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Langer Einkaufssamstag in Döbeln floppt

Zumindest die Geschäfte, die im Stadtwerbering organisiert sind, wollten bis 18 Uhr öffnen. Aber die Realität sah anders aus.

Bei Mode Nr. 1 am Niedermarkt haben sich am Sonnabendnachmittag noch einige wenige Kunden umgesehen. Viele Geschäfte hatten zu dieser Zeit bereits geschlossen.
Bei Mode Nr. 1 am Niedermarkt haben sich am Sonnabendnachmittag noch einige wenige Kunden umgesehen. Viele Geschäfte hatten zu dieser Zeit bereits geschlossen. © Thomas Kube

Döbeln. Enttäuschung – dieses eine Wort beschreibt die Emotionen von Händlern und Kunden am Sonnabendnachmittag in der Döbelner Innenstadt.

Rund um den Niedermarkt haben gegen 16 Uhr immerhin noch fünf Geschäfte geöffnet. Am Obermarkt sind es vier, an der Stadthausstraße 2, an der Bäckerstraße eins. Laut Werbung haben 100 Händler zum verkaufsoffenen Sonnabend eingeladen, an dem sie bis 18 Uhr für die Kunden da sein wollten.

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„Schade“, sagen Carola Rothe und Steffen Hildebrand. Mit einem halbleeren Beutel stehen sie vor Rossmann. Gerade haben sie es noch geschafft, dort einzukaufen. Kurz vor 16 Uhr räumt eine Verkäuferin die Auslagen in den Drogeriemarkt, der gleich schließen wird. Das benachbarte Henwi-Kaufhaus ist schon seit einer Stunde zu. „Wir haben sonst wenig Zeit und sind extra zum verkaufsoffenen Sonnabend in die Stadt gekommen“, erklären die beiden. Ganz speziell wollten sie zu Faustmann und Intersport. Aber dort standen sie am Nachmittag vor verschlossenen Türen.

Kleinstadt statt grüne Wiese

„Wir gehen sonst auf die grüne Wiese shoppen. Aber dort muss man ständig einen Mundschutz tragen. Hier kann man ihn zwischendurch absetzen“, begründet Carola Rothe, weshalb sie an diesem Tag nicht nach Chemnitz oder Dresden gefahren ist. „Es ist traurig“, meint Steffen Hildebrand. „Hätten alle Geschäfte geöffnet, wäre auch mehr los.“ Dass sich kleine Läden nicht an der Aktion beteiligen, in denen der Inhaber schon die ganze Woche allein hinterm Ladentisch steht, könnten sie verstehen, sagen die beiden. Aber von größeren Geschäften mit mehreren Mitarbeitern hätten sie erwartet, dass sie geöffnet sind.

Stadt ist wie ausgestorben

Die Zahl derer, die in der Innenstadt unterwegs sind, ist ebenso übersichtlich, wie die der geöffneten Geschäfte. Eine andere Kundin bezeichnet die Stadt als ausgestorben. – Bis auf die Momente, in denen die Pferdebahn am Museum ankommt. Aber die meisten Fahrgäste gönnen sich nur noch ein Eis. Einen Laden betritt kaum einer.

Die Geschäftsinhaber und Verkäuferinnen, die durchhalten, „vertreiben sich die Zeit“. Ines Schaaf ordnet in den Regalen von Phönix Moden die Herbstware. „Bis 13 Uhr war es ein guter Samstag“, sagt sie. Aber danach hat sich kein Kunde mehr in den Laden an der Bahnhofstraße verirrt. Sebastian Kühne, Inhaber des Augenoptikers Sandow konnte einige Termine mehr als an gewöhnlichen Sonnabenden vergeben. Doch auch die waren beizeiten erledigt. „Wir haben genug in der Werkstatt zu tun“, meint er und lässt die Ladentür weiter offen.

Zwei junge Frauen, die zu einem Klassentreffen nach Döbeln gekommen sind, schauen sich bei Mode Nr. 1 um. Yvonne Rossberg vom gleichnamigen Tabak- und Weinhandel verkauft einem einzelnen Kunden Tabak und auch sie sagt: „Bis Mittag hatten wir gut zu tun.“

Im Schuhgeschäft Jung am Obermarkt suchen noch einige Kunden nach den passenden Schuhen, trotzdem bezeichnet Annett Jung den langen Sonnabend als Reinfall. Ihr zweites Geschäft, wenige Meter weiter, hat sie bereits geschlossen, „weil niemand mehr kam“. Bettina Horn, Verkäuferin bei Holzkunst Kuhnert, hat nach dem Mittag noch eine Familie bedient. Seitdem verpackt sie Anhänger für den Weihnachtsbaum.

Nur wenige Menschen waren am Sonnabendnachmittag in der Stadt unterwegs.
Nur wenige Menschen waren am Sonnabendnachmittag in der Stadt unterwegs. © Thomas Kube

Kritik an fehlender Werbung

Die Stimmung in den Läden ist nicht besonders gut. Es habe in der Stadt an Werbung gefehlt, meinen einige. Dem widerspricht Grit Neumann, die Chefin vom Stadtwerbering. Zum einen habe er die Kunden per Zeitungsanzeigen auf den langen Sonnabend aufmerksam gemacht. „Zum anderen hat jeder Händler die Möglichkeit, in seinem Geschäft und über die sozialen Netzwerke selbst Werbung zu machen. Da sind eigene Ideen gefragt“, sagt sie, während sie im City Haarstudio noch eine Kundin bedient. Sie habe an diesem Tag sogar Neukunden gehabt, die als Touristen in der Stadt unterwegs gewesen seien.

Dass so viele Geschäfte zeitig geschlossen haben, ärgert sie. „Man kann nicht mit einem Mal die Welt retten“, meint sie. Die Aktion müsse sich entwickeln. Und die meisten hätten sich bei der Versammlung des Stadtwerberings im Juli für den langen Samstag ausgesprochen. Dann müssten sie auch durchhalten.

In den nächsten Monaten besteht in Döbeln noch öfter die Möglichkeit, an Wochenenden länger einzukaufen. Am 4. Oktober gibt es im Zusammenhang mit dem Street-Food-Festival einen verkaufsoffenen Sonntag. Im November und Dezember sind jeweils die ersten Sonnabende lange Einkaufstage. Zum Weihnachtsmarkt am 12. und 13. Dezember wollen die Händler ebenso öffnen wie am 19. und 20. Dezember.

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