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Leisniger Dachdeckermeister feiert doppelt

Vor 50 Jahren hat der Leisniger Uwe Kunze die Prüfung abgelegt. Aber dieses Jahr steht auch noch ein weiteres Jubiläum an.

Der Dachdeckermeister Uwe Kunze aus Leisnig hat kürzlich den „Goldenen Meisterbrief“ bekommen. Er hat vor 50 Jahren seine Prüfung abgelegt.
Der Dachdeckermeister Uwe Kunze aus Leisnig hat kürzlich den „Goldenen Meisterbrief“ bekommen. Er hat vor 50 Jahren seine Prüfung abgelegt. © Dietmar Thomas

Leisnig. Den Lehrgang zum Dachdeckermeister hat Uwe Kunze von 1968 bis 1971 absolviert. Kürzlich ist er mit dem "Goldenen Meisterbrief" geehrt worden. „Ich bin immer mit dem Moped nach Leipzig gefahren. Bei jedem Wetter zweimal in der Woche, mittwochs und sonnabends“, erinnert sich Uwe Kunze. Er sei damals als 24-Jähriger der jüngste Dachdeckermeister im Bezirk Leipzig gewesen.

Auch an seine Aufgabe zur Meisterprüfung erinnert sich der Leisniger noch genau. „In Leipzig musste ich eine Kehle decken.“ Die Lehre zum Dachdecker hatte Uwe Kunze von 1961 bis 1964 im Betrieb seines Vaters Otto gemacht, nach dem Abschluss der 8. Klasse. „Das war schon hart, vor allem körperlich“, so Kunze. Die 10. Klasse habe er später in der Abendschule nachgeholt.

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Immer selbst "jeden Tag aufs Dach gegangen"

Mit 17 Jahren war er Geselle. Er sei als Ziegeldecker ausgebildet worden. In anderen Regionen seien Schieferdecker gefragt gewesen. „Für die Meisterprüfung musste man aber beide Varianten beherrschen“, so Kunze.

Deshalb sei er fünf Jahre nach der Lehre beim Dachdeckermeister Benedix in Leisnig gewesen, wo er die Schieferdeckerei gelernt habe. Gemeinsam mit dem Meister hatte Uwe Kunze damals den Turm der Kirche in Altenhof eingedeckt. „Als jüngst bei den Bauarbeiten die Kugel geöffnet wurde, habe ich mich daran erinnert, dass wir uns da auch verewigt hatten“, so Kunze.

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Nach der Rückkehr vom Armeedienst übernahm Uwe Kunze im Jahr 1975 den Betrieb seines Vaters. Dieser hatte das Geschäft 1949 gegründet, wie ein Zeitungsausschnitt belegt, den Uwe Kunze noch aufgehoben hat. Mehr als zwei Angestellte habe er nie gehabt.

„Ich bin aber, und da bin ich stolz drauf, jeden Tag aufs Dach gegangen“, so Kunze. Er habe immer den Kontakt zu den Kunden gesucht. Uwe Kunze ist froh, dass er seine Berufszeit ohne große Verletzungen überstanden hat. Sein Vater sei zweimal vom Dach abgestürzt. Einmal habe er sich beide Beine, das andere Mal beide Arme gebrochen.

Liebe zum Dachdeckerberuf geerbt

Der Wechsel in die Marktwirtschaft nach der Wende 1989/1990 sei ihm nicht schwergefallen. „Man musste sich etwas umstellen“, sagt er. Sein jüngerer Sohn ist ebenfalls Dachdecker, hat auch die Ausbildung bei Uwe Kunze gemacht.

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Das Geschäft habe er jedoch nicht übernehmen wollen. „Ihm ist das ganze Drumherum zu viel“, so Kunze. Im Jahr 2013 hat Uwe Kunze sein Geschäft aufgegeben. Auch aufgrund der Intervention seiner Frau Ute. „Mit 67 kannst du wirklich aufhören“, hat sie damals gesagt. Übrigens feierten die Eheleute in diesem Jahr Goldene Hochzeit. „Erst habe ich den Meisterbrief gemacht, dann haben wir geheiratet“, so Uwe Kunze.

Von seinem Vater hat Uwe Kunze nicht nur die Liebe zum Dachdeckerberuf geerbt. „Mein Vater war zwar kein Jäger, ist aber gern mit einem befreundeten Jäger mitgegangen. Deshalb hat sich die Leidenschaft zur Jagd auf mich übertragen“, so Kunze. Bereits als 18-Jähriger habe er die Jagdprüfung abgelegt und sei damals der jüngste Jäger in der Region gewesen.

Die Erlaubnis zur Jagd habe er sich in der damaligen DDR nur mit gesellschaftlichem Engagement „erkaufen“ können. „Entweder du gehst in die Kampfgruppe, in die Partei oder zur Freiwilligen Feuerwehr, hieß es damals“, so Kunze. Er entschied sich für die Feuerwehr und übernahm nach der Wende auch die Aufgabe stellvertretenden Wehrleiters in Leisnig.

Nach der Wende saß Uwe Kunze für die CDU im Stadtrat. Doch dies währte nur einer Wahlperiode. „Der Fraktionszwang hat mir damals nicht gefallen“, so Kunze.

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