ folgen unangepasste Geschwindigkeit und das Nichtbeachten der Verkehrszeichen, die die Vorfahrt regeln.

282 und damit 66 Kraftfahrer weniger als 2919 haben im vergangenen Jahr Unfälle unter Alkoholeinfluss verursacht. Verletzt wurden dabei 130 Personen. Es gab keinen Unfall mit Todesfolge.

Rund 50 Prozent der Fälle von Unfallflucht aufgeklärt

In 1.283 Fällen entfernten sich die Beteiligten in Mittelsachsen pflichtwidrig vom Unfallort. Das sind 199 sogenannte Unfallfluchten weniger als 2019. Fast jeder fünfte Unfall im Landkreis Mittelsachsen war eine Unfallflucht. „Die Aufklärungsquote liegt bei 50 Prozent, das heißt, 642 dieser Unfallfluchten konnten aufgeklärt werden“, so die Sprecherin der Polizeidirektion.

Mehr als 1.000 Unfälle auf 132 Autobahnkilometern

„Die Zuständigkeiten auf den Bundesautobahnen haben sich zum 17. März 2020 erneut geändert“, erklärt Daniela Koenig. Die Polizeidirektion Chemnitz ist seitdem für rund 132 Autobahnkilometer zuständig.

Der Bereich erstreckt sich auf der A 4 von der Anschlussstelle Berbersdorf bis zur Anschlussstelle Wüstenbrand sowie auf der A 72 von der Anschlussstelle Rötha bis zur Anschlussstelle Hartenstein.

Dort ereigneten sich 1.080 Verkehrsunfälle. Dabei wurden vier Verkehrsteilnehmer getötet sowie 81 schwer und 129 leicht verletzt Bei 161 Unfällen entfernte sich einer der Beteiligten pflichtwidrig vom Unfallort.

54.000 Kraftfahrer waren 2020 zu schnell unterwegs

„Verkehrsunfälle, deren Ursache in zu hoher oder unangepasster Geschwindigkeit zu suchen ist, enden oft mit schweren und tragischen Folgen“, so die Sprecherin. Zur Bekämpfung dieser Unfallursache wurden im Jahr 2020 im Direktionsbereich rund 2.400 Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. Dabei wurden 54.090 Verstöße im Verwarn- und Bußgeldbereich erfasst.

Außerdem ertappten die Beamten rund 1.3001 Fahrzeugführer, die alkoholisiert unterwegs waren. Gegen 848 Kraftfahrer wurde wegen des Verdachts des Fahrens unter Einfluss von Betäubungsmitteln ermittelt (2019: 558).

Außerdem wurden 6.031 Verstöße gegen die vorgeschriebene Nutzung des Rückhaltegurts festgestellt. Und 1.170 Fahrzeugführer haben während der Fahrt Mobiltelefone oder ähnliche elektronische Geräte genutzt, obwohl dies verboten ist.

Kreisverkehr an Döbelner Bahnhofstraße ist Unfallschwerpunkt

Unfallschwerpunkte waren in Döbeln die B 175/S 39, Burgstraße/Schlachthofstraße, Muldenstraße/Schillerstraße, der Kreisverkehr Bahnhofstraße/Mastener Straße sowie in Hartha die K 5733/S 36.

In Mittelsachsen krachte es außerdem am häufigsten in Frankenberg auf der S 203/Dittersbacher Straße, in Großschirma im Ortsteil Großvoigtsberg auf der Leipziger Straße (B 101)/Einmündung Klötzerweg, in Oederan im Ortsteil Memmendorf auf der Hainichener Straße/An der Udohöhe, in Siebenlehn auf der B 101 an der Anschlussstelle der A 4 und in Penig auf der B 175/S 247.

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