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Leisnig wird Zentrum für Nachbarschaftshilfe

Damit Ältere möglichst lange in ihrem Umfeld leben können, ist manchmal Unterstützung nötig. Dazu berät der Verein Lebenszeit nicht nur, er schult jetzt auch.

Wer nicht nur an sich denken und älteren Menschen im Umfeld das Leben erleichtern möchte, kann sich als Alltagsbegleiter oder Nachbarschaftshelfer engagieren. Informationen und Anleitung dazu gibt es in Leisnig beim Verein Lebenszeit.
Wer nicht nur an sich denken und älteren Menschen im Umfeld das Leben erleichtern möchte, kann sich als Alltagsbegleiter oder Nachbarschaftshelfer engagieren. Informationen und Anleitung dazu gibt es in Leisnig beim Verein Lebenszeit. © Sozialministerium

Leisnig/Region Döbeln/Mittelsachsen. Die sogenannte Hundert in Leisnig soll wieder das werden, was sie einmal war: eine Art Treffpunkt. Zunächst haben sich die Einheimischen dort beim Einkaufen getroffen, sich am Rande über dies und das unterhalten. Mittlerweile nutzt der Verein Lebenszeit das komplette Erdgeschoss – mit einer Vision.

„Wir wollen die Hundert zu einer Anlaufstelle fürs Älterwerden aufbauen“, sagt Diana Fischer, die Vorsitzende des Hospizvereins. Dessen Mitglieder kümmern sich nach der Eröffnung der Einrichtung am Hasenberg schon längst nicht mehr um Spendenakquise und solche Dinge wie die Gartenpflege rund ums Hospiz.

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Zuerst haben sie im Eckgebäude Chemnitzer Straße/Lindenplatz, das bei den Leisnigern immer noch Hundert heißt, eine Anlaufstelle für den ambulanten Hospizdienst geschaffen. Nach einigen Modernisierungen gibt es dort Schulungen für ehrenamtliche Hospizhelfer. Wer Angehörige betreut, die von einer schweren Krankheit betroffen sind, kann sich hier ebenfalls beraten lassen.

Netzwerk für Helfer und Hilfsbedürftige entsteht

Seit ein paar Wochen ist ein Corona-Testzentrum hinzugekommen. „Erst bei dieser Gelegenheit haben viel Leute die Räume hier kennengelernt“, erzählt Diana Fischer. Dieser Bekanntheitsgrad könnte den Lebenszeit-Akteuren in Zukunft helfen, weitere Projekte in die Öffentlichkeit zu tragen.

Mittlerweile ist das Beratungszentrum Lebenszeit (BZL), so der offizielle Name der neuen Anlaufstelle, eine von zwei Koordinierungsstellen für Nachbarschaftshilfe und -helfer im Landkreis Mittelsachsen, die zweite befindet sich in Brand-Erbisdorf. Kreis und Freistaat Sachsen fördern den Aufbau der Strukturen und die Seniorenhilfe insgesamt.

Wie Diana Fischer erzählt, sind sachsenweit bereits 3.000 solcher „netter Nachbarn“ im Einsatz. Und es sollen mehr werden. Dazu will der Verein mit einem Schulungsangebot beitragen. Der erste Grundkurs läuft schon. Die Kosten übernimmt die Pflegekasse desjenigen, der sich als Nachbarschaftshelfer engagieren will.

Unterstützen und zusammen aktiv bleiben

Welche weiteren Voraussetzungen es gibt, dazu berät das BZL-Team Interessierte. Diese können nach entsprechender Anleitung Pflegebedürftige betreuen und bei ihnen auch schon mal Fenster putzen. Aber auch gemeinsames Aktivwerden ist gewünscht: zusammen Zeitung lesen, das Gedächtnis trainieren, kochen, basteln oder Veranstaltungen besuchen, wenn das nach der Pandemie wieder möglich ist.

Für diese Unterstützung gibt es bis zu zehn Euro die Stunde für höchstens 40 Stunden im Monat. Wer die Nachbarschaftshilfe nutzen möchte, der muss mindestens den Pflegegrad 1 vorweisen.

„Außerdem wollen wir eine Anlaufstelle für Nachbarschaftshelfer sein, die sich einen Austausch untereinander wünschen“, sagt Diana Fischer. Sie kann sich gut vorstellen, dass in der täglichen Praxis mit den Hilfsbedürftigen Fragen auftreten, die diejenigen am Besten beantworten könne, die ähnliche Aufgaben bewältigen. Auch Weiterbildungen könnten in der Folge von Lebenszeit organisiert werden.

Verein weiß, was zu beachten ist

Neben den Nachbarschaftshelfern gibt es noch die Alltagsbegleiter. Auch wer sich für das letztgenannte Ehrenamt begeistern kann, ist im BZL an der richtigen Adresse. Die Mitarbeiter sind dabei, ein Netzwerk aufzubauen: Lebenszeit nimmt Angebote von denjenigen entgegen, die sich eine Alltagsbegleitung wünschen und notiert jene, die sich diesen Aufgaben stellen. Idealerweise können beide Seiten zusammengebracht werden.

Alltagsbegleiter sind über den Projektträger – in diesem Fall der Verein Lebenszeit – versichert. Sie können in bis zu 32 Monatsstunden einen oder mehrere Senioren betreuen und bekommen dafür eine Aufwandsentschädigung von 80 Euro. Ein Pflegegrad bei der Person, die Hilfe in Anspruch nimmt, ist dafür genauso wenig notwendig wie eine vorherige Ausbildung.

Alltagsbegleiter können also schnell starten. Vorausgesetzt, sie sind nicht mit der Person, um die sie sich kümmern möchten, verwandt oder verschwägert. Auch in einer Hausgemeinschaft dürfen beide nicht leben. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann steht der Alltagsbegleitung nichts mehr im Weg. Darunter fällt zum Beispiel das Begleiten auf Wegen etwa zum Einkauf oder zum Arzt, gemeinsames Kochen, Kartenspielen oder Ähnliches.

Auf Wunsch steht auch den Alltagsbegleitern der Austausch mit anderen Ehrenamtlichen offen.

Kontakt zu Lebenszeit übers Netz oder unter Tel.: 034321 688257

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