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Leisnigs Tierschützern gelingt Spagat noch

Kostendeckend kann der Verein nicht arbeiten. Ohne Spenden hätte Vorsitzende Rosi Pfumfel Angst um die Zukunft des Heims.

Kostendeckend kann der Verein nicht arbeiten. Ohne Spenden hätte Vorsitzende Rosi Pfumfel Angst um die Zukunft des Heims.
Kostendeckend kann der Verein nicht arbeiten. Ohne Spenden hätte Vorsitzende Rosi Pfumfel Angst um die Zukunft des Heims. © Dietmar Thomas

Leisnig. Im Moment sind die Mitarbeiter des Tierheimes Leisnig dabei, für Dezember eine Tierweihnacht vorzubereiten. Dass das angesichts wieder strenger werdender Corona-Auflagen schwierig wird, ist den Helfern um Rosi Pfumfel bewusst.

Die Tierweihnacht, was vielleicht erst einmal komisch klingen mag, ist für viele Tierfreunde noch einmal Anlass, Futterspenden vorbeizubringen oder auch Pakete damit zu füllen. Mancher zusätzliche Euro wird bei Aktionen wie Flohmarkt oder Kuchenbasar eingespielt oder aufs Vereinskonto überwiesen. Geld, das der Tierschutzverein für Leisnig und Umgebung braucht, um seinen Aufgaben gerecht zu werden.

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Dazu gehört nicht nur, sich um Hunde und Katzen zu kümmern, die streunend aufgegriffen oder verletzt zu den Tierschützern gebracht werden. „Zunehmend Sorgen bereiten uns exotische Tiere, die beschlagnahmt worden sind. Die meisten können wir hier gar nicht artgerecht halten. Deshalb versuchen wir, sie dort unterzubringen, wo das gewährleistet werden kann“, berichtet Rosi Pfumfel. So hätten die Leisniger zum Beispiel eine Vogelspinne an die Kollegen des Chemnitzer Tierheimes übergeben.

Gebühr langt hinten und vorn nicht

Auch Problemfälle nehmen der Chefin des Tierheimes zufolge zu. Ein Belgischer Schäferhund kam etwa ins Heim zurück, weil die Familie, die sich ihn ausgesucht hatte, zu unerfahren im Umgang mit dieser Hunderasse war. Auch ein Labradormischling sei vor Ablauf der Probezeit wieder zurückgekommen. Es habe einfach nicht harmoniert.

Die Leisniger Tierschützer schauen sich an, wo ihre bisherigen Schützlinge in Zukunft leben sollen. Erst danach werden Verträge geschrieben. Auch nach der Vermittlung gibt es Kontrollen. Wenn es Probleme gibt, fallen die spätestens beim „Hausbesuch“ der Tierschützer auf. Für zwei nicht mehr vermittelbare Hunde haben die Leisniger Pflegestellen gefunden. Das Futter für diese Tiere und die Arztkosten zahlen sie dann aus der Spendenkasse.

Die muss auch herhalten, weil die Aufwandsentschädigungen, die der Verein für Fundtiere erhält, nicht genügen. Eigentlich müssen sich die Stadt- oder Gemeindeverwaltungen selbst um Fundtiere kümmern. Weil die meisten dazu nicht in der Lage sind, geben sie die Tiere in Heimen ab. Das Leisniger verlangt für 28 Tage 70 Euro. Das deckt nicht einmal die Kosten für die Kastration. Katzen werden zum Beispiel nur kastriert oder sterilisiert wieder vermittelt, bei Jungtieren kommen noch Impfkosten hinzu, bei allen die Auslagen für Kost und Logis.

Paten haben meist ein großes Herz für Tiere

Auch die Einnahmen bei Vermittlungen wiegen das nicht auf. 80 Katzen und 16 Hunde haben die Tierheimmitarbeiter 2019 in die Hände neuer Besitzer gegeben, listete Rosi Pfumfel den Vereinsmitgliedern vor kurzem bei der Jahreshauptversammlung auf. Sechs zu junge Hunde mussten außerdem in eine Pflegestelle gegeben werden. 

Für schwer vermittelbare Tiere finden sich mitunter Paten. „Das sind meist Leute, die ein großes Herz für Tiere haben, selbst aber aus Altersgründen keine mehr halten können“, erzählt Rosi Pfumfel.

Angesichts großer finanzieller Not, in der sich viele Tierschutzvereine in Deutschland befinden, ist sie erleichtert darüber, dass der Leisniger Verein noch nicht mit einem Bein am Abgrund steht. 

Nah am Abgrund, aber noch nicht unmittelbar davor

Das könnte sich ändern, wenn die Einnahmen zurückgehen und die Zahl der Mitglieder sinkt. Im Moment ist der Tierschutzverein für Leisnig und Umgebung mit rund 420 Mitstreitern noch einer der größten Vereine in Sachsen. „Das haben wir uns in rund 30 Jahren aufgebaut“, so die langjährige Vorsitzende. 

Unendlich kann der Verein davon aber nicht profitieren. Viele Tierschützer sind ältere Semester. Die Zahl der Nachrufe in der Mitgliederzeitschrift nimmt zu. Manche hinterlassen dem Verein auch einen Teil ihres Vermögens. Nur so und durch Spenden sei es möglich, die jährlich nötigen 100.000 Euro für den Betrieb des Tierheimes aufzubringen. Nicht einmal zehn Prozent davon kommen über Mitgliedsbeiträge zusammen.

Davon hat der Verein auch immer mal wieder investiert. Im Vorjahr bekam er für einen symbolischen Preis ein altes Gebäude am Heimtor. Nach einer Putzaktion kann es als Lager genutzt werden. Auch eine Quarantänestation für Katzen befindet sich dort.

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