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Döbeln

Leisniger spenden für Wiederaufbau in Rech

Auf Wunsch der Bürger hatte die Kommune ein Spendenkonto für Flutopfer im Rheinland eingerichtet. Dort ist die Hilfe mehr als willkommen.

Diese Aufnahme stammt von diesem Juli aus Rech an der Ahr. Ähnliche Bilder kennen die Leisniger und auch die Döbelner von der Flut 2002 und 2013 in Sachsen..
Diese Aufnahme stammt von diesem Juli aus Rech an der Ahr. Ähnliche Bilder kennen die Leisniger und auch die Döbelner von der Flut 2002 und 2013 in Sachsen.. © privat

Leisnig/Rech. Die Bilder von kriegsähnlichen Verwüstungen, die sich Einheimischen und Helfern Mitte Juli an der Ahr in Rheinland-Pfalz geboten haben, sind möglicherweise verblasst. Doch vergessen sind sie längst nicht, zumal sich die Aufräumarbeiten vermutlich über Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre hinziehen werden.

Diese Erfahrungen haben einige Leisniger selbst gemacht, nachdem das Hochwasser im August 2002 großen Schaden vor allem in den Ortsteilen angerichtet hat und elf Jahre später sich die Katastrophe zu wiederholen drohte. Kein Wunder, dass auch manche Mittelsachsen am 14. und 15. Juli vor den Fernsehern saßen und meinten, ein Déjà-vu zu haben.

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Bis Mitte Juli ein idyllischer Ort

Mit solchen Bildern im Hinterkopf hatten sich mehrere Einwohner an Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) und auch den Bockelwitzer Ortschef Michael Heckel gewandt. Sie wollten, dass die Kommune ein eigenes Spendenkonto einrichtet.

Das ist daraufhin passiert. Nun gab Goth bekannt, wohin die Spenden der Leisniger fließen sollen, und zwar nach Rech. Das ist ein kleiner Ort, der zur Verbandsgemeinde Altenahr im Landkreis Ahrweiler gehört.

Gerhard Schreier, der erste Beigeordnete von Rech, zeichnet ein idyllisches Bild von seiner Heimat im Tal des Flusses Ahr. Zumindest bis zum 14. Juli dieses Jahres. Auf Fotos, die er schickt, sind die Baumblüte zu sehen, dahinter bewaldete Hänge. Rech sei ein Weinanbaugebiet, habe bisher vom Tourismus gelebt, sei aber auch stolz auf kleinere, traditionelle Handwerksbetriebe. Industrie in größerem Stil gebe es nicht.

Frühling im Ahrtal - von dieser Idylle ist seit der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli wenig übrig geblieben.
Frühling im Ahrtal - von dieser Idylle ist seit der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli wenig übrig geblieben. © privat
Die Bogenbrücke führt über die Ahr in den Ort hinein. Nicht erst einmal hatten die Anwohner bei Hochwasser Angst um dieses Bauwerk.
Die Bogenbrücke führt über die Ahr in den Ort hinein. Nicht erst einmal hatten die Anwohner bei Hochwasser Angst um dieses Bauwerk. © privat
Bei der Flut 2021 hatten sich wieder einmal Baumstämme vor den Bögen gesammelt, die zur Gefahrenabwehr aus den Fluss geholt werden mussten.
Bei der Flut 2021 hatten sich wieder einmal Baumstämme vor den Bögen gesammelt, die zur Gefahrenabwehr aus den Fluss geholt werden mussten. © privat
Der kleine Ort mit nicht einmal 600 Einwohnern ist im Juli dieses Jahres überflutet worden.
Der kleine Ort mit nicht einmal 600 Einwohnern ist im Juli dieses Jahres überflutet worden. © privat
Als das Wasser zurückging, erhielten die Anwohner einen kleinen Eindruck vom Ausmaß der Schäden.
Als das Wasser zurückging, erhielten die Anwohner einen kleinen Eindruck vom Ausmaß der Schäden. © privat
Rech ist ein familienfreundlicher Ort. Darüber freuen sich auch Touristen, die im Ahrtal gern wandern gehen oder auf andere Weise die Weinanbauregion genießen.
Rech ist ein familienfreundlicher Ort. Darüber freuen sich auch Touristen, die im Ahrtal gern wandern gehen oder auf andere Weise die Weinanbauregion genießen. © privat

Von der Idylle sei in der kleinen, rund 600 Einwohner zählenden Gemeinde – so viele Bewohner haben die beiden direkt an der Mulde gelegenen Leisniger Ortsteile Fischendorf und Tragnitz zusammen – allerdings wenig geblieben.

