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Leisniger Helios-Klinik erfindet sich neu

In dem Krankenhaus sind einige Veränderungen geplant. Eine Werbekampagne soll helfen, das Image zu verbessern.

Pflegedirektion Uta Reichel, der Ärztliche Direktor Dr. med. René Schwarz und Mandy Glauch, verantwortlich für die Krankenhaushygiene(von links), sind drei von sechs Gesichtern einer Kampagne der Helios-Klinik Leisnig.
Pflegedirektion Uta Reichel, der Ärztliche Direktor Dr. med. René Schwarz und Mandy Glauch, verantwortlich für die Krankenhaushygiene(von links), sind drei von sechs Gesichtern einer Kampagne der Helios-Klinik Leisnig. © Dietmar Thomas

Leisnig. Das vergangene Jahr war von Verunsicherung geprägt und hat viele Fragen aufgeworfen. So beschreibt der Ärztliche Direktor Dr. René Schwarz die Situation der Helios-Klinik Leisnig. Aufregung gab es im Zusammenhang mit der Schließung der Geburtenstation. Eine große Herausforderung war und ist die Corona-Pandemie.

Patienten zeigen zunehmend schwere Krankheitsbilder

Zwischen dem 24. März 2020 und dem 17. März 2021 sind in der Helios-Klinik 447 Corona-Patienten behandelt worden. Der Höhepunkt war zum Jahreswechsel. Damals wurden 39 Patienten auf der Nomalstation und neun auf der Intensivstation versorgt.

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„Damit war die Intensivstation voll belegt und zwei Normalstationen ausgelastet“, so Schwarz. Die Mitarbeiter hätten bis zur körperlichen und mentalen Erschöpfung gearbeitet und immer wieder erlebt, wie Patienten versterben. „Das ist ein wahnsinniger Druck“, so Schwarz.

Insgesamt haben im vergangenen Jahr rund 27.000 Patienten die Leisniger Klinik aufgesucht. 7.500 wurden stationär aufgenommen, 19.500 ambulant behandelt – davon 6.000 in der Notaufnahme.

In diesem Jahr verzeichnen die Ärzte der Helios-Klinik zunehmend schwerere Krankheitsbilder, zum Beispiel bei Schlaganfällen oder Herzerkrankungen. „Diese resultieren daraus, dass die Patienten aufgrund von Corona auf eigentlich notwendige Behandlungen gewartet haben, notwendige Operationen verschoben wurden und viel Unsicherheit geherrscht hat“, erklärt der Ärztliche Direktor.

Besuche sollen für Geimpfte, Genesene und Getestete wieder möglich werden

Um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren sei in der Klinik ein Sicherheitskonzept umgesetzt worden. Dazu gehören ein Risiko-Check bei den Patienten und die strickte Trennung der Risikobereiche. Patienten und Mitarbeiter werden getestet.

Mehr als 260 Mitarbeiter sind geimpft, davon 212 bereits zweimal. Der Mund-Nase-Schutz, auf den ein freundlicher Automat bereits am Eingang hinweist, sei zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Klinikaufenthalte der Patienten würden so kurz wie möglich gehalten.

Und leider gehöre auch der Besucherstopp dazu, an den sich die Klinik nach der Empfehlung des Regierungsbezirkes Chemnitz halte. „Ich war selbst als Patient im Krankenhaus und weiß, wie schlimm es ist, wenn man seine Angehörigen nicht sehen kann“, sagt René Schwarz.

Aber das Thema werde demnächst neu betrachtet und festgelegt, inwieweit Geimpften, Genesenen und Getesteten wieder Besuche ermöglicht werden können. Einen konkreten Zeitpunkt kann Schwarz aber noch nicht nennen.

Für Geburtsklinik oder ein Geburtshaus fehlen die Fachkräfte

Die Schließung der Geburtsklinik im Dezember 2020 hat für viel Wirbel gesorgt. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, erklärt Julian Zimmer, Geschäftsführer der Helios-Klinik Leisnig. Grund sei der Fachkräftemangel, das heißt es fehlen Fachärzte und Hebammen.

Die 24-Stunden-Rundumbetreuung an sieben Tagen in der Woche sei nicht mehr gewährleistet gewesen. „Wir haben einen qualitativen Anspruch, dem wir nicht mehr gerecht werden konnten“, so Zimmer.

Nach der Schließung habe es zahlreiche Gespräche mit der Stadt Leisnig, dem Landkreis sowie Land- und Bundestagsabgeordneten gegeben, die gemeinsam nach einer Lösung gesucht hätten. Dabei sei ein Hebammen geführtes Geburtshaus mit angeschlossenem Kreißsaal in den Fokus gerückt. Aber auch dort habe dasselbe Problem bestanden – Fachkräftemangel.

Pflegedirektorin Uta Reichel habe sogar versucht, Hebammen aus dem Ausland für Leisnig zu gewinnen. Aber das sei schwierig und es dauere lange, bis deren Qualifikation in Deutschland anerkannt werde, beschreibt sie die Situation.

