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Jetzt stinkt's auch dem Entsorger

Der Abwasserzweckverband will 2021 ein Geruchsproblem anpacken. Das lässt er sich fast die Hälfte seines Budgets kosten.

In der Äußeren Wehrstraße in Roßwein sowie im Ortsteil Niederstriegis stinkt es, weil sich bei der Abwasserbeseitigung Faulgase bilden. Die Anwohner, die das ertragen müssen, können auf Besserung hoffen. Der AZV investiert in „Geruchskiller“. .
In der Äußeren Wehrstraße in Roßwein sowie im Ortsteil Niederstriegis stinkt es, weil sich bei der Abwasserbeseitigung Faulgase bilden. Die Anwohner, die das ertragen müssen, können auf Besserung hoffen. Der AZV investiert in „Geruchskiller“. . © Montage: Dietmar Thomas

Roßwein/Striegistal. Buh, hier stinkt’s. Das haben Anwohner der Äußeren Wehrstraße bisher schon oft gehört und noch häufiger selbst die Nase gerümpft.

Vor ihrer Haustür führt der Abwasserkanal aus den Ortschaften Gleisberg und Marbach vorbei. Nach mehreren Kilometern ist der Sauerstoff in den Kanälen soweit verbraucht, dass sich Schwefelwasserstoff bildet. Der riecht übel – vergleichbar mit faulen Eiern. Dieses Problem ist dem Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes (AZV) Obere Freiberger Mulde Frank Lessig sehr wohl bekannt.

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Nicht zuletzt deshalb ist an der Äußeren Wehrstraße schon 2015 ein Filter eingebaut und mit einer Dosiereinrichtung im oberen Verlauf der Leitung gekoppelt worden. Doch den gewünschten Erfolg hat das nicht gebracht. 2020 ist Lessig wegen des Kanalbaus in der Straße zur Wunderburg mehrfach vor Ort gewesen. „Selbst in mehreren hundert Meter Entfernung war der Gestank noch zu riechen“, sagt Lessig. Das hat ihn in den Bemühungen bestärkt, das Geruchsproblem final anzupacken.

2016 hat der AZV Obere Freiberger Mulde neben der Autobahn 4 sein erstes pneumatisches Pumpwerk einbauen lassen. Die Erfahrungen damit sind gut. Deshalb soll derartige Technik auch Teil der Lösung für das Geruchsproblem am Rande von Roßwein sein.
2016 hat der AZV Obere Freiberger Mulde neben der Autobahn 4 sein erstes pneumatisches Pumpwerk einbauen lassen. Die Erfahrungen damit sind gut. Deshalb soll derartige Technik auch Teil der Lösung für das Geruchsproblem am Rande von Roßwein sein. © André Braun/Döbelner Anzeiger

Mit Bestätigung des Verbandshaushaltes durch die Vertreter der Mitgliedskommunen Ende Januar kann der AZV jetzt an zwei Standorten „Geruchskiller-Projekte“ angehen. Zum einen ist geplant, erklärt Frank Lessig, im Marbacher Rosenthal ein vorhandenes konventionelles Pumpwerk durch ein pneumatisches zu ersetzen.

Weil das Abwasser bei dieser Konstruktion mit Druckluft durch die Leitungen gedrückt wird, entstehen weder Schwefelwasserstoff – und damit Gestank – noch Schwefelsäure. Diese greift Leitungen an.2016 hat der AZV unterhalb der A4 bei Wetterwitz das erste Pumpwerk dieser Art in Betrieb genommen.

„Die Erfahrungen damit sind gut“, zieht der Geschäftsführer Bilanz. Zwar fielen für diese Technik höhere Betriebskosten an, weil mehr Strom benötigt werde. Doch Lessig ist sich sicher, dass sich diese Investitionen langfristig dennoch auszahlen: Pneumatische Pumpwerke haben eine längere Betriebsdauer. Weil sich bei tadelloser Funktionsweise keine Gase entwickeln können, haben Mitarbeiter bei Kontrolle und Wartung der Technik bessere Arbeitsbedingungen und nachfolgende Geräte und Anlagen werden weniger angegriffen. Mit Korrosion hat der Verband bislang große Probleme, höhere Summen müssen kontinuierlich in die Erneuerung von Anlagen fließen.

Rund um den Quellschacht müffelt es am meisten

Für das Vorhaben in Marbach läuft Lessig zufolge im Moment das Genehmigungsverfahren. Außer dem Tausch des Pumpwerkes ist auch ein Versetzen des Quellschachtes an der Äußeren Wehrstraße geplant. Aus dem Schacht dringen für gewöhnlich schlechte Gerüche. Sollte das in Zukunft aus welchen Gründen auch immer noch einmal passieren, dann dort, wo keine Häuser mehr stehen.

Weiterhin will der Verband auf etwa 150 Metern einen neuen Freispiegelkanal bauen. All das soll dazu beitragen, die Abwässer aus Richtung Marbach und Gleisberg so zur Kläranlage am anderen Ende der Stadt zu befördern, dass sich niemand mehr davon belästigt fühlt. Etwa 350.000 Euro wird dies ersten Kalkulationen zufolge kosten.

Luftfilteranlage soll in Niederstriegis helfen

Rund 30.000 Euro sind dafür vorgesehen, in Niederstriegis ein Problem derselben Art zu lösen. Davon betroffen sind vor allem die Anwohner am Messweg. Bei ihnen vorbei geht eine Abwasserleitung, die aus Littdorf kommt.

Damit dort keine schlechten Gerüche mehr bergabwärts ziehen, soll 130 Meter oberhalb des letzten Eigenheimes eine Luftfilteranlage errichtet werden. „In der wird geruchsbelastete Luft abgesaugt und über einen Aktivkohlefilter gereinigt“, erklärt der AZV-Geschäftsführer, was gegen die Geruchsbelästigung an dieser Stelle helfen soll.

Lessig zufolge seien die Anwohner über die Lösung informiert worden – und auch über den gefundenen Standort. „Er ist der inzwischen fünfte, den wir uns angeschaut und geprüft haben“, so der Verbandschef. Der Auftrag für den Bau der Anlage sei bereits ausgelöst. Die Firma LFT aus Ostrau werde mit den Arbeiten beginnen, sobald es die Witterung zulasse.

Mit diesen Ausgaben hat der AZV dann schon fast die Hälfte seines diesjährigen Investitionsvolumens ausgeschöpft. Die etwas größere Hälfte soll im Bereich des Wohngebietes Wanne und anschließend in Richtung Klärwerk „Fischers Teich“ verbaut werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Verband eine Förderung bewilligt bekommt. Aus eigener Kraft könne er die Aufgaben dort nicht bewältigen, so Lessig.

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