merken
PLUS Döbeln

Kleine Wohnungen in Döbeln nicht gefragt

Die Wohungsbaugenossenschaft in Döbeln hat zunehmend Probleme, ihre alten Wohnungen zu vermieten. Deshalb fließt das meiste Geld in den Neubau.

Das Haus Am Hange 1 soll bis Mai fertiggestellt werden. Die modernen Wohnungen vermieten sich gut. Im kommenden Jahr soll mit einem weiteren Neubauprojekt begonnen werden. Dafür wird das Haus Am Hange 6 abgerissen.
Das Haus Am Hange 1 soll bis Mai fertiggestellt werden. Die modernen Wohnungen vermieten sich gut. Im kommenden Jahr soll mit einem weiteren Neubauprojekt begonnen werden. Dafür wird das Haus Am Hange 6 abgerissen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Neubau statt Umbau – das ist die langfristige Strategie der Döbelner Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft (GWG). Sie wird voraussichtlich wie geplant im Mai ihr neues Haus an der Straße „Am Hange“ fertigstellen. Es ist nun schon das zweite Neubauhaus in diesem Quartier.

„Vor Weihnachten haben wir die Heizung angeworfen. Jetzt erfolgt der Innenausbau“, sagte Andreas Paul, Vorstand der GWG. In dem Haus entstehen sieben Drei- und Vierraumwohnungen mit 90 und 70 Quadratmetern Größe.

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Die Wohnungen seien schon zu zwei Dritteln vermietet, sagte Vorstand Gisela Menzel. Sie hat keine Sorge, dass der Rest auch vermietet wird. „Manche Leute wollen erst einmal etwas sehen, ehe sie den Vertrag unterschreiben.“

Gute Nachfrage nach modernen Wohnungen

Dabei ist der Mietpreis ein stolzer. Neun Euro pro Quadratmeter kalt ruft die GWG für die modernen Wohnungen auf. Oberes Level für Döbelner Verhältnisse. Aber auch beim ersten Neubau Am Hange 7, der beim Preis in ähnlichen Größenordnungen rangiert, hatte die GWG keine Probleme, für die Wohnungen Mieter zu finden.

Das nächste Neubauprojekt ist schon in Vorbereitung. In diesem Jahr wird das Haus Am Hange 6 abgerissen. Es steht komplett leer. Das Haus aus den 1930er-Jahren war in den 1990er-Jahren teilsaniert worden – allerdings nur die Außenhülle. An seiner Stelle wird die Genossenschaft voraussichtlich im kommenden Jahr mit dem Neubau eines dritten Hauses beginnen.

Altbau sanieren lohnt oft nicht

In die alte Bausubstanz im großen Stil zu investieren, lohnt sich oft nicht. Die Forderungen an Schallschutz und Brandschutz seien mit den alten Holzdecken nicht mehr umsetzbar, sagte Andreas Paul. Dazu kommt der Zuschnitt der 90 Jahre alten Wohnungen. Der ist nicht mehr zeitgemäß, Änderungen sind kompliziert. „Beim Neuzuschnitt bleiben am Ende immer ein oder zwei Zimmer übrig“, meint Paul.

Die Genossenschaft tut sich zunehmend schwer, die kleinen Wohnungen in den alten Häusern zu vermieten. Eine ganze Anzahl ist nur bis zu 50 Quadratmeter groß. Viele liegen zwischen 52 und 60 Quadratmetern, die größeren bei 65 bis 70 Quadratmetern. „Es gibt nur ganz wenige über 80 Quadratmeter“, sagte Gisela Menzel.

Leerstandsquote auf sechs bis sieben Prozent gestiegen

Und das ist ein Problem. Dauerhaft bleiben die Mieter vor allen in den größeren Wohnungen ab 65 Quadratmeter. In den kleineren sei die Fluktuation hoch, so Menzel. Und wegen des großen Angebots in Döbeln dauere es auch immer länger, diese Wohnungen neu zu vermieten.

„Das Risiko besteht, dass sie länger leerstehen“, sagte Gisela Menzel. Die Wohnungen, die oft schon saniert wurden, ließen sich auch kaum dem Bedarf anpassen. „Wir können nicht anfangen, Wände wegzureißen“, sagte sie.

Die Leerstandsquote der Genossenschaft sei auf sechs bis sieben Prozent gestiegen. „Im sanierten Bereich liegt sie bei zwei Prozent“, so Gisela Menzel. Der Aufwand, eine Wohnung neu zu vermieten, sei deutlich gestiegen.

1,2 Millionen Euro werden investiert

In diesem Jahr will die GWG bei den Investitionen etwas kleinere Brötchen backen. Rund 1,2 Millionen Euro werden in Neubau und Sanierung gesteckt, im vergangenen Jahr waren es zwei Millionen. In jedem Fall handelt es sich um Eigenmittel. Neben dem Abschluss des Neubaus und dem Abriss Am Hange in Döbeln ist wieder die Modernisierung einer ganzen Reihe von Wohnungen geplant, sagte Andreas Paul.

Rund 130 der insgesamt 811 Wohnungen der GWG befinden sich in Waldheim und waren durch die Verschmelzung mit der Wohnungsgenossenschaft Waldheim dazugekommen. Dort sieht die Situation besser aus. „Die Nachfrage ist sehr gut. So schnell können wir gar nicht bauen. Es sind Dreiraumwohnungen, die Kita und die Oberschule sind in der Nähe. Das ist auch etwas für jüngere Leute“, sagte Gisela Menzel.

Weiterführende Artikel

WGF rüstet Döbelner Wohnungen auf

WGF rüstet Döbelner Wohnungen auf

In diesem Jahr werden Wohnungen an der Unnaer Straße von der Wohngenossenschaft Fortschritt modernisiert. Was genau passiert.

Die Häuser in Waldheim sind jünger als der Wohnungsbestand in Döbeln, Anfang der 1960er-Jahre gebaut. Sie waren schon mit Balkonen ausgerüstet worden. Allerdings gibt es Sanierungsbedarf. Die alten fast 30 Jahre alte Etagenheizungen haben ihr Lebensende erreicht und werden ausgetauscht, sagte Gisela Menzel. Die Wohnungen werden nach und nach an zentrale Heizkessel im Keller angeschlossen.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln