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Döbeln

Leisnigerin sucht ihren Bruder

Brigitte Stolle kennt zwei ihrer Geschwister nicht. Alle Versuche sie zu finden, sind bisher fehlgeschlagen.

Brigitte Stolle aus Leisnig ist auf der Suche nach ihrem Halbbruder.
Brigitte Stolle aus Leisnig ist auf der Suche nach ihrem Halbbruder. © Dietmar Thomas

Leisnig. Die Familie von Brigitte Stolle wird kleiner. Ihr Mann und die Schwester sind bereits verstorben. Aber die 80-Jährige ist sich sicher, da gibt es noch jemanden.

„Meine Oma hat mir erzählt, dass ich zwei Halbbrüder habe“, sagt die Leisnigerin. Einer soll bereits kurz nach der Geburt gestorben sein. „Der andere müsste mindestens zehn Jahre jünger sein als ich“, schätzt Brigitte Stolle. Mehr weiß sie nicht. Die Oma habe immer abgewunken, wenn Brigitte Stolle nach den beiden Jungs gefragt hat.

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Lippmann müsste der Halbbruder mit dem Familiennamen heißen, so wie die Leisnigerin früher. In Dittmannsdorf ist sie mit ihrer Schwester aufgewachsen. Irgendwann habe sich der Vater von ihrer Mutter getrennt. „Ich sollte bei meinem Vater bleiben. Aber das wollte ich nicht. Ich habe mich mit seiner neuen Frau nicht verstanden“, erzählt die Seniorin.

 In der neuen Familie ihres Vaters sollen ihre beiden Halbbrüder zur Welt gekommen sein. Die Oma, die davon erzählte, war die Mutter des Vaters. Zu ihr habe sie weiterhin einen guten Kontakt gehabt, ihren Vater jedoch nie wiedergesehen.

Zufall führt zu Cousin

Viele Jahre war ihr das auch nicht ganz so wichtig. In Aue lernte sie den Beruf der Feinstrumpffacharbeiterin. Ihren Mann traf sie zum ersten Mal im Kino. „Er saß hinter mir und hat mich angesprochen“, sagt sie schmunzelnd. Die Sympathie stimmte und 1962 haben die beiden geheiratet. So verschlug es die junge Frau in die Leisniger Region.

Sie arbeitete in der Küche des Volksgutes Motterwitz und später in der Ausgabe des Lagers von Elmo in Hartha. „Nachdem unser Sohn geboren war, bin ich für zehn Jahre Zuhause geblieben.“ Danach führte sie ihr Arbeitsweg täglich auf die Post in Leisnig. Vier Monate fehlten noch zum 20-Jährigen, als sie dort entlassen wurde.

Seit einigen Jahren ist der Wunsch von Brigitte Stolle nach dem Kontakt zu ihren Verwandten wieder stärker geworden. Und ein Zufall half ihr, den ersten zu finden. Ihr pflegebedürftiger Sohn wird bei notwendigen Fahrten von der Caritas unterstützt. Bei einer solchen Fahrt nach Burkhardtsdorf sah die 80-Jährige das Ortsschild von Jahnsdorf. Da erinnerte sie sich, dass dort einmal Cousins gelebt haben, die sie in ihrer Jugend auch öfter besucht hat.

Von ihrem Vater, der auch der Vater ihres Halbbruders ist, besitzt Brigitte Stolle nur ein sehr altes Bild. Er hieß Wolfgang Lippmann.
Von ihrem Vater, der auch der Vater ihres Halbbruders ist, besitzt Brigitte Stolle nur ein sehr altes Bild. Er hieß Wolfgang Lippmann. © Dietmar Thomas

Wiedersehen nach 70 Jahren

„Der Fahrer hat spontan einen Abstecher nach Jahnsdorf gemacht“, erzählt Brigitte Stolle. Im Ort hätten sie sich durchgefragt und tatsächlich die Adresse eines Cousins gefunden. Da dieser nicht Zuhause war, hinterließ die Leisnigerin eine Nachricht mit ihrer Telefonnummer. „Eine Woche später hat er mich angerufen.“ Nach 70 Jahren haben sich die beiden im November vergangenen Jahres zum ersten Mal wiedergesehen.

Bei diesem Treffen erfuhr sie, dass ein weiterer Cousin inzwischen in Kanada wohnt und ein dritter ebenfalls schon verstorben ist. Corona verhinderte bisher ein zweites Wiedersehen.

Aber auch der Cousin habe ihr bestätigt, dass sie einen Halbbruder hat, der in Chemnitz leben soll. Er habe sogar die Straße gewusst. „Ich habe dort an jeder Tür jedes Namensschild gelesen. Aber Lippmann war nicht dabei“, erzählt Brigitte Stolle. Über weitläufige Verwandte und die Auskunft habe sie weiter geforscht. Aber ohne Erfolg.

Weiß der Bruder von seinen Schwestern?

Aufgeben ist jedoch keine Option. „Ich möchte gern wissen, wie unser Vater und der Bruder gelebt haben und ob er überhaupt etwas von uns Schwestern weiß“, so Brigitte Stolle. Sollte sie ihren Halbbruder finden, würde sie auch gern mit ihm in Kontakt bleiben.

Von ihrem Vater Wolfgang Lippmann weiß sie nur sehr wenig und sie besitzt auch nur ein einziges altes Foto. Er wurde im September 1915 geboren und lebte in jungen Jahren in Lugau. Seine Mutter, also die Oma, hieß Elsa Camilla Lippmann und war eine geborene Schmatz.

Hinweise oder einen Kontakt zum Halbbruder von Brigitte Stolle nimmt der Döbelner Anzeiger unter Tel. 03431 719425 oder per E-Mail unter [email protected]ächsische.de entgegen und leitet sie an die Leisnigerin weiter.

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