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Missverständnis überschattet Gespräch zur Geburtsklinik

Helios hat Politikern erklärt, wie das Netzwerk Geburtshilfe aussieht. Doch Leisnigs Bürgermeister sagt klar: „Wir erwarten mehr als schöne Worte.“

Vor und nach der Geburt sollen Schwangere in Leisnig wie bisher betreut werden, zur Entbindung geht es nach Schkeuditz. Diese Konzernentscheidung stoßt auf Widerstand.
Vor und nach der Geburt sollen Schwangere in Leisnig wie bisher betreut werden, zur Entbindung geht es nach Schkeuditz. Diese Konzernentscheidung stoßt auf Widerstand. © Symbolfoto: Helios

Leisnig/Region Döbeln. Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU) ist irritiert. „Wir hatten am Donnerstag ein ausführliches Gespräch mit dem zuständigen Bevollmächtigten des Helios-Konzerns und sind so auseinandergegangen, dass wir uns kurzfristig in Leisnig treffen und Lösungsmöglichkeiten für den Erhalt der Geburtenstation suchen wollen“, erklärt der Landrat.

„Das heißt, wir möchten gemeinsam Wege finden. Die Aussage, dass wir einen Konsens erreicht und Verständnis gezeigt haben, entspricht nicht dem Inhalt dieses Gesprächs“, sagt Damm. „Ich bin überrascht von dieser Aussage in der Helios-Pressemitteilung, weil sie nicht das Gesprächsergebnis widerspiegelt."

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Matthias Damm (CDU) ist Landrat des Landkreises Mittelsachsen und war am Donnerstag einer von 14 Politikern, die an der Videokonferenz mit Helios teilgenommen haben.
Matthias Damm (CDU) ist Landrat des Landkreises Mittelsachsen und war am Donnerstag einer von 14 Politikern, die an der Videokonferenz mit Helios teilgenommen haben. © André Braun/Döbelner Anzeiger

Der Landrat weiter: "Ich bin enttäuscht über diese Entwicklung. Natürlich ist es schwierig, geeignetes Personal zu finden. Das ist uns bewusst. Daher war es der Wille der Region, für die Region Lösungen zu entwickeln. Wir setzen noch immer auf das kurzfristig geplante Gespräch zur Erörterung von weiteren Optionen und Lösungsvarianten.“

Letztere fordert auch Leisnigs Rathauschef Tobias Goth (CDU): „Hier geht es um die Versorgung der Bevölkerung. Wir erwarten vom Helios-Konzern Lösungen und nicht schöne Worte“, teilte Goth am Freitagmittag in einer Presseerklärung mit.

Nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft

„Nach der Schließung der Geburtshilfe in Rochlitz und Oschatz ist die Möglichkeit zur Entbindung in unserer Region unverzichtbar“, findet der Bürgermeister. Einhellige Meinung der politisch Verantwortlichen ist Goth zufolge, dass sich das Leisniger