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Leisniger Räte entscheiden über Jugendprojekt

Prinzipiell wollen die Stadträte Geld in die Jugend investieren. Trotzdem tun sie sich im Moment schwer mit einem neuen Projekt – auch des Geldes wegen.

Das frühere Jugendhaus in Naundorf wäre der ideale Ort für offene Kinder- und Jugendarbeit. Nur ein einziger Punkt spricht dagegen: Die dezentrale Lage in einem Ortsteil statt in der Stadt Leisnig.
Das frühere Jugendhaus in Naundorf wäre der ideale Ort für offene Kinder- und Jugendarbeit. Nur ein einziger Punkt spricht dagegen: Die dezentrale Lage in einem Ortsteil statt in der Stadt Leisnig. © Dietmar Thomas

Leisnig. Eine dreiviertel Stunde haben sich die Stadträte, die im Verwaltungsausschuss mitarbeiten, am Donnerstagabend für ein mögliches neues Jugendprojekt Zeit genommen.

Um dafür Überzeugungsarbeit zu leisten, waren sogar Annett Voigtländer, Referatsleiterin beim Landratsamt Mittelsachsen sowie Fachberater Uwe Rühlemann vom Jugendamt zur Tagung nach Börtewitz gekommen.

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Ob dieser Einsatz erfolgreich war, ist offen geblieben. Zwar zeigte sich eine Mehrheit der Räte bereit, einen Neuanfang in der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu wagen – und wieder eine Anlaufstelle für Kinder ab elf Jahren einzurichten.

Ausschussvotum allein genügt nicht

Doch für die Umsetzung bedarf es noch eines Ratsbeschlusses, ein Ausschussvotum genüge nicht. Darauf machte Kämmerin Andrea Schlehahn aufmerksam. Immerhin 25.000 Euro soll die Kommune dazubezahlen, wenn das Projekt wieder anschoben wird.

Das Geld ist für ein Jahr kalkuliert. „Wir haben jetzt schon März, ehe es losgeht, reden wir vielleicht nur noch über 15.000 Euro“, argumentierte Michael Heckel von der Fraktionsgemeinschaft Freie Wähler/SPD. Trotzdem sei dieser Beitrag nicht zu verachten, hielt Rüdiger Schulze (CDU) dagegen. Die Haushaltlage sei auch aufgrund der vielen Ungewissheiten wegen der Pandemie-Ausfälle angespannt.

Ein Anfang auch mit halber Kraft?

Überdies beteilige sich die Kommune ja schon finanziell an der Jugendarbeit, und zwar im Alternativen Jugendzentrum (AJZ). Daher versuchte Schulze, eine Neukalkulation anzuregen. „Vielleicht genügt für den Anfang ja eine Fachkraft mit reduzierter Stundenzahl“, sagte er.

Ihm und anderen CDU-Stadträten gefällt aber auch der Standort nicht. Im Moment steht das Angebot, den Treff in Räumen des ehemaligen Fitnessstudios am Schützenhaus neben dem Stadtbad einzurichten.

„Zu weit draußen“, findet CDU-Fraktionschef Schulze. Ähnlich skeptisch ist – was den Standort betrifft – Hansjörg Oehmig (CDU). Hinzu kommt, dass die Miete nicht wirklich günstig ist, kam in der Diskussion zur Sprache.

Im Schützenhaus in Leisnig stehen Räume für einen Kinder- und Jugendtreff zur Verfügung. Der Standort am Stadtrand gefällt nicht allen Abgeordneten. Aber er könnte ein Anfang sein, das Umfeld stimmt.
Im Schützenhaus in Leisnig stehen Räume für einen Kinder- und Jugendtreff zur Verfügung. Der Standort am Stadtrand gefällt nicht allen Abgeordneten. Aber er könnte ein Anfang sein, das Umfeld stimmt. © Lutz Weidler

Hauptamtsleiterin Silvia Diesmann räumte ein, dass sich die Verwaltung auch andere Räume angeschaut hat. Günstigere, vielleicht in Immobilien, die der Kommune selbst gehören, seien nicht gefunden worden.

Zumal auch das Umfeld stimmen, ein ansprechendes Freigelände zur Verfügung stehen sollte. Das wäre am Schützenhaus der Fall. Die Gegebenheiten dort sind für Fachberater Uwe Rühlemann wirklich gut, wie er den Räten sagte.

"So eine Chance kommt nicht gleich wieder"

Für Dieter Kunadt von der Fraktionsgemeinschaft Die Linke/Bündnisgrüne sei es ein Leichtes, diesem Projekt zuzustimmen: „Der Freistaat und der Landkreis Mittelsachsen geben Geld dazu. Sicher müssen auch wir als Kommune das tun. Aber die Chance, die sich durch diese Förderung ergibt, sollten wir nutzen. Sie kommt mit Sicherheit nicht gleich wieder.“

„Sie investieren das Geld in die Jugend und damit die Zukunft ihrer Stadt“, versuchte Annett Voigtländer, zu veranschaulichen, dass das Geld gut angelegt ist. Nach ihren Worten habe Leisnig Glück, dass der Kommune aufgrund der im Gemeindegebiet lebenden Zahl der Kinder eine Fachkraftförderung zusteht.

Das Geld dafür sei kalkuliert. „Ich würde gern im Jugendhilfeausschuss im April über den Antrag des Vereins Regenbogenbus abstimmen lassen“, gab sie den zeitlichen Rahmen vor.

Endlich einen Träger gefunden

Der Verein Regenbogenbus, der schon seit Jahren im AJZ in Leisnig tätig ist, würde die offene Kinder- und Jugendarbeit in Leisnig gern wiederbeleben. Dafür hat er die Kosten in dem angebotenen Mietobjekt im Schützenhaus kalkuliert und die Zuschüsse beim Kreis beantragt. Der Antrag bezieht sich auf das Jahr 2021, weshalb die Zeit zu Entscheidungen drängt.

Die Kommune ist froh, wieder einen Träger für die offene Kinder- und Jugendarbeit gefunden zu haben. Seitdem sich der Spielträume-Verein davon Anfang 2018 zurückgezogen und den Schülerfreizeittreff in der Oberschule geschlossen hatte, war die Suche der Stadt Leisnig nach einem Anschlussprojekt und vor allem nach einem Träger erfolglos geblieben.

Ein Feld zum Ausprobieren

Laut Annett Voigtländer sollen Kinder ab elf Jahren Zielgruppe des neu aufzubauenden offenen Treffs sein. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, sich in allen möglichen Freizeitbereichen auszuprobieren. Das gehe bis hin zur Berufsorientierung und zur Förderung, sich eventuell in einem Jugendstadtrat für die Gemeinschaft zu engagieren.

Bedenken, dass den Kindern und Jugendlichen zu wenig Zeit für ein Mitmachen in Vereinen der Stadt bleibt, sie dort sogar austreten, versuchte die Amtsleiterin auszuräumen.

„Erfahrungsgemäß sprechen wir in der offenen Kinder- und Jugendarbeit diejenigen an, die noch nirgendwo eingebunden sind. Im Idealfall gelingt es, ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen und sie für eine Mitarbeit in der Jugendfeuerwehr oder im Sportverein zu begeistern.“

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