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Jetzt plant Leisnig selbst Radwege

Die Bundesregierung unterstützt mittlerweile den Ausbau dieser Infrastruktur. Das will die Kommune nutzen – auch wenn es einige Hürden gibt.

Zwischen Leisnig und Brösen fehlt ein Radweg an der neu ausgebauten S44 genauso wie weiterführend in Richtung Podelwitz.
Zwischen Leisnig und Brösen fehlt ein Radweg an der neu ausgebauten S44 genauso wie weiterführend in Richtung Podelwitz. © Dietmar Thomas

Leisnig. Schon vor weit mehr als zehn Jahren hat sich die Stadt Leisnig bemüht, dass der aus dem Zentrum kommende Radweg fortgeführt wird. Im Moment endet dieser an der Einfahrt ins Gewerbegebiet.

Dass er beim Ausbau der Staatsstraße 44 an Gorschmitz vorbei und durch Brösen hindurch Straßen begleitend mit verlängert wird, dafür gab es damals sogar Unterschriftensammlungen.

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Die WBG Kontakt modernisiert umfassend eine Wohnanlage in der Döbelner Straße in Hartha. Das Ergebnis ist ein echter Gewinn für die Stadt.

Genützt hat das nichts. Das Land als Bauherr lehnte einen Radweg ab. Der sei nicht gerechtfertigt. Einer der Gründe war damals, dass die Straße zu wenig frequentiert wird. Eine Verkehrszählung hatte das ergeben.

Bis 2023 müsste Fördergeld verbaut sein

Inzwischen hat sich die Sicht aufs Radfahren geändert. „Radfahren ist im Kommen“, sagte Leisnigs Bauamtsleiter Thomas Schröder in der Sitzung des Technischen Ausschusses vergangene Woche. Daher habe die Bundesregierung ein Förderprogramm aufgelegt, mit dessen Unterstützung Kommunen Rad- und Gehwege planen und bauen können.

Unter diesem Vorzeichen wolle die Stadt Leisnig die Chancen nutzen. Wie Schröder sagte, sei deshalb schon entsprechend Geld in die mittelfristige Haushaltplanung aufgenommen beziehungsweise eine dahingehende Bedarfsanmeldung abgegeben worden. Die betreffe allerdings erst das Jahr 2023. Dann müsse auch das Fördergeld abgerechnet werden, wenn Leisnig in dessen Genuss kommt. „Zunächst müssen wir aber die Planung anschieben“, so der Amtsleiter. Geld dafür sei eingestellt.

Außer die neue Fördermöglichkeit zu nutzen, will die Stadt auch auf einen Unfall mit tödlichem Ausgang an der S44 zwischen dem Abzweig Gorschmitz und dem Ortseingang Brösen reagieren. Der ereignete sich im Herbst vergangenen Jahres. Danach wurden von Stadträten wieder Forderungen laut, sich des Themas Radweg noch einmal anzunehmen.

Grundstücksverhandlungen dürften schwierig werden

Thomas Schröder sprach von zwei Radwegen, die die Kommune in Angriff nehmen will. Zum einen betrifft das einen Weg entlang der S44 an Gorschmitz vorbei, durch die Ortslage Brösen hindurch und dann weiterführend bis zur Gemarkungsgrenze in Richtung Podelwitz.

Dieser Abschnitt ist rund vier Kilometer lang und soll, wenn es nach der Stadt Leisnig geht, in zwei Abschnitte aufgeteilt werden: den, in dem die S44 schon erneuert ist und den anschließenden. Dort befindet sich die Straße in einem schlimmen Zustand.

Die Kommune würde die Planer gern beauftragen, eine Minimallösung zu finden. Der Regelquerschnitt von 2,50 Metern Breite genüge. Zum Vergleich: Der an der Staatsstraße zwischen Leisnig und Hartha entstandene Radweg ist 3,50 Meter breit. Dafür sieht die Kommune jetzt keine Notwendigkeit.

Ohnehin, so schätzt es der Amtsleiter ein, dürfte es schwer werden, bei den Grundstückseigentümern dafür Verständnis zu finden, dass nun schon wieder Land von ihnen benötigt wird. Einige seien noch nicht einmal für die Inanspruchnahme ihrer Grundstücke nach dem Ausbau der S44 entschädigt worden – dabei ist das Bauprojekt jetzt seit 2012 abgeschlossen.

Wohin mit dem Radweg? Varianten werden geprüft

Auf welcher Seite der Radweg einmal an der S44 entlangführen wird und ob er im weiteren Verlauf einmal die Seite wechseln muss, das steht dem Bauamtsleiter zufolge noch nicht fest. Eine Variantenuntersuchung werde zeigen, was von der Topografie und der Geländeinanspruchnahme her möglich ist.

Bei der ersten Untersuchung vorm Ausbau der S44, die vom damaligen Straßenbauamt zwar veranlasst, aber nicht umgesetzt worden ist, waren die Kosten für einen Radweg auf beiden Seiten in etwa gleich. Die Verwaltung könnte sich vorstellen, dass der Weg gut stadtauswärts auf der rechten Seite fortgeführt werden könnte.

Wie es nach der Ortslage Brösen aussieht, das hängt auch davon ab, welche Pläne das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) mit dem Staatsstraßenstück zwischen Leisnig und Podelwitz hat. Dass dort in nächster Zeit ein Ausbau wichtig ist, darauf haben die Nutzer (wir berichteten) wegen immer größer werdender Schäden inzwischen mehrfach hingewiesen.

Der Muldental- und Obstlandradweg ist auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes von Leisnig in katastrophalem Zustand. Das will die Kommune ändern und schiebt dafür eine Planung an.
Der Muldental- und Obstlandradweg ist auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes von Leisnig in katastrophalem Zustand. Das will die Kommune ändern und schiebt dafür eine Planung an. © Dietmar Thomas

Zum anderen soll das Stück Radweg zwischen der Georg-Friedrich-Händel-Straße in Leisnig sowie dem früheren Bahnhof in Ordnung gebracht werden. Den aktuellen Zustand bezeichnete die Verwaltung als katastrophal. Das hängt unter anderem mit wechselnden Grundstückseigentümern zusammen. Einer hatte Teile des Fahrbahnbelages ausgebaut.

Nach Angaben von Bürgermeister Tobias Goth (CDU) gibt es vom derzeitigen Besitzer das Angebot, einen Streifen unterhalb der Händelstraße zu kaufen. Das würde die Kommune gern wahrnehmen, „obwohl dort eine Böschung angrenzt und Bäume stehen“, so der Bürgermeister.

Durch diese Umstände sei die Kommune stärker in der Verkehrssicherungspflicht. Trotzdem sei dieser Weg dann eine sichere Alternative als die Radwegführung an der obendrüber verlaufenden Straße.

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