Die Wasser- und Geröllmassen haben vor reichlich drei Monaten allein auf einem Platz im Ort 20 Häuser weggerissen, „nicht alles Wohnhäuser, aber immerhin“, berichtet Schreier. Auch entlang der Hauptstraße seien Schäden an Gebäuden entstanden. In den meisten Fällen seien die Keller und darüber hinaus die erste Etage geflutet gewesen.

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Gemeinschaftseinrichtungen hat es aber genauso getroffen: Vom Gerätehaus der Feuerwehr sei kaum etwas übrig. Große Schäden habe ebenso das Bürgerhaus genommen. Das sei in doppeltem Sinne tragisch. Zum einen hätten darin viele Arbeitsstunden der Bürger gesteckt, und zum anderen sei dadurch ein Treffpunkt verloren gegangen.

Sorgenvoller Blick in die dunkle Jahreszeit

Zu einem Ersatz habe sich im Moment die Essensausgabe entwickelt. Doch das könne so nicht bleiben. Für die kältere Jahreszeit müsse eine Lösung gefunden werden – für einen Treffpunkt und dass möglichst viele Leute dann auch wieder daheim kochen und heizen können.

„Die dunkle Jahreszeit steht bevor. Das bereitet uns Sorgen“, sagt Gerhard Schreier. Es gebe durchaus Ängste, dass einige Betroffene nach einer Zeit unter Schock und mit viel Adrenalin bei den ersten Aufräumarbeiten in eine Art Loch fallen, wenn sie nicht aufgefangen werden, sie sich allein gelassen fühlen. Da etwas zu tun, sei genauso wichtig wie der Wiederaufbau der Infrastruktur und der Häuser.

Wenn er deren aktuelle Situation beschreiben soll, dann zeichnet Gerhard Schreier ein Bild, an das sich auch viele Leisniger und Döbelner noch erinnern können: Beschädigte Häuser sind meist bis zum Rohbauzustand zurückgebaut, der Putz ist abgeschlagen. Die Bewohner können auf Brauchwasser zurückgreifen, Trinkwasser gibt es in den Gebäuden in den meisten Fällen noch nicht.

Hochwasserschutz neu betrachten

Parallelen scheint es zwischen Ost und West auch zu geben, was den Wiederaufbau betrifft. Der Beigeordnete denkt, dass es Jahre dauern könnte, bis alle Schäden behoben sind. Jetzt von einem enthusiastischen Zupacken zu reden, hält er für übertrieben.

Aus seiner persönlichen Sicht müssten nun schnell Konzepte her, die den Hochwasserschutz neu betrachten und die schon in den anstehenden Wiederaufbau von Gebäuden einfließen. Wo kann überhaupt noch gebaut werden und wo sollte das in Zukunft unterbleiben? Das waren Fragen, die auch in den mittelsächsischen Flutgebieten zumindest hier und da eine Rolle gespielt haben.

Fest steht, dass es viel Geld kosten wird, Häuser und Gemeinschaftseinrichtungen wieder aufzubauen. Deshalb freut sich Gerhard Schreier auf die angekündigte Hilfe aus Leisnig.

Bislang sind etwas mehr als 3.000 Euro auf dem Spendenkonto der Stadt eingegangen. Weitere Spenden können in den nächsten Tagen noch auf das Konto mit den unten genannten Daten eingezahlt werden.

Spendenkonto: Stadtverwaltung Leisnig, IBAN: DE96 8605 5462 0034 9200 01 bei der Sparkasse Döbeln, Verwendungszweck: Hochwasser 2021

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