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Leisniger Großvermieter in der Zwickmühle

Was, wenn Ältere nicht mehr in die vierte Etage kommen und Jüngere moderne Fliesen wollen? Die LWVG sucht nach Lösungen. Viel dürfen sie aber nicht kosten.

Am Sachsenplatz in Leisnig hat das städtische Wohnungsunternehmen den größten Teil seines Bestandes: in Wohnblöcken, die bis zu 50 Jahre alt sind, wenig seniorenfreundlich gebaut.
Am Sachsenplatz in Leisnig hat das städtische Wohnungsunternehmen den größten Teil seines Bestandes: in Wohnblöcken, die bis zu 50 Jahre alt sind, wenig seniorenfreundlich gebaut. © Dietmar Thomas

Leisnig. Nach einem Jahr mit einem mittleren vierstelligen Gewinn hat die Leisniger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (LWVG) im vergangenen Jahr wieder ein Minus erwirtschaftet. Das liegt bei etwas mehr als 23.000 Euro.

Dafür nannte Geschäftsführerin Nicole Hirsch den Stadträten als Gesellschafter – die LWVG ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt Leisnig – mehrere Gründe. Die wesentlichsten: Sowohl die Personalkosten als auch der Leerstand haben sich erhöht. Die Leerstandsquote stieg von 12,1 Prozent 2018 auf 15 Prozent im vergangenen Jahr.

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Damit sich diese Tendenz nicht fortsetzt, bat Nicole Hirsch die Stadträte um Hilfe. Sie sei für jede Idee dankbar, wie die Gesellschaft die beiden drängendsten Probleme lösen könne. 

Renovierungskosten werden steigen

Das eine hänge mit dem demografischen Wandel zusammen. Auch die Mieter der LWVG werden immer älter. Daraus ergebe sich, dass es für manche aus gesundheitlichen Gründen zu beschwerlich oder schließlich gar nicht mehr möglich ist, in die dritte oder vierte Etage zu gelangen. 

„Die Konsequenz ist: Mieter werden altersbedingt ausziehen“, so die Geschäftsführerin. Daher werde Barrierefreiheit eine immer größere Rolle bei Renovierungen spielen müssen. 

Renovierungen waren ein weiteres Thema. „Manche Mieter wohnen länger als 30 Jahre in ihren Wohnungen“, berichtete Nicole Hirsch. Wenn sie ausziehen, sei mit einem Renovierungsbudget von 5.000 Euro nicht viel zu machen. Viel mehr könne sich die Gesellschaft aber nach der bisherigen Strategie gar nicht leisten.

Extrawünsche kosten extra

Folgerichtig müssten in den kommenden Jahren mehr Mittel für Instandsetzungen vorgesehen werden. 2019 sind mehr als 100.000 Euro dafür ausgegeben worden, Wohnungen so herzurichten, dass sich neue Mieter darin wohlfühlen. 

Aber auch anderweitige Reparaturen sind aus diesem Budget zu bestreiten. Kein Wunder, dass der Geschäftsführerin da wenig Spielraum bleibt, wenn gerade junge Mieter bei Besichtigungen die Nase rümpfen. „Manche wünschen sich eben modernere Fliesen im Bad oder lichtmäßig schicke Spots“, berichtete sie aus ihrer Praxis.

Hier und da könnten solche Sonderwünsche erfüllt werden. Das sei allerdings auch mit einer etwas höheren Miete verbunden. Die würden womöglich auch einige der älteren Mieter bezahlen, die ohne Hilfe irgendwann nicht mehr in die Wohnungen im Obergeschoss kommen. 

Nicole Hirsch leitet die Leisniger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (LWVG). Sie sucht Ideen, damit der Großvermieter nicht in Größenordnung ältere Mieter verliert und junge dazugewinnt.
Nicole Hirsch leitet die Leisniger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (LWVG). Sie sucht Ideen, damit der Großvermieter nicht in Größenordnung ältere Mieter verliert und junge dazugewinnt. © Dietmar Thomas

„Ein Aufzug wäre wirklich unser größter Wunsch“, sagte Renate Fischer (80), die seit 50 Jahren am Sachsenplatz wohnt (Sächsische.de berichtete). Damals habe sie sich die Wohnung ganz oben bewusst ausgesucht, auch wegen des schönen Ausblicks. Mittlerweile sei es aber beschwerlich, mehrmals am Tag die vielen Treppen zu steigen.

Doch Nicole Hirsch kann ihr nur wenig Hoffnung machen, dass sie und andere Mieter in Zukunft ohne Anstrengungen auch in den oberen Etagen leben können. Das habe die Verwaltung schon mehrfach durchgerechnet.

Wände versetzen, muss auch möglich sein

Pro Wohnblock sei mit Investitionskosten von einer halben Million Euro zu rechen. Hinzu kämen Betriebskosten und die Aussicht auf eine höhere Miete, die sich nicht jeder Bewohner leisten wolle oder könne. „Bei unserem Jahresergebnis brauche ich über solch eine Ausgabe gar nicht nachzudenken“, erklärte die Geschäftsführerin.

Sie betonte nochmals, dass sie für Ideen, die Mieter zu halten und neue zu gewinnen, offen sei. Manches sei da schon überlegt und gedanklich durchgespielt worden – auch das Zusammenlegen von Wohnungen, wie es spontan Maria-Christin Anderfuhren (Die Grünen) vorschlug. Das sei zwar nicht unmöglich, wie Nicole Hirsch zugab. Aber schwierig. 

„Die Versorgungsstränge liegen genau zwischen Küche und Bad. Deshalb lassen sich die Küchen kaum erweitern“, erklärte die LWVG-Chefin. Doch mit einer nur fünf Quadratmeter großen Küche kämen größere Familien eben nicht klar. „Aufwand und Nutzen sind auch hier der entscheidende Faktor“, sagte Nicole Hirsch.

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