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Mäuseplage auf Döbelns Feldern

Die Tiere fressen die neuen Rapspflanzen auf den Döbelner Feldern weg. Gegen die Nager sind die Landwirte machtlos, zumindest fast.

Die derzeitige Mäuseplage in den Griff zu bekommen, ist nach Einschätzung des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eine große Herausforderung für Landwirte.
Die derzeitige Mäuseplage in den Griff zu bekommen, ist nach Einschätzung des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eine große Herausforderung für Landwirte. © dpa

Region Döbeln. Eckhard Löffler aus dem Leisniger Ortsteil Nicollschwitz ist Landwirt mit Leidenschaft. Obwohl er inzwischen im Ruhestand ist, macht er als Stadt- und Ortschaftsrat immer wieder auf Probleme aufmerksam, von denen „Städter“ möglicherweise nichts wissen. Im Moment ist es eine Mäuseplage. Der könne auch mit einer anderen Art der Pflege von Straßengräben begegnet werden, so Löffler.

„So viele Mäuse wie im Moment habe ich mein Lebtag noch nicht zu Gesicht bekommen“, sagt der Nicollschwitzer. Die aktuellen Erhebungen zum Feldmausbefall in Sachsen geben dem Landwirt a. D. Recht. Diese hat das Referat Pflanzenschutz des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie durchgeführt.

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„Der Befall ist auf den Flächen etwa auf demselben hohen Niveau wie im Frühjahr/Sommer 2015, dem Höhepunkt der letzten zeitlich begrenzten Massenvermehrung“, teilt die Sprecherin des Landesamtes Karin Bernhardt auf Anfrage mit. Nach Meinung der Fachleute könne durchaus von einer Plage gesprochen werden.

„Von den Feldmäusen geht eine ernstzunehmende Gefährdung für die bestehenden Kulturen und für die Neuansaaten aus“, erklärt Karin Bernhardt, weshalb Landwirte die Nager nicht gern auf den Äckern sehen – zumal sie auch nur eingeschränkt Möglichkeiten haben, gegen die Mäuse vorzugehen. 

„Vor einer chemischen Bekämpfung sollten grundsätzlich alle Möglichkeiten einer mechanischen und biologischen Bekämpfung genutzt werden“, so die Pressesprecherin des Landesamtes.

Sitzstangen für Greifvögel sinnvoll?

Eine Möglichkeit sei zum Beispiel, den Boden tiefer zu bearbeiten, um Nester und angelegte Vorratskammern zu zerstören. Eine andere, Sitzstangen für Greifvögel aufzustellen. Die Greifvögel allerdings könnten nicht jagen, wenn am Straßenrand und in den Gräben das Gras zu hoch steht, weiß Eckhard Löffler.

„Deshalb wäre es wichtig, dass die Bauhöfe der Kommunen und die Straßenmeistereien ihre Pflegepläne anpassen“, so Löffler. Vor allem, wenn die Äcker noch bestellt sind, seien von den Greifvögeln bejagbare Flächen am Feld- und Straßenrand von Bedeutung.

Leisnigs Bauamtsleiter will versuchen, diesen Hinweis zu berücksichtigen. Schwierig. Denn gerade Vertreter von Umweltverbänden und -gruppen hatten in der Vergangenheit mehrfach gefordert, Flächen auch mal unberührt zu lassen und nur dort zu mähen, wo die Sicht für Verkehrsteilnehmer eingeschränkt wird.

An Straßenrändern und in -gräben, in denen das Gras zu hoch steht, können Greifvögel nicht jagen. Das befördert die Mäusepopulation. Auch das müsste bei der Pflege Beachtung finden.
An Straßenrändern und in -gräben, in denen das Gras zu hoch steht, können Greifvögel nicht jagen. Das befördert die Mäusepopulation. Auch das müsste bei der Pflege Beachtung finden. © Dietmar Thomas

Chemiekeule nur im Ausnahmefall

Hat die Vorsorge nichts gebracht oder ist sie versäumt worden, kann der Landwirt eine chemische Behandlung erwägen. „Voraussetzung dafür ist allerdings eine Erhebung auf den Flächen. Zudem muss geprüft werden, ob der sogenannte Bekämpfungsrichtwert überschritten wurde“, erklärt Karin Bernhardt. Je nach Ackerkultur variiere der Wert zwischen fünf und elf Mauselöchern pro 250 Quadratmeter.

Um die Feldmausaktivität zu ermitteln, empfiehlt das Landesamt Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eine Feldmausdichtebestimmung nach der Lochtretmethode. 

„Dazu werden auf einer Parzelle von etwa 16 mal 16 Metern die vorhandenen Löcher zugetreten und nach 24 Stunden die wieder geöffneten Löcher ausgezählt“, veranschaulicht die Pressesprecherin.

Zur chemischen Bekämpfung stünden nur Präparate mit dem Wirkstoff Zinkphosphid zur Verfügung. Außerdem weist Karin Bernhardt darauf hin, dass für das Ausbringen von Rodentiziden – also von Mitteln zur Bekämpfung von Nagetieren, wie zum Beispiel der Feldmaus – verschärfte Anwendungsbestimmungen gelten. Zum einen zum Schutz des Naturhaushalts und zum anderen auch zum Schutz des Anwenders.

„Rodentizide dürfen auf keinen Fall großflächig ausgebracht werden und sollten für Vögel unerreichbar sein. Eine verdeckte Ausbringung mit einer Legeflinte ist zwingend vorgeschrieben“, so die Behördensprecherin. Mit der Legeflinte können die Fraßköder, die Rodentiziden, direkt in die Löcher gegeben werden.

Landwirte hoffen auf Seuche

Auf diese Möglichkeiten greifen die Landwirte in der Region aber kaum zurück. Sie sehen sich den Nagern eher machtlos ausgeliefert. „Um sie zu vergiften, benötigen wir eine Ausnahmegenehmigung. Doch diese ist nicht erteilt worden“, sagt Mario Wehner, Leiter Ackerbau bei der Gröbner Landwirtschaft. Eine solche Mäuseplage, wie derzeit, habe er in den vergangenen zehn Jahren noch nicht erlebt.

Zurzeit machen die possierlichen Tierchen sich vor allem über die neu ausgebrachten Rapspflanzen her. Diese recken jetzt ihre ersten zarten Blätter in die Luft. Und sie sind angesichts der Trockenheit ein wahrer Genuss für die Nager. 

„Die Mäuse finden ja jetzt kaum noch etwas anderes“, sagt Wehner. Und mit dem Grün des Raps nehmen sie auch Flüssigkeit auf, die in der Natur fehlt. Den Raps nachsäen, das sei keine Option. Denn bis 10. September müssten die Samen in der Erde sein.

Die meisten Nager würden sich von den Straßenrändern und -gräben aus auf den Feldern ausbreiten, sagt auch Wehner. Doch selbst ein häufiges Mähen würde die Mäuse nicht vertreiben. 

„Die Straßengräben werden ja nicht gegrubbert“, meint Wehner. Die Mäuselöcher bleiben. Die Landwirte könnten nun nur hoffen: auf eine Mäuseseuche, auf einen strengen Winter mit gefrorenen Böden und viel Niederschlag. „Aber das sind Ereignisse, die sind sehr unwahrscheinlich“, meint Wehner.

Bodenbearbeitung hilft nicht überall

Ralf Bergmann von der Genossenschaft Agrarland eG Lüttewitz versucht den Nagern, mit einer intensiven Bodenbearbeitung nachzukommen. „Wir hoffen, dass wir damit das ein oder andere Nest zerstört haben.“ Doch das gehe nur, wenn neu ausgesät werde. „Bei Dauerkulturen wie Luzerne oder Ackergras kann man nicht viel machen“, so der Vorstand.

Die Auswirkungen der Plage sind auf den Feldern in Form von kreisrunden, ausgefressenen Flächen zu sehen. „Das macht sich schon im Ertrag bemerkbar“, sagt Bergmann. Auch er spricht von einer Population, die deutlich größer ist als in den Vorjahren.

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