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Leisnig: Hospizverein will 2021 wieder Gas geben

Corona hat die Mitglieder vor neue Herausforderungen gestellt. Trotz der Einschränkungen planen sie in diesem Jahr neue Projekte.

Ein Sommerfest wie 2019 konnte es wegen der Corona-Pandemie am Leisniger Hospiz Lebenszeit in diesem Jahr nicht geben. Auch sonst war die Arbeit eingeschränkt.
Ein Sommerfest wie 2019 konnte es wegen der Corona-Pandemie am Leisniger Hospiz Lebenszeit in diesem Jahr nicht geben. Auch sonst war die Arbeit eingeschränkt. © (Archiv) Lars Halbauer

Leisnig. Auch wenn das neuartige Virus den Alltag vieler Menschen dominiert – es gibt noch andere Krankheiten. Und nach mancher Diagnose steht fest, dass den Betroffenen nur noch wenig Zeit bleibt.

Genau um diese Menschen haben sich die Mitarbeiter des Hospiz „Lebenszeit“ am Hasenberg in den zurückliegenden Monaten gekümmert. Allerdings waren dort genauso Einschränkungen nötig wie in Kliniken, Altenheimen und beim Trägerverein „Lebenszeit“, wie Vorsitzende Diana Fischer sagt.

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Nachdem die Vereinsarbeit zu Beginn darauf ausgerichtet war, die Einrichtung auf den Weg zu bringen, zu bauen und einzurichten, läuft der Betrieb seit April 2018. Seitdem wurden in dem Haus mehr als 300 Gäste auf dem letzten Stück ihres Lebensweges begleitet.

Mit neuen Wegen der Personalwerbung erfolgreich

Wie Diana Fischer erzählt, profitieren das Haus und der Verein von der engen Vernetzung und des bislang guten Zusammenspiels. So wurden zum Beispiel in mehreren Lehrgängen Hospizbegleiter ausgebildet. Die habe die Einrichtung gerade in der Pandemie gut gebrauchen können, in der Infektionen und Personalausfälle nicht ausgeblieben sind.

Vom Personal her ist das Hospiz inzwischen gut aufgestellt. Nach einer Initiative von Vorstandsmitglied Patrick Prestin sei es möglich gewesen, alle offenen Stellen mit Fachpersonal zu besetzen. Das war auch Voraussetzung dafür, um alle der zwölf Plätze im Hospiz nutzen, die Kapazität ausschöpfen zu können.

Prestin hatte Mitarbeiter des bisherigen Teams erzählen lassen, weshalb sie in einem Hospiz arbeiten und dies auf verschiedenen Kanälen wie in sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Seit der Eröffnung im April 2018 haben die Mitarbeiter im Leisniger Hospiz "Lebenszeit" am Hasenberg mehr als 300 Gäste auf dem letzten Stück ihres Lebensweges begleitet.
Seit der Eröffnung im April 2018 haben die Mitarbeiter im Leisniger Hospiz "Lebenszeit" am Hasenberg mehr als 300 Gäste auf dem letzten Stück ihres Lebensweges begleitet. © Dietmar Thomas

Diese Art Aufklärungs- und Präsentationsarbeit, die auch Vereinsziel ist, musste Lebenszeit 2020 arg einschränken. Denn nur ein Teil konnte auf andere „Kanäle“ verlegt oder in der erstmals erschienenen Vereinszeitung abgedruckt werden.

„Es gab keine Infoveranstaltungen. Geplante Letzte-Hilfe-Kurse mussten wieder abgesagt werden. Und auch bei Festen konnten wir unsere Arbeit nicht vorstellen, weil es coronabedingt keine großen Feste gab“, fasst Diana Fischer zusammen.

Damit fehlen auch Einnahmen, die der Verein aus verschiedenen Gründen braucht: zur Unterstützung des Hospizes als stationäres Angebot und zur Finanzierung der ambulanten Arbeit.

Hospizbegleiter kommen nach Hause und ins Heim

Zu letzterer gehört, dass geschulte Ehrenamtliche Sterbende daheim oder in Pflegeeinrichtungen begleitet haben. „In 18 Fällen ist das 2020 passiert“, bilanziert Diana Fischer. Auch das sei unter Corona-Bedingungen schwieriger als zum Beispiel 2019 gewesen.

„Genauso wie die Ausbildung dieses Besuchsdienstes“, so die Vorsitzende. Auf 35 Männer und Frauen kann der Verein zurückgreifen, wenn es darum geht, Angehörige und Pflegepersonal bei der Betreuung Schwerstkranker zu entlasten.

„Mehr als zehn Leute haben sich für einen nächsten Kurs angemeldet“, sagt Diana Fischer. Nach dessen Absage 2020 überlege der Vereinsvorstand derzeit, einen neuen Kurs zu starten – als Webinar, zumindest teilweise.

Lebenszeit möchte in vielen Lebenslagen helfen

Auch Neues ist vorgesehen. Wer sich ehrenamtlich einbringen will, soll die Möglichkeit bekommen, sich zum Alltagsbegleiter und zum Nachbarschaftshelfer ausbilden zu lassen. Obwohl bei beidem augenscheinlich dieselben Hilfen gefragt sind, gibt es unterschiedliche Anforderungen und Zugangsbestimmungen. „Diese Kurse haben zwar unmittelbar nichts mit dem Hospiz zu tun, ergänzen aber bisherige Angebote“, findet Diana Fischer.

Für vieles, was vorgesehen war und ist, hat der Verein mit dem Beratungszentrum Lebenszeit (BZL) an der Chemnitzer Straße/Ecke Lindenplatz beste Voraussetzungen geschaffen. Sobald sich die Pandemie-Situation entspannt, kann es losgehen. Auch mit der Werbung für Angebote oder der Begleitung in den Pflegeheimen. Dort aktiv zu werden, war 2020 wegen Corona schwierig. "Mit angezogener Handbremse durchstarten zu wollen, so hat sich die Arbeit im vergangenen Jahr angefühlt", beschreibt die Vorsitzende.

Diana Fischer wünscht sich, dass sich das BZL etabliert. „Es soll zu einer Anlaufstelle für Schwerkranke und deren Familien, für Alleinlebende und für Menschen, die in der Region helfen wollen, werden. Dafür sind wir mit unseren Räumen auch mehr ins Zentrum gerückt.“

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