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Leisnig will Olbricht-Haus kaufen

Die Stadt hat Kontakt mit dem Eigentümer aufgenommen. Doch der will mehr Geld, als das Haus wert zu sein scheint.

Zum Gedenken an den in Leisnig geborenen General Friedrich Olbricht, der vor 77 Jahren am Hitler-Attentat beteiligt war, hatten sich am Dienstag Dieter Kunadt, Siegried Bretsch, Tobias Goth, Manfred Wehrmann und Jürgen Müller (von links) eingefunden.
Zum Gedenken an den in Leisnig geborenen General Friedrich Olbricht, der vor 77 Jahren am Hitler-Attentat beteiligt war, hatten sich am Dienstag Dieter Kunadt, Siegried Bretsch, Tobias Goth, Manfred Wehrmann und Jürgen Müller (von links) eingefunden. © Dietmar Thomas

Leisnig. Alle Jahre wieder am 20. Juli steht das Geburtshaus von General Friedrich Olbricht an der Friedrich-Naumann-Straße in Leisnig im Fokus. In diesem Jahr lagen auf den drei Treppenstufen schon Blumen, noch bevor Vertreter von Stadtrat und Vereinen eine Einpflanzung abgestellt hatten.

„Es denkt also auch noch jemand anderes an dieses Datum“, schlussfolgerte Siegfried Bretsch vom Geschichts- und Heimatverein. Am 20. Juli 1944 scheiterte das Attentat auf Adolf Hitler. Viele Männer, die am Versuch, den Diktator zu stürzen, beteiligt waren, wurden wenig später in Berlin hingerichtet. Auch der in Leisnig geborene Friedrich Olbricht gehörte dazu.

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Neue Forderung unangemessen?

„Ein mutiger Mann, der genau wusste, was ihm passiert, wenn der Umsturzplan schiefgeht“, zollte der langjährige Vize-Bürgermeister Manfred Wehrmann dem General noch immer Respekt. Dass der Mut dieses Leisnigers und anderer Widerständler unvergessen bleibt, dafür will die Kommune jetzt auf andere Weise ihren Beitrag leisten.

Schon vor Jahren, als es um das desolate Geburtshaus Olbrichts und dringend erforderliche Notsicherungen ging, war im Gespräch, dass die Kommune das Haus kauft. Damals fand der Vorschlag nicht die Zustimmung im Stadtrat. Bürgermeister Tobias Goth (CDU) hofft, dass das jetzt anders ist.

Wie er bei dem kurzen Gedenken am Dienstag am Olbricht-Haus sagte, habe die Stadtverwaltung dem Eigentümer des Gebäudes ein Kaufangebot unterbreitet. Er sprach von einem mittleren vierstelligen Betrag. Der genüge dem Besitzer aber offenbar nicht, der inzwischen eine fünfstellige Kaufsumme verlange. Die sei aus Sicht der Verwaltung unangemessen.

Zustand des Hauses in Leisnig kritisch

„Das Haus ist in dem jetzigen Zustand gar nicht nutzbar. Dadurch, dass das Dach eine Zeit lang offen stand, sind Schäden entstanden, Decken eingebrochen“, beschrieb der Bürgermeister. Mit einem Immobiliensachverständigen als Partner wolle die Stadt versuchen, dem Eigentümer den Ernst der Lage zu verdeutlichen. „Ich denke, er ist noch nie hier gewesen“, so Goth. Er hält einen symbolischen Preis für angemessen.

Über die spätere Nutzung will der Bürgermeister möglichst erst diskutieren, wenn der Kauf von den Stadträten abgenickt und mit der Vertragsunterzeichnung beim Notar perfekt ist. Vorher sei es vertane Zeit.

Bekannt ist, dass Stadt und Heimatverein über mehrere Ausstellungen verfügen, in denen es um die Person Olbricht und den Widerstand in vielerlei Facetten geht.

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Fürs nächste Jahr wünscht sich Manfred Wehrmann, dass am 20. Juli auch ein paar Jüngere am Geburtshaus Olbrichts stehen und sich an diesem Datum an diejenigen erinnern, die dem Völkermord unter Hitler ein Ende setzen wollten. Goth sagte zu, dies mit der Leiterin der Oberschule besprechen zu wollen.

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