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Döbeln

Leisnig spart bei Immobilien und Fahrzeugen

Das große Finanzloch ist erst einmal gestopft. Allerdings mit Mitteln, die der Bürgermeister als kontraproduktiv bezeichnet.

Weil das Geld knapp ist, kann Leisnig nicht wie geplant weiter kontinuierlich in Immobilien investieren. In der Saxonia-Turnhalle etwa müssten nicht nur der Hallenboden, sondern auch die Sanitäranlagen und Leitungen erneuert werden.
Weil das Geld knapp ist, kann Leisnig nicht wie geplant weiter kontinuierlich in Immobilien investieren. In der Saxonia-Turnhalle etwa müssten nicht nur der Hallenboden, sondern auch die Sanitäranlagen und Leitungen erneuert werden. © André Braun/Döbelner Anzeiger

Leisnig. In den zurückliegenden Jahren hat die Stadt Leisnig „Gas gegeben“ und versucht, ihre Gebäude in Schuss zu bringen, Investitionsstaus zu beseitigen. Doch so kann es nicht weitergehen.

In ihrer Sitzung vergangene Woche haben sich die Stadträte mit dem Entwurf für den Doppelhaushalt beschäftigt – erneut hinter verschlossenen Türen. Zu groß war das Defizit. Bürgermeister Tobias Goth (CDU) sprach anfänglich von 1,5 Millionen Euro, die nicht mit Einnahmen untersetzt werden können.

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Mittlerweile hat Kämmerin Andrea Schlehahn das Defizit abgebaut. Die neuen Pläne können die Räte mitgehen, wie der Rathauschef im Nachgang sagte. Nun soll der Entwurf ausgelegt werden. Wann und unter welchen Bestimmungen, sei noch nicht klar. Denn eigentlich ist das Rathaus coronabedingt geschlossen. Wer sich das Zahlenwerk ansehen möchte, der muss sich auf jeden Fall einen Termin besorgen.

Der alte Polo bleibt vorerst Dienstfahrzeug

Wie der Bürgermeister sagte, ist der Haushaltsausgleich auf verschiedenen Wegen möglich geworden. Zum einen hätten die Ämter ihre ursprüngliche Bedarfsanmeldungen noch einmal kritisch angeschaut und auf das Nötigste reduziert. Zum anderen sei es nötig gewesen, Investitionen zu verschieben.

„Beispielsweise wollten wir den alten, blauen Polo, den die Verwaltungsmitarbeiter für Dienstfahrten nutzen können, durch ein modernes E-Auto ersetzen. Das ist im diesjährigen Haushalt nicht drin, sondern frühestens 2022“, so Tobias Goth. Auch andere Fahrzeuganschaffungen müssten warten. Für die Feuerwehr gebe es eine Prioritätenliste mit Technik, die nach einer gewissen Laufzeit erneuert werden muss.

Auch Feuerwehrtechnik muss durchhalten

Dort wird es voraussichtlich ein Verschieben der für 2022 geplanten Anschaffung ins Folgejahr geben müssen, stellte der Bürgermeister in Aussicht. Gleichwohl wolle sich die Kommune bemühen, in diesem Jahr den Rüstwagen anzuschaffen, der eigentlich schon 2020 ersetzt werden sollte. Doch für diesen konnte sich die Kommune den im Vergleich zur Planung erhöhten Eigenanteil nicht leisten, sodass der Ersatzkauf ausgesetzt werden musste.

Dafür hat sich zu Jahresbeginn schon die Gelegenheit geboten, eine gebrauchte Drehleiter zu kaufen. Auch deren Tausch war mehr als nötig, wie Uwe Dietrich, der fürs Feuerwehrwesen bei der Stadt Leisnig zuständig ist, den Stadträten veranschaulicht hatte.

Viele Leitungen in den Sanitärräumen sind noch auf Putz verlegt.
Viele Leitungen in den Sanitärräumen sind noch auf Putz verlegt. © Lars Halbauer
Die Heizkörper und deren Verkleidung sind genauso wenig zeitgemäß
Die Heizkörper und deren Verkleidung sind genauso wenig zeitgemäß © Lars Halbauer
wie die Duschen und die Toiletten in der Saxonia-Turnhalle in Leisnig.
wie die Duschen und die Toiletten in der Saxonia-Turnhalle in Leisnig. © Lars Halbauer

Aber auch die Gebäudeunterhaltung kann nicht so weitergeführt werden, wie in den vergangenen Jahren. „Wir hatten da einen guten Stand erreicht“, findet der Bürgermeister und erinnert an die Modernisierung der Heizungs- und Lüftungsanlage in der Karl-Zimmermann-Turnhalle sowie die Erneuerung der Duschen und Sanitäranlagen in der Turnhalle der Peter-Apian-Oberschule. „So müssten wir eigentlich weitermachen. Doch das ist einfach nicht drin – und das ist kontraproduktiv.“ Daher, so kündigte Goth an, „müssen Sanierungen warten.“

Wieder auf der Warteliste stehen mehr als notwendige Erneuerungen in der Saxonia-Turnhalle. Dort war es bislang nur möglich, Fenster und Dach zu erneuern. „Als Nächstes gehen wir den Sportboden an“, stellte der Bürgermeister in Aussicht. Auf dessen maroden Zustand hatten Nutzer auch einige Stadträte immer wieder hingewiesen, wie Ronny Naumann (CDU) mehrfach weitergab.

Pandemie jetzt Planungsgröße im Etat

Noch DDR-Charme haben die Sanitäranlagen in dieser Sporthalle, die hauptsächlich für den Vereinssport genutzt wird: Viele Leitungen sind noch auf Putz verlegt, die Duschen und Heizungsverkleidungen sind nicht mehr zeitgemäß, die Waschbecken museumsreif.

Das zunächst große Loch im Haushalt begründete Leisnigs Finanzchefin unter anderem mit coronabedingten Steuerausfällen, aber auch mit Mehraufwendungen im Zusammenhang mit der Pandemie. Ausgaben für Desinfektionsmittel oder Tests spielten bei bisherigen Haushaltsplanungen keine Rolle – inzwischen aber schon.

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