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Kriminelle werden immer rabiater

Die Zahl der Rohheitsdelikte ist in der Region Döbeln am meisten gestiegen. Auch Diebstähle haben zugenommen.

Nach einer Verfolgungsjagd krachte der Fahrer mit dem in Nossen gestohlenen Fahrzeug im Juli 2020 durch eine Hecke an der Kleinen Kirchgasse in Döbeln.
Nach einer Verfolgungsjagd krachte der Fahrer mit dem in Nossen gestohlenen Fahrzeug im Juli 2020 durch eine Hecke an der Kleinen Kirchgasse in Döbeln. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen/Region Döbeln. Eine hollywoodreife Verfolgungsjagd, bei der die Polizei am Abend des 17. Juli in der Kleinen Kirchgasse in Döbeln einen Autodieb stellte, gehörte zu den spektakulären Einsätzen des vergangenen Jahres. Insgesamt verzeichnete die Polizeidirektion (PD) Chemnitz 2020 im Bereich des Polizeireviers Döbeln 3.039 Straftaten.

Laut Kriminalstatistik sind das 149 Fälle mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote liegt in der Region Döbeln bei 66,8 Prozent. 2019 waren es 63,4 Prozent. „Insgesamt wurden 1.375 Tatverdächtige und damit 105 mehr als 2019 ermittelt“, erklärt Jana Ulbricht, Pressesprecherin der PD Chemnitz.

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Im Landkreis Mittelsachsen wurden laut der Kriminalstatistik im Jahr 2020 insgesamt 12.143 Straftaten registriert. Dies sind 468 Fälle oder vier Prozent mehr als im Jahr 2019. „Insgesamt konnten 7.891 Fälle aufgeklärt werden, was einer Quote von 65 Prozent entspricht“, so Jana Ulbricht.

Im Bereich der allgemeinen Kriminalität gab es 12.058 Fälle, von denen 7.806 (64,7 Prozent) aufgeklärt wurden. „Im Landkreis Mittelsachsen wurden lediglich 85 Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz aktenkundig. Die Aufklärungsquote beträgt hier 100 Prozent“, sagt die Polizeisprecherin.

Ein Rückgang um 125 Fälle war bei Diebstählen zu verzeichnen. Hingegen stiegen die Fallzahlen insbesondere bei Sachbeschädigungen (+237 Fälle) sowie Rauschgiftdelikten (+147 Fälle) an.

Tatverdächtige, Opfer und Schäden

Insgesamt wurden 5.332 Tatverdächtige ermittelt. Dabei handelt es sich um 4.555 deutsche und 777 nichtdeutsche Tatverdächtige. 89 der zuletzt Genannten haben gegen die Bestimmungen des Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetzes verstoßen.

2020 wurden 2.390 Personen Opfer einer Straftat. Betroffen waren zu 59,2 Prozent Männer und zu 40,8 Prozent Frauen.

Der gemeldete finanzielle Schaden betrug rund 9,5 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 2,9 Millionen Euro auf die Wirtschaftskriminalität und rund 3,9 Millionen Euro auf die Diebstahlskriminalität.

Rohheitsdelikte

Die Rohheitsdelikte sind die Gruppe der Straftaten, die in der Region Döbeln am meisten zugenommen hat. Insgesamt stehen 557 Fälle zu Buche und damit 103 mehr als 2019. Es erfolgten 348 (+45) Körperverletzungen, 178 (+46) Nötigungen, Nachstellungen oder Bedrohungen sowie 29 (+11) Raubdelikte.

Bei Rohheitsdelikten beziehungsweise Straftaten gegen die persönliche Freiheit gab es in Mittelsachsen einen Anstieg um 40 auf nunmehr 1.943 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei 92,6 Prozent.

Steigende Fallzahlen waren bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung (94 Fälle/+18) sowie der Nötigung (251 Fälle/+19) zu verzeichnen. Den Hauptanteil der Rohheitsdelikte mit 842 Fällen (-19) bilden jedoch Taten der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung.

Diebstahlsdelikte

Insgesamt wurden in Mittelsachsen 3.387 Diebstahlsdelikte erfasst, von denen 1.242 (36,7 Prozent) aufgeklärt werden konnten. Der Anteil der Diebstahlskriminalität an allen Straftaten im Landkreis liegt bei 27,9 Prozent. Dabei weist die Statistik 1.740 Fälle (-38) ohne erschwerende Umstände und 1.647 Fälle (-87) unter erschwerenden Umständen aus.

„Bei vielen Erscheinungsformen bewegen sich die Fallzahlen leicht unter dem Niveau von 2019. Eine erhöhte Fallzahl war in Mittelsachsen bei Diebstählen von Fahrrädern (311 Fälle/+65) zu verzeichnen“, so Jana Ulbricht. Musste ein Schloss geknackt werden, um ein Fahrrad zu stehlen, war es ein erschwerender Umstand. War das Fahrrad nicht angeschlossen, zählt der Diebstahl als nicht erschwerend.

