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Leisnig: Riesenstiefel fährt zur OP

Augenscheinlich geht es nur um Schönheitskorrekturen. Genau steht das aber erst nach einem Blick in das Schuhwerk fest.

Auf einem Anhänger liegend wurde der Leisniger Riesenstiefel in dieser Woche aus dem Museum bugsiert und zur Reparatur in eine Werkstatt gebracht .
Auf einem Anhänger liegend wurde der Leisniger Riesenstiefel in dieser Woche aus dem Museum bugsiert und zur Reparatur in eine Werkstatt gebracht . © Dietmar Thomas

Leisnig. Die genaue Diagnose steht noch aus. Aber lange kann diese nicht mehr auf sich warten lassen. Der Leisniger Riesenstiefel ist am Mittwoch sozusagen in eine Klinik gefahren worden.

Im Frühsommer wird das Aushängeschild 25 Jahre alt. Schon vor etwa 18 Jahren zeigte es dieselben Symptome wie jetzt. „Der Schaft ist heruntergerutscht, und es sind viele Falten entstanden“, beschreibt Rolf Neidhardt, was dem Vorstand des Heimatvereins und den Betreuern der Stiefelwacht Sorge bereitet. Der 83-Jährige selbst sorgt sich ob dieser Alterserscheinungen nicht wirklich. „Wir haben das schon mal gehabt und wieder gerichtet bekommen“, sagt der Schuhmachermeister.

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Neidhardt hat mit seinem mittlerweile verstorbenen Berufskollegen Gerhard Berthold den Leisniger Riesenstiefel in mehrmonatiger – geheimer – Arbeit angefertigt. An die vor Staunen herunter geklappten Kinnladen der am Straßenrand stehenden Leute bei der erstmaligen Präsentation des Schuhriesens zur 950-Jahr-Feier Leisnigs 1996 können sich manche Einwohner immer noch genau erinnern.

Die Spannung in Leisnig steigt

Was damals lange vorbereitet war, ist am Mittwoch relativ spontan gegangen: die Abholung des Stiefels aus seinem Quartier. Nachdem der Termin am Morgen wegen des angekündigten schlechten Wetters abgesagt war, legte Mario Bilski noch am Vormittag fest: Wir machen's. Immerhin war es zwar trüb, aber trocken. Und die Restauration soll zügig über die Bühne gehen.

Was alles nötig sein wird, kann erst nach einem Blick in den Riesenstiefel entschieden werden. Der „Einstieg“ sozusagen ist zum Schutz vor Schmutz und tierischen „Mietinteressenten“ mit einer Abdeckung versehen worden. Die werden die Mitstreiter des Heimatvereins in der nächsten Zeit abnehmen, wenn das Schuhwerk eingerüstet, also zugänglich gemacht worden ist.

Am 10. Oktober 2020 ist die neue Stiefelwacht unter Leitung von Hauptmann Mario Bilski (rechts) feierlich in Dienst gestellt worden.
Am 10. Oktober 2020 ist die neue Stiefelwacht unter Leitung von Hauptmann Mario Bilski (rechts) feierlich in Dienst gestellt worden. © Dietmar Thomas

Die Kosten dafür trägt der Geschichts- und Heimatverein Leisnig als Eigentümer des Rekordschuhwerkes. Dafür konnte Vorsitzender Uwe Reichel bereits Spenden aus der Leisniger Benefizgala 2020 verbuchen.Ob das Geld reicht, wird sich zeigen. Denn ein Teil davon ist auch für die Ausstattung der neuen Stiefelwacht bestimmt gewesen. Im Dienst sind die vier Männer um Hauptmann Mario Bilski seit Oktober 2020.

Der Transport des Stiefels durch Leisnig in eine Gewerbehalle war der erste Außeneinsatz der Stiefelwacht. Dabei wurde sie gleich auf die Probe gestellt. Denn vorm Stiefelmuseum parkten mehrere Fahrzeuge. Das Schuhwerk daran vorbeizuzirkeln, ohne Schäden an den Autos zu verursachen, ließ die Helfer trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt zumindest kurzzeitig schwitzen.

Aus dieser Erfahrung heraus will sich Uwe Reichel nochmal mit der Stadtverwaltung in Verbindung setzen und erfragen, welche Möglichkeiten es gibt, solche Situationen in Zukunft zu vermeiden. Bei einem weiteren vorm Museum parkenden Fahrzeug hätten die Ehrenamtlichen die Aktion abbrechen müssen. „Das wäre ärgerlich gewesen, wir gehen alle arbeiten und müssen uns die Zeit einteilen“, sagt Helferin Angela Bilski.

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