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Leisnig: Tierschützer von Stiftung enttäuscht

Von den 5.750 Euro, die der Stiftungsrat ausschütten konnte, hat der Verein nur 100 Euro „abbekommen“. Das hat Konsequenzen.

Der Tierschutzverein Leisnig ist auf Unterstützung angewiesen. Nicht nur der Vorstand meint, dass es diesbezüglich vonseiten der Kommune beziehungsweise der einzigen Leisniger Stiftung noch Luft nach oben gibt.
Der Tierschutzverein Leisnig ist auf Unterstützung angewiesen. Nicht nur der Vorstand meint, dass es diesbezüglich vonseiten der Kommune beziehungsweise der einzigen Leisniger Stiftung noch Luft nach oben gibt. © Dietmar Thomas

Leisnig. Keine Frage, ein wenig enttäuscht sind die Mitglieder und die Vorstände des Tierschutzvereins für Leisnig und Umgebung schon so manches Mal gewesen. Bei der Jahresausschüttung der Charlotte-Weiß-Stiftung wurde der Verein zwar immer bedacht, aber meistens mit der kleinsten Summe, die die Stiftungsräte vergeben haben. So ist es auch bei der Ausschüttung für 2019 gewesen.

Nach dem Bericht darüber in dieser Zeitung hat sich eine ehemalige Leisnigerin bei Vereinsvorsitzender Rosi Pfumfel gemeldet. „Die Frau ist schon viele Jahre Mitglied in unserem Verein und hat sich erschüttert darüber gezeigt, wie wenig unsere Arbeit offenbar wertgeschätzt wird“, erzählt Rosi Pfumfel.

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Die Frau aus dem hessischen Offenbach habe daraufhin eine Spende in Höhe von 500 Euro an den Leisniger Tierschutzverein ausgelöst. „Darüber freuen wir uns natürlich. Der Anlass dafür war aber auch für uns kein erfreulicher“, sagt Rosi Pfumfel. Denn sie gibt gern zu, dass die Höhe der Zuwendung, die der Verein von der Charlotte-Weiß-Stiftung bekommt, zumindest aus Sicht der Tierschützer keine Art der Wertschätzung ist.

Corona-Pandemie erschwert Mitgliederwerbung in Leisnig

„Wir als Verein kümmern uns 365 Tage im Jahr um ausgesetzte und kranke Tiere. Um das Tierheim zu unterhalten, sind jedes Jahr mehr als 100.000 Euro nötig, allein für Tierarztrechnungen müssen wir jährlich um die 12.000 Euro aufwenden“, schildert die Vereinsvorsitzende.

Die 100 Euro Stiftungsgeld genügten gerade mal so, um eine Katze zu sterilisieren. Dafür seien Kosten in Höhe von 96 Euro fällig, bei tragenden Katzen sogar 193 Euro. Nötig sei Letzteres, wenn die Muttertiere krank oder so geschwächt sind, dass der Tierarzt dazu rät.

Mit der Spende der ehemaligen Leisnigerin kommt der Tierschutzverein jetzt ein kleines Stück weiter. Insgesamt ist er zu großen Teilen auf Spenden angewiesen, um sich überhaupt um Tiere zu kümmern, die krank sind und die keiner haben will und auch, um für sie das Tierheim zu betreiben. Im Moment gelingt es dem Vereinsvorstand noch, jedes Jahr das Geld für alles aufzutreiben. Doch die Zukunft sieht Rosi Pfumfel weniger rosig.

Auch wenn der Leisniger Tierschutzverein mit mehreren hundert Mitgliedern noch einer der größten in Sachsen ist, so macht sich der demografische Wandel bemerkbar. Ältere Mitglieder sterben, um neue zu werben, fällt den Tierschützern schwer. Denn auch sie können wegen der Pandemie weder Veranstaltungen anbieten noch anderweitig publikumswirksam in Aktion treten.

Alternative: Tier-Elend auf der Straße

„Auf Anregung der Spenderin aus Hessen werden wir die 100 Euro Stiftungsgeld unserer Tierärztin Frau Dr. Franz zukommen lassen mit der Bitte, es einzusetzen, wenn sie Notfälle behandelt“, sagt Rosi Pfumfel. Sie erinnert in diesem Zusammenhang an einen Besuch des Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes.

Thomas Schröder sagte damals in Leisnig, dass die Tierschutzvereine und -heime deutschlandweit mehr wertgeschätzt und unterstützt werden sollten. Ohne dieses Engagement gebe es auch hierzulande viel mehr streunende Tiere auf den Straßen, mehr Tierleid, und viele Kommunen müssten selbst Unterkünfte für Fundtiere einrichten und betreiben.

Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU), der von Amts wegen Vorsitzender des Stiftungsrates der Charlotte-Weiß-Stiftung ist, sprach schon bei der symbolischen Geldübergabe in vielen Fällen von einer eher symbolischen Anerkennung. Der ausgeschüttete Betrag sage nichts über die Höhe der Wertschätzung aus.

Die Summe, die verteilt wird, richte sich nach den Projekten, die damit unterstützt werden sollen. Oftmals geben die Antragsteller schon Wunschsummen an. Der Tierschutzverein hat das einige Zeit nicht mehr getan. „Die Ausschüttung ist immer weit darunter geblieben“, begründet Rosi Pfumfel.

Zuschüsse von 100 bis 1.000 Euro

Rückwirkend für das Jahr 2019 haben insgesamt 15 Leisniger Vereine und Einrichtungen aus der Charlotte-Weiß-Stiftung Zuwendungen zwischen 100 und 1.000 Euro bekommen. Über die Verteilung entscheiden die Stiftungsräte.

Das sind neben dem jeweiligen Bürgermeister der oder die Pfarrerin für Leisnig sowie der oder die Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins. Aktuell sind das Katja Schulze und Uwe Reichel. Hinzu kommen Eckehard Klotsche, der schon seit der Stiftungsgründung dabei ist, sowie seit 2021 Regina Töpke. Sie ist für Dieter Fleck nachgerückt, der das Ehrenamt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste.

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