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Leisniger Burgbienen schwärmen wieder aus

Die erste Ernte 2021 wird noch auf sich warten lassen. Doch Jung-Imkerin Paula Schiller und Schlossherrin Susanne Tiesler haben keinen Grund zur Eile.

An schönen Tagen herrscht reger Flugbetrieb im Burggarten. Dort wird das Imker-Projekt fortgesetzt.
An schönen Tagen herrscht reger Flugbetrieb im Burggarten. Dort wird das Imker-Projekt fortgesetzt. © Dietmar Thomas

Leisnig. Wenn Paula Schiller das Gelände der Burg Mildenstein betritt, dann nimmt sie nicht den Weg übers Haupttor, sondern geht ein Stück ums Schloss herum in Richtung Wiprechtseck. Denn im Burggarten haben ihre Bienen seit vergangenem Jahr ein Domizil gefunden.

An diesem herrlichen Fleckchen Erde mit den historischen Burgmauern im Rücken und einen traumhaften Blick ins Land – auf Ziegeldächer und derzeit blühende gelbe Rapsfelder – hat die 21-Jährige gute Voraussetzungen, ihrem Hobby nachzugehen. „Es macht Spaß hier an diesem Standort“, gibt die junge Frau zu. Manchmal, so erzählt sie, setzt sie sich nach Kontrolle der Bienenstöcke auf die schmale Bank an einer der Stützmauern und hört dem Summen der Insekten zu, verfolgt das emsige Kommen und Gehen im Bienenstock.

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Mittlerweile drei Völker lässt Paula Schiller ausschwärmen, eines hat sie von einem Studienkollegen dazubekommen. Mit einem hat sie 2020 begonnen, davon hatte sie einen Ableger umgesiedelt. Nach mehreren Kontrollen kann sie sagen, dass die Tiere gut über den Winter gekommen sind. Die kalten und regnerischen Tage, an denen die Insekten nicht ausfliegen, bezeichnet die 21-Jährige durchaus als Vorteil: „Da sind die Bienen mal richtig zur Ruhe gekommen“, erklärt sie.

Honig ist bei Mildenstein-Gästen gut angekommen

Mit dem ersten Jahr der Produktion von Mildensteiner Honig ist die junge Imkerin vollauf zufrieden. Zweimal durfte sie die süße Leckerei 2020 in Gläser abfüllen. Die größeren konnten Gäste der Burg Mildenstein im Museumsshop kaufen. „Gerade eine Handvoll ist noch übrig“, sagt Burgleiterin Susanne Tiesler. Auch aus ihrer Sicht ist das Projekt gut gelaufen. „Der Honig war gut gefragt“, bestätigt sie.

Wer sich noch Chancen auf ein Miniglas Honig von den Burgbienen ausrechnet, den muss Susanne Tiesler enttäuschen. „Auch da gibt es nur noch einen Restbestand, und der ist für gebuchte Veranstaltungen reserviert“, begründet die Burgleiterin. Sie hofft, dass sie schon bald nach der Saisoneröffnung das Regal im Museumsshop mit Blütenhonigmischungen von den Leisniger Burgbienen wieder auffüllen lassen kann.

Wenn genau die erste Lieferung zu erwarten ist, weiß die junge Imkerin noch nicht. Das begründet Paula Schiller damit, dass die Natur in diesem Frühjahr etwas später dran ist – und die Honigproduktion damit auch.

Paula Schiller kontrolliert die Waben ihrer mittlerweile drei Bienenvölker.
Paula Schiller kontrolliert die Waben ihrer mittlerweile drei Bienenvölker. © Dietmar Thomas
Die Ernte 2020 wurde in 250-Gramm- und Mini-Gläser abgefüllt und ist nahezu ausverkauft.
Die Ernte 2020 wurde in 250-Gramm- und Mini-Gläser abgefüllt und ist nahezu ausverkauft. © Dietmar Thomas
Ihre Bienen sind gut über den Winter gekommen, findet die 21-jährige Jung-Imkerin aus Zollschwitz.
Ihre Bienen sind gut über den Winter gekommen, findet die 21-jährige Jung-Imkerin aus Zollschwitz. © Dietmar Thomas

Doch Susanne Tiesler sieht keinen Grund zur Eile. Denn immerhin steht im Moment auch noch nicht fest, wann die Tore der Burg Mildenstein wieder offen stehen. 2020 konnten über Pfingsten schon Besucher empfangen werden.

Wenn auf Mildenstein wieder etwas Normalität zurückkehrt, dann sollen Paula Schillers Bienenvölker und der Honig noch anderweitig einbezogen werden: in Führungen und Schülerprojekte sowie in die Menüplanung beim Kochen in der historischen Schwarzküche.

Jung-Imkerin ist mit der Region verwurzelt

Mit ihren 21 Jahren gehört Paula Schiller zu den jüngsten Imkern in Sachsen. Zu diesem Hobby ist sie über ihre Mutter gekommen, mit der sie gemeinsam schon länger Honig erntet. Die junge Frau ist mit der Region verwurzelt, kann sich kaum vorstellen, anderswo zu leben und später zu arbeiten.

Nach wie vor studiert die junge Frau aus Zollschwitz bei Leisnig Agrarwissenschaften in Halle. „Ein Jahr brauche ich noch, bevor ich den Abschluss habe“, denkt sie. Praxiserfahrungen sammelt sie derzeit in einem Landwirtschaftsbetrieb in Methau. Sie ist froh, dass es trotz Corona diese Möglichkeit gibt

Wohin es nach dem Studium gehen soll, weiß Paula Schiller noch nicht. Da lässt sie sich im Moment noch genauso überraschen wie vom Geschmack ihrer nächsten Honigernte. Nur so viel ist sicher: Die Bienen dürften der Verlockung umliegender Rapsfelder und Obstplantagen nicht widerstanden haben.

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