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Leisnig will selbst über Windenergie entscheiden

Wer im Raum Döbeln neue Windkraftanlagen plant, hat es schwer. Aus dieser Zwickmühle gibt es offenbar einen Weg.

Den Betreibern von Windkraftanlagen fehlen im Moment regionalplanerischen Voraussetzungen, Projekte umzusetzen. Deshalb erwägt Leisnig, ergänzend zum Flächennutzungsplan einen Teilplan Windernergie zu erstellen.
Den Betreibern von Windkraftanlagen fehlen im Moment regionalplanerischen Voraussetzungen, Projekte umzusetzen. Deshalb erwägt Leisnig, ergänzend zum Flächennutzungsplan einen Teilplan Windernergie zu erstellen. © André Braun/DA-Archiv

Leisnig. Anfang 2021 werden Leisnigs Stadträte gebeten, die Planung in Sachen Windenergie im Gemeindegebiet selbst in die Hand zu nehmen und damit Rechtssicherheit zu schaffen. Die Hintergründe dafür erklärte den im Technischen Ausschuss mitarbeitenden Stadträten jetzt Jan Greschner.

Er ist einer der Geschäftsführer der Firma New Energy GmbH. Deren Sitz ist in Großschirma. In der Region ist das Unternehmen unter anderem für die Berner Kraftwerke (BKW) oder die Betreiber des Windparkes auf Ablaßer Flur tätig.

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Aber: Im Moment kommen angeschobene und bereits bewilligte Projekte, darunter auch in Sitten oder an der Autobahn in Bockelwitz, nicht so recht voran. Das hat unter anderem mit einem Wechsel im zuständigen Planungsgebiet zu tun, wie Greschner den Räten erklärte.

Eine Region zwischen zwei Planungsverbänden

Bislang weist der Regionalplan Westsachsen diejenigen Gebiete und die Bedingungen aus, auf denen Windenergieanlagen zulässig sind. Der überarbeitete Plan soll noch im Dezember beschlossen werden – allerdings ohne Aussagen für den Altkreis Döbeln. Denn der gehört seit mehr als zehn Jahren zu dem neu gebildeten Landkreis Mittelsachsen, den wiederum die Regionalplaner für den Raum Chemnitz mit betrachten sollten. Das tun sie auch, allerdings ohne weitere Aussagen zur Windenergie zu treffen, so Greschner.

„Das wirft die Region Döbeln um Jahre zurück“, findet der New-Energy-Geschäftsführer. Um nach vorn schauen zu können, bat er die Stadträte zeitnah darum, den für Leisnig bestehenden Flächennutzungsplan um einen Teilplan Windenergie zu erweitern. Die Kosten dafür will das Unternehmen aus Großschirma übernehmen, stellte Jan Greschner in Aussicht. Die Intension der Firma sei, dass geplante Projekte auch umgesetzt werden können. Dazu gehört zum Beispiel, in Sitten noch zwei bis drei weitere Windkraftanlagen zu errichten.

Überhaupt soll es bei den Planungen weitgehend darum gehen, die bestehenden ausgewiesenen Gebiete zu erhalten und zu entwickeln und möglicherweise eines an der Gemeindegrenze zu Großweitzschen zu erweitern. Zwei Standorte gibt es in Sitten: an der Autobahn und ein Stück hinter der Wohnbebauung.

Drei statt zehn Windkraftanlagen in Bockelwitz

Einen weiteren Windpark betreibt BKW mit derzeit zehn Anlagen ebenfalls an der Autobahn in Bockelwitz. An diesem Standort ist schon länger ein sogenanntes Repowering geplant. Bei diesem Erneuerungsprozess sollen die zehn Altanlagen zurückgebaut und durch drei höhere, moderne und insgesamt leistungsfähigere ersetzt werden. Auch dafür bedürfe es Greschner zufolge eines Entwicklungsplanes.

Damit begründete er auch, weshalb sein Unternehmen zusammen mit seinem Partner, den Leipziger Stadtwerken, auf die Kommune zugekommen ist und derartige Planungen forcieren will. Vorteile für die Kommune sieht der Geschäftsführer mehrere.

Zum einen stellte er dar, dass es besser ist, selbst Entwicklungspläne festzuschreiben als dies entfernt sitzenden Regionalplanern zu überlassen. „Sollte es einmal einen bestätigten Regionalplan auch für dieses Gebiet geben, dann gehe ich davon aus, dass die Wünsche der Kommunalpolitiker berücksichtigt werden“, sagte Greschner.

Diesmal könnte Leisnig Vorreiter sein

Überdies stellte er in Aussicht, dass Windparkbetreiber ab 2021 eine Zahlung von 0,02 Cent pro erzeugter Kilowattstunde an Projektpartner weiterleiten können. Konkret sprach er von möglichen 29.000 Euro pro Windkraftanlage und Jahr. Des Weiteren könnten Einnahmen generiert werden, wenn beispielsweise öffentliche Wege für den Betrieb der Anlagen genutzt werden müssten.

Die Stadträte verschlossen sich dem nicht. Hans-Hermann Schleußner (Wählergemeinschaft) ging sogar noch einen Schritt weiter. Er würde sich wünschen, dass die Windkraft vor Ort in speicherfähige Energie umgewandelt wird. Er selbst würde sich für seine Polkenberger Mühle und die Fahrzeuge über alternative Antriebe freuen und könne sich eine Pilotrolle sehr gut vorstellen.

Vorreiter sei Bockelwitz immerhin auch in Sachen Windenergie gewesen. Sämtlich bestehende Anlagen befinden sich auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Bockelwitz.

Mehr Akzeptanz durch Bürgerbeteiligung?

Philipp Wille von den Leipziger Stadtwerken sagte daraufhin, dass sein Unternehmen diesbezüglich an mehreren pilotartigen Projekten dran sei, für den Raum Leisnig da im Moment aber noch nichts vorgesehen sei. Er und Jan Greschner schlossen allerdings nicht aus, diesen Wunsch zu berücksichtigen, wenn die Planungen für Leisnig konkreter werden.

Dann kann sich der Geschäftsführer der New Energy GmbH auch vorstellen, in einer Versammlung über das Modell der Bürgerbeteiligung an Windparks zu sprechen. Ausschussmitglied Konstantin Wiesinger meinte, dass Windräder möglicherweise eine größere Akzeptanz finden, wenn die Bürger nicht nur in die Planung, sondern auch in die Finanzierung und Gewinnbeteiligung einbezogen werden.

Modelle dafür gebe es, bestätigte Jan Greschner. Allerdings seien diese umstritten, weil sie Reiche angeblich noch reicher machten. Trotzdem sagte er zu, einmal über dieses Thema zu informieren, sofern es den Wunsch dazu gibt.

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