In der Region Döbeln haben Diebe im vergangenen Jahr 971 Mal unbefugt zugegriffen. Das waren 50 Taten mehr als 2019. Auf die Kategorie ohne erschwerende Umstände entfallen 451 (+59) Fälle. Unter erschwerenden Umständen wurden 520 (-9) Taten registriert.

Wohnungseinbrüche

Im Bereich der Wohnungseinbrüche sind die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 16 auf 120 Fälle leicht zurückgegangen. 47 Mal kamen die Einbrecher am Tag. Die Aufklärungsquote liegt bei 26,7 Prozent.

© SZ Grafik

Diebstahl von Kraftfahrzeugen

Auch die Fallzahlen bei Diebstählen rund ums Kraftfahrzeug bewegen sich im Landkreis Mittelsachsen auf Vorjahresniveau. Während bei Diebstählen von Autos (64 Fälle/+3) sowie von Krafträdern (51 Fälle/+3) minimale Zuwächse zu verzeichnen waren, ging die Zahl der Diebstählen an oder aus Kraftfahrzeugen (374 Fälle/-22) leicht zurück.

Rauschgiftdelikte

Bei den Rauschgiftdelikten ist der Trend in der Region Döbeln gegenläufig zum Landkreis. In Döbeln wurden 193 Fälle aktenkundig und damit 18 weniger als 2019.

Insgesamt 880 Rauschgiftdelikte, das sind 147 Fälle mehr als im Vorjahr, wurden in Mittelsachsen insgesamt erfasst. „Die Aufklärungsquote liegt bei 98 Prozent“, erklärt die Pressesprecherin. Es wurden 772 Tatverdächtige ermittelt. Von diesen hatten 698 die deutsche Nationalität und 74 (9,6 Prozent) eine andere.

Der überwiegende Teil der Taten sind mit 701 Fällen (+124) allgemeine Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, das heißt, sogenannte Konsumentendelikte. Die Verstöße im Zusammenhang mit Crystal (167 Fälle/+3) sind nahezu gleich geblieben.

Dagegen ist die Zahl der Delikte mit Cannabis und dessen Zubereitungen um 92 auf 472 Fälle gestiegen. „Zudem wurden 114 Ermittlungsverfahren (+28) wegen unerlaubten Handels oder Schmuggels von Betäubungsmitteln abgeschlossen“, so Ulbricht.

Sachbeschädigungen

Im Jahr 2020 wurden im Landkreis Mittelsachsen 1.761 Fälle und damit 237 Fälle mehr als 2019 erfasst. Der Anteil der Sachbeschädigungen an der Gesamtkriminalität im Landkreis Mittelsachsen beträgt 14,5 Prozent. 540 Fälle (30,7 Prozent) konnten aufgeklärt werden.

Unter den erfassten Fällen sind 474 (+91) Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen sowie 391 (+108) durch Graffiti. Letztere waren in der Region Döbeln mit 56 genau 18 weniger als 2019. Insgesamt wurden im Altkreis 406 (-20) Sachbeschädigungen festgestellt.

Taten gegen sexuelle Selbstbestimmung

In Mittelsachsen wurden im vergangenen Jahr 211 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und somit 19 Fälle mehr als im Vorjahr registriert. „Der Anstieg resultiert hauptsächlich aus einem Anstieg der Fälle von Verbreitung von Pornografie (87 Fälle/+43)“, erklärt die Sprecherin.

Bei nahezu allen anderen Delikten sind Rückgänge zu verzeichnen. Die höchsten Fallzahlen weist neben der Verbreitung der Pornografie der sexuelle Missbrauch von Kindern (46 Fälle/-20) auf. Die Aufklärungsquote liegt bei 93,4 Prozent.

Vermögens- und Fälschungsdelikte

Im Jahr 2020 ist die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte um 87 auf insgesamt 2.055 Fälle gestiegen. 444 (+21) entfallen davon auf die Region Döbeln. Schwerpunkt war der Warenkreditbetrug (811 Fälle/+2).

Steigende Fallzahlen wiesen besonders die Unterschlagung (228 Fälle/+58) sowie die Urkundenfälschung (193 Fälle/+44) auf. Betrügereien gab es im Altkreis Döbeln 317 (-6) Mal.

Gewaltkriminalität

Bei der Gewaltkriminalität wurden im vergangenen Jahr in Mittelsachsen 366 Taten und somit 14 mehr als im Vorjahr registriert. Dies entspricht einem Anteil von drei Prozent an der Gesamtkriminalität im Landkreis. Aufgeklärt wurden 89,3 Prozent der Fälle. Das Gros der Delikte waren gefährliche und schwere Körperverletzungen (294 Fälle).

Straßenkriminalität

Im Bereich der Straßenkriminalität ist ein Anstieg um 184 Fälle auf 1.929 Fälle zu verzeichnen. Deren Anteil an der Gesamtkriminalität im Landkreis Mittelsachen liegt bei 15,9 Prozent.

„Der Anstieg ist insbesondere auf steigende Fallzahlen bei Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen (474 Fälle/+91) sowie bei sonstigen Sachbeschädigungen auf Straßen (533 Fälle/+80) zurückzuführen“, so die Polizeisprecherin.

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