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Kreistag lehnt Pläne für Berufsschulen ab

Kfz-Mechatroniker sollen künftig in Freiberg lernen und Bauleute im Erzgebirge. Zwei Schulen droht das Aus.

Das Berufsschulzentrum Döbeln soll mehrere Ausbildungsrichtungen verlieren.
Das Berufsschulzentrum Döbeln soll mehrere Ausbildungsrichtungen verlieren. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Die Mitarbeiter der Kreisverwaltung seien erschrocken, als ihnen der zweite Entwurf des sächsischen Kultusministeriums zu den Planungen für die Berufsbildenden Schulen ins Haus geflattert ist, sagt Landrat Matthias Damm (CDU) im Kreistag. Danach würde der Landkreis mehr als 252 Berufsschüler verlieren, statt – wie im ersten Entwurf vorgesehen – 112 gewinnen.

Ausbildung der Fahrzeugtechnik ist einmalig und soll bleiben

Derzeit erfolgt am Berufsschulzentrum (BSZ) Döbeln-Mittweida unter anderen die Ausbildung in den Bereichen Produktion und Dienstleistung in Umwelt und Landwirtschaft, Fahrzeugtechnik, Metalltechnik, Wirtschaft und Verwaltung sowie Elektrotechnik. Künftig sollen nur noch Wirtschaft und Verwaltung sowie die Elektrotechnik dort verbleiben und die Ausbildung zum Fachlageristen hinzukommen.

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Die Kfz-Mechatroniker für Pkw sollen nach dem Willen des Ministeriums ab dem Schuljahr 2024/25 am BSZ Freiberg lernen und die Nutzfahrzeugtechniker ab dem zweiten Ausbildungsjahr in Zschopau im Erzgebirge.

Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) plädiert für den Erhalt der Mechatronikerausbildung in Döbeln. Die habe Tradition, eine hohe Qualität und die Ausstattung des Bereiches sei einzigartig.

Das liege unter anderem an der Kooperation mit dem BMW-Werk in Leipzig, das den Azubis regelmäßig die neuste Technik zur Verfügung stellt. „Die Abschlussquote dieser Ausbildung betrug im vergangenen Jahr in Döbeln 100 Prozent“, betont Liebhauser.

Frank Dennhardt (Mitte) unterrichtet die Kfz-Mechatroniker. Nach dem Willen des Kultusministeriums soll die Ausbildung von Döbeln nach Freiberg umziehen.
Frank Dennhardt (Mitte) unterrichtet die Kfz-Mechatroniker. Nach dem Willen des Kultusministeriums soll die Ausbildung von Döbeln nach Freiberg umziehen. © Archiv/Dietmar Thomas

Fachlageristen müssten aus dem Erzgebirge nach Döbeln kommen

Dass die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik und zum Lageristen in Döbeln konzentriert werden soll, sehen die Kreisräte prinzipiell positiv, wie die Verlagerung der Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel und Verkäufer, die bisher in Burgstädt erfolgt.

Ob dadurch eine Stärkung des BSZ-Standortes Döbeln erfolge, bleibe aber abzuwarten. Sven Liebhauser bezweifelt dies. „Für den Fachlageristen sind 85 Plätze in Döbeln vorgesehen. Das ist gut. Aber, dass sie mit Leben gefüllt werden, glaube ich nicht“, sagt er. Denn dafür müssten Schüler aus dem Erzgebirge und Chemnitz nach Döbeln kommen. Das sei zu bezweifeln.

Baulehrlinge sollen im ersten Ausbildungsjahr in Oelsnitz lernen

In Mittelsachsen erfolgt die Ausbildung in den Bereichen Tiefbau, Hochbau und Ausbau. Im ersten Jahr lernen die Berufsschüler alle gemeinsam. Diese sogenannte Grundstufe soll nun von Freiberg nach Oelsnitz verlegt werden.

Das stößt allerdings auf starke Kritik. „Seit Jahren gibt es in der Grundstufe zwei stabile Klassen“, erklärt der zweite Beigeordnete Jörg Höllmüller.

Gerade der Bau biete auch Hauptschülern einige Ausbildungsmöglichleiten. Sie sind mit Lehrbeginn erst 15 Jahre alt. Einen Führerschein besitzen sie in diesem Alter noch nicht, und die Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs sei mangelhaft. „Der Baubereich muss zwingend in Mittelsachsen bleiben und die Grundstufe in Freiberg erhalten werden“, so Liebhauser.

Umzug der Landwirte von Rochlitz nach Freiberg vorgesehen

Ab dem kommenden Schuljahr ist die Verlagerung der Ausbildung der Landwirte von Rochlitz nach Freiberg vorgesehen. Seit Jahren werde in Rochlitz zwar nur die Mindestschülerzahl erreicht, „der Standort ist aber trotzdem erhaltenswert“, so Höllmüller.

Auch Sven Liebhauser meint: „Die Landwirtschaftsschule sollte solange in Rochlitz erhalten bleiben, wie es die Schülerzahlen hergeben.“ Denn Rochlitz sei eine sehr landwirtschaftlich geprägte Region.

Kreisräte votieren einstimmig gegen die Pläne des Kultusministeriums

Die Umverteilung der Schüler hätte zur Folge, dass der Standort des BSZ in Burgstädt komplett schließen müsste. Auch für das Berufliche Gymnasium in Flöha würde es das Aus bedeuten.

Das Kultusministerium will den Teilschulnetzplan bereits mit dem Schuljahr 2021/22 umsetzen. „Wir können die Planungen aus objektiven Gründen aber so nicht akzeptieren“, erklärt Jörg Höllmüller und erhält die uneingeschränkte Zustimmung der Kreisräte.

Sie sprechen sich einstimmig gegen den Planentwurf aus. Außerdem soll der Kreis das Kultusministerium auffordern, die Umsetzung des Teilschulnetzplanes auf das Schuljahr 2022/23 zu verschieben. Den Vorschlag hatte die Fraktion der Linken eingebracht.

Kreisrat Torsten Bachmann äußerte die Befürchtung, dass das Ministerium ansonsten, trotz weiterer Verhandlungen, „Nägel mit Köpfen“ machen könnte, und den derzeitigen Plan umsetzt.

Der Freiberger Oberbürgermeister Sven Krüger (FW) weist darauf hin, dass die Lehrlinge von heute die Fachkräfte von morgen sind. Durch die derzeitigen Pläne entstehe ein Kampf zwischen Stadt und Land. Romy Penz (AfD) spricht von einer Schwächung der Wirtschaft. Und Sven Liebhauser erklärt: „Ziel war die Stärkung des ländlichen Raumes. Das kann ich nicht erkennen.“

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