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Löschwasser-Deal mit den Landwirten

Nach dem Gebäudebrand bei Leisnig hat die Wehrleitung nochmals Kontakt zu den Bauern aufgenommen. Selbst Tanks zu kaufen, soll nicht die Lösung sein.

Bei einem Gebäudebrand im Leisniger Ortsteil Kalthausen musste das Löschwasser auch mit Wasserwagen der Landwirte zum Unglücksort transportiert werden.
Bei einem Gebäudebrand im Leisniger Ortsteil Kalthausen musste das Löschwasser auch mit Wasserwagen der Landwirte zum Unglücksort transportiert werden. © Dietmar Thomas

Leisnig. Trocken liegende Löschteiche und Bäche, die nicht nur im Sommer kaum noch Wasser führen – mit dieser schwierigen Löschwassersituation müssen auch die Leisniger Feuerwehrleute zurechtkommen. Ein Gebäudebrand im Ortsteil Kalthausen hat im Frühherbst 2020 gezeigt, wie aufwendig es ist, ausreichend Löschwasser an einen Brandherd zu bringen. Und dieser Einsatz hat deutlich gemacht, dass die bisherige Vorsorge nicht ausreicht.

Das führt Leisnigs Wehrleiter Bernd Starke auf den Klimawandel zurück. Auch der habe seinen Anteil an der Löschwassersituation, wie sie gegenwärtig ist. „Zwar haben wir in der Vergangenheit für Leisnig zwei mobile Staustufen angeschafft. Doch die nützen uns nichts, wenn kein Wasser in den Bächen ist“, so Bernd Starke.

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Er hat im Nachgang des Einsatzes in Kalthausen Kontakt zu den umliegenden Landwirten aufgenommen. Die Polkenberger brachten mit einem alten Güllewagen in der Brandnacht Wasser nach Kalthausen und unterstützten auf diese Weise den Löscheinsatz. Genauso könnte auch die künftige Lösung aussehen.

Mit dem Traktor zum Löscheinsatz?

„Es gibt noch drei aus DDR-Zeiten stammende Wagen bei der Polkenberger Agrargenossenschaft und dem Landschaftsbetrieb Kölz in Brösen/Tautendorf“, konkretisiert Bernd Starke das Ergebnis seiner Recherche. Die Wagen mit einem Inhalt von 8.000 und 10.000 Liter haben die Landwirte einen Teil des Jahres selbst noch im Einsatz. Im Brandfall könne die Kommune darauf zurückgreifen“, so der Wehrleiter.

Er hält wenig davon, dass die Stadt selbst solch einen Wagen anschafft. Das hatte Bürgermeister Tobias Goth (CDU) in einer Ausschusssitzung kurz nach dem Brand in Aussicht gestellt. Zu der hatten Anwohner aus Kalthausen nachgefragt, wie die Kommune künftig die Löschwasserversorgung in ihrem Ortsteil sichern will.

Mit einem eigenen Wasserwagen zu planen, würde voraussetzen, dass die Stadtverwaltung auch ein Zugfahrzeug dafür – beispielsweise einen Traktor – bereitstellt. „Diese Technik haben weder wir als Feuerwehr noch der Bauhof“, so Bernd Starke.

Einen kniffligen Einsatz hatte die Leisniger Feuerwehrleute im Hochsommer auf einem ehemaligen Fabrikgelände. Dort waren Gase ausgetreten. Aber welche, und wie gefährlich sind die? Diese Fragen standen lange unbeantwortet im Raum.
Einen kniffligen Einsatz hatte die Leisniger Feuerwehrleute im Hochsommer auf einem ehemaligen Fabrikgelände. Dort waren Gase ausgetreten. Aber welche, und wie gefährlich sind die? Diese Fragen standen lange unbeantwortet im Raum. © Lars Halbauer

Er setzt im Gegensatz dazu auf ein mobiles Wasserreservoire, das eine Zisterne ersetzen soll, aber kostengünstiger ist. Die Gemeinde Ostrau und der Wasserversorger Veolia wollen dazu ein Pilotprojekt starten. „Das wäre etwas, das ich mir auch als Lösung für unsere Ortsteile vorstellen könnte, in denen die Löschwasserversorgung unzureichend ist“, sagt der Wehreiter.

Der Brand in Kalthausen ist einer von 14, bei denen die Leisniger Feuerwehrleute im zurückliegenden Jahr zum Einsatz gekommen sind. 47 Mal rückten sie zu technischen Hilfeleistungen aus. „Der Gefahrguteinsatz an der Weststraße war schon etwas Besonderes“, schätzt der Feuerwehrchef genau wie die damaligen Einsatzleiter ein. Eine Auswertung dieses Einsatzes steht immer noch aus. Bürgermeister Goth hatte dies mit Corona und der Beschränkung der Personenzahl, die zusammenkommen darf, erklärt.

Zunehmend Unwetterhilfe gefragt

„Was zugenommen hat, sind die Hilfeleistungen nach starkem Wind und Sturm“, so Bernd Starke. 13 Mal waren die Feuerwehrleute gefragt, um wie auf der Straße nach Paudritzsch/Klosterbuch herabgestürzte Äste und Bäume von der Straße zu räumen.

Fünfmal leisteten die Ehrenamtlichen eine Tragehilfe für den Rettungsdienst. Genauso oft sollten sie Türen öffnen. Sowohl Traghilfe als auch Türöffnungen sieht Leisnigs Feuerwehrchef nicht als Sache der Feuerwehr, sofern es sich nicht wirklich um Notfälle handelt. Für die Türöffnungen gebe es Schlüsseldienste. „Und wenn die Polizei vor Ort ist, dann sehe ich es als deren Aufgabe an, Türen zu öffnen. Dazu müssen nicht Ehrenamtliche angefordert werden“, findet Starke.

Für 2020 hat er insgesamt 68 Einsätze notiert, dabei sind 2.150 Stunden zusammengekommen. Stark zurückgegangen ist die Zahl der Stunden für Aus- und Weiterbildung. Das hängt mit den Corona-Einschränkungen zusammen. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Zwei Abteilungen aufgelöst - weniger Einsatzkräfte

Zur Bilanz 2020 gehört auch, dass die Gesamtwehr von Leisnig zwei Abteilungen und damit auch fünf aktive Kameraden verloren hat. Bereits im Frühjahr löste sich die Abteilung Meinitz auf, wobei die meister der dort aktiven Feuerwehrleute schon länger in Leisnig ihren Dienst tun.

Etwas anders sieht es in Minkwitz aus. Dort war im September der letzte Dienst. Danach haben fünf Feuerwehrleute ihre Einsatzkleidung zurückgegeben. Das bedauert Bernd Starke. Er kann jetzt noch auf 116 aktive Feuerwehrmänner und -frauen zählen.

Tolle Ergebnisse bei der Jugendarbeit

Richtig stolz ist der Gemeindewehrleiter auf die Entwicklung, die die Jugendwehr genommen hat. Seit zwei Jahren kümmert sich Tina Taube mit Unterstützung von Chris Kalbitz und Andreas Clauss um den Nachwuchs. „Unter Corona-Bedingungen ist es besonders schwierig, die Truppe zusammenzuhalten“, bescheinigt der Feuerwehrchef.

Tina Taube steht mit den jungen Brandschützern unter anderem per Whats-App in Kontakt. Sobald die Corona-Regelungen es erlauben, soll es wieder Dienste für die Jugendfeuerwehr geben. Mit den Grundzügen der Feuerwehr machen sich aktuell 24 Kinder und Jugendliche vertraut.

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