Auch Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) bedauert, dass keine Alternative gefunden werden konnte. „Mit 48.926 Geburten ist in Leisnig eine Ära zu Ende gegangen“, meint er. Daran hätten auch 733 Unterschriften aus der Bevölkerung und zahlreiche Briefe aus der Wirtschaft für den Erhalt der Geburtsklinik nichts ändern können.

Die Helios-Klinik will mit einer Kampagne für sich und die Stadt Leisnig werben.
Die Helios-Klinik will mit einer Kampagne für sich und die Stadt Leisnig werben. © Dietmar Thomas

Werdende Mütter nehmen Storchentaxi und Vorbereitungskurse nicht an

Statt in Leisnig zu entbinden gibt es das Angebot, die werdenden Mütter mit einem Storchentaxi in die Helios-Klinik Schkeuditz zu bringen. Doch dies werde ebenso wenig angenommen, wie die Geburtsvorbereitungskurse, die die zukünftigen Eltern noch in Leisnig wahrnehmen könnten.

Sie gehen jedoch dorthin, wo die Frauen auch entbinden werden. Derzeit sei Helios dabei, neue Strukturen aufzubauen und sich Partner wie das Krankenhaus Mittweida zu suchen.

Die Kreißsäle und alle anderen zur Geburtsklinik gehörenden Räume seien derzeit frei, erklärt Julian Zimmer. Einige würden aber zum Beispiel für das Testen und Impfen der Mitarbeiter genutzt.

Pädiatrie und Gynäkologie sollen in Leisnig bleiben

Auch im Bereich der Gynäkologie und Pädiatrie (Kinder- und Jugendheilkunde) fehle die eine oder andere Fachkraft. „Aber wir kämpfen dafür, beides in Leisnig erhalten zu können“, sagt der Ärztliche Direktor. Für die Gynäkologie würden dazu Kooperationspartner aus der Schkeuditzer Helios-Klinik und für die Pädiatrie solche aus dem Park-Klinikum Leipzig ins Boot geholt.

Denn vom Grunde her sei die Leisniger Klinik im Bereich der Gynäkologie mit der minimalinvasiven Chirurgie, der Uro-Gynäkologie und der Gynäkologischen Onkologie gut aufgestellt. Die Pädiatrie werde derzeit neu strukturiert und anders organisiert, um den Klinikaufenthalt der Kinder so kurz wie möglich zu halten.

Fördermittel für Anbau einer Geriatrie beantragt

Im Oktober vergangenen Jahres wurde in Leisnig eine Akutgeriatrie eröffnet. Durch Corona habe die Abteilung eine schwierige Anlaufphase gehabt, so die Pflegedirektorin. Aber die Abteilung soll zu einem Zentrum für Altersmedizin entwickelt werden.

Auch dafür bestehe eine Kooperation mit dem Park-Klinikum Leipzig, das für Therapien und die Pflege Personal zur Verfügung stelle. „Derzeit werden außerdem eine Alterstraumatologie und eine Alterswundversorgung aufgebaut“, so Zimmer.

Zudem sei nach wie vor ein Anbau für die Geriatrie geplant. „Dafür haben wir bereits Fördergeld beantragt“, sagt der Ärztliche Direktor. Eine Zusage stehe noch aus.

Klinik baut ein elektronisches Patientenportal auf

Helios will den Service für die Patienten verbessern und nutzt dazu die Digitalisierung. Die Klinik sei dabei, ein Patientenportal einzuführen. Über das könnten von Zuhause aus online Termine gebucht und verwaltet werden.

Dazu gehöre auch eine digitale Besucherregistrierung. Es sei die Einsicht in Behandlungsdaten und das Abrufen von Dokumenten sowie Befunden möglich.

Kampagne „Wir für Leisnig“ zeigt bekannte Gesichter

Mit einer Plakat- und Onlinekampagne, die am 1. Juni unter dem Motto „Wir für Leisnig“ startet, will die Klinik zeigen, „dass wir als Helios zu Leisnig stehen und gemeinsam mit der Stadt etwas voranbringen wollen“, erklärt der Geschäftsführer.

Helios biete eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung und habe eine Verantwortung gegenüber den Patienten, den Mitarbeitern, der Stadt und der Region.

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Seit mehr als fünf Monaten steht fest, dass Helios keine Geburtenstation mehr betreibt. Manchem fällt es schwer, sich damit abzufinden.

Deshalb sollen die Gesichter der Klinik auf Helios aufmerksam machen. Das sind sechs Mitarbeiter, die ihre Wurzeln in Leisnig haben oder schon lange in der Stadt wohnen – bis auf einen. Der Arbeitsweg führt Dr. René Schwarz seit 2005 täglich über die Autobahn. Und das noch immer gern. „Die Leute hier sind mir ans Herz gewachsen“, sagt er.

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