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Döbelner flippt im Alkoholrausch völlig aus

Der 34-Jährige schlägt seinen Freund zusammen. Seine Anwältin bezweifelt, dass er schuldfähig ist.

Von Jens Hoyer
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Im Amtsgericht Döbeln wurde gegen einen 34-Jährigen verhandelt, der grundlos seinen Freund zusammengeschlagen hat.
Im Amtsgericht Döbeln wurde gegen einen 34-Jährigen verhandelt, der grundlos seinen Freund zusammengeschlagen hat. © Archiv/André Braun

Döbeln. Beim dritten Anlauf ist am Dienstag der Prozess gegen einen 34-Jahre alten Döbelner zu einem vorläufigen Ende gekommen. Kompliziert machte das Verfahren vor allem die Frage: Ist der Mann verantwortlich für das, was er getan hat?

Im September 2019 hatte er am Morgen nach einer durchzechten Nacht seinen Freund auf der Rosa-Luxemburg-Straße zusammengeschlagen – minutenlang, mit gezielten Schlägen gegen Kopf und Rumpf. Ein Grund wurde in der Verhandlung nicht erkennbar.

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Die Verletzungen des heute 34-jährigen Opfers waren erheblich. Er sagte vor Gericht aus, dass er zweimal das Bewusstsein verloren hatte. Nach der Prügelorgie blutete er schwer aus einer Platzwunde am Kopf, mit dem er gegen die Einfassung einer Haustür geschlagen war. Er erlitt Prellungen, büßte zwei Zahnkronen ein.

Noch Tage danach plagten ihn Sprachstörungen und Kopfschmerzen. Eine Untersuchung in der Klinik in Wermsdorf brachte kein Ergebnis. Folgeschäden hat er keine. Inzwischen hat er sich mit seinem Kumpel auch wieder versöhnt. Der habe sich bei ihm entschuldigt.

Mit Platzwunde zur Tankstelle

Nach der Prügelei war das Opfer wieder auf den Beinen und auf dem Weg zur Tankstelle, um alkoholischen Nachschub zu besorgen. Wegen der blutenden Kopfwunde hielten seine Begleiter einen Streifenwagen der Polizei an und brachten die Sache damit ins Rollen. Er selbst, so sagte der Verprügelte, hätte seinen Kumpel nie angezeigt.

Dem Ganzen ging offenbar ein Trinkgelage voraus, das sich über den ganzen Tag hinzog. Schon zu Hause, so die Anwältin des Angeklagten, habe ihr Mandant mehrere Bier konsumiert und dann in einem Döbelner Café weitergetrunken: Whiskey und noch ein paar Bier. Dort hatte er seinen Kumpel getroffen, der in Begleitung einiger minderjähriger junger Leute war. Diese Gruppe war dann in die Wohnung des Freundes gegangen.

Alkoholmenge ist unklar

Der Angeklagte kam irgendwann hinterher. Es wurde weitergetrunken. Es war von einer Flasche Jägermeister die Rede, die die beiden leerten. Oder auch nur zum Teil. Wie viel tatsächlich konsumiert wurde, darüber gab es nach den Aussagen der Zeugen erhebliche Zweifel. Das machte es auch für den Sachverständigen, Professor der Rechtsmedizin, sehr schwer, den Grad der alkoholischen Benebelung des Angeklagten zu berechnen.

Im Höchstfalle hatte er gegen 6 Uhr morgens, als es vor dem Haus zur Prügelei kam, 4,88 Promille im Blut, im niedrigsten Falle 2,51 Promille. „Ich habe aber erhebliche Zweifel an diesen Trinkmengen“, sagte der Gutachter.

Die Schläge des Angeklagten seien zielgerichtet gewesen und er hatte nach Angaben der Zeugen keine Ausfallerscheinungen. Trotzdem könne er eine erhebliche Verminderung der Steuerungsfähigkeit nicht ausschließen.

Verteidigerin fordert Freispruch

Der Verteidigerin ging das nicht weit genug. Für sie war der Angriff ihres Mandanten ein „völliger Ausraster im Vollrausch“. Er sei deshalb nicht schuldfähig und freizusprechen.

Die Richterin Anne Mertens sah das anders. Sie verurteilte ihn zu 90 Tagessätzen zu 30 Euro und blieb damit unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Umstände sprachen ihrer Meinung nach gegen eine Schuldunfähigkeit des Angeklagten. Dieser ist zudem elfmal vorbestraft, wobei eine Verurteilung wegen Körperverletzung schon lange zurückliegt. Für ihn spricht: Er habe sich entschuldigt. Für das Opfer sei es zudem kein Problem gewesen, wieder Kontakt mit dem Angeklagten aufzunehmen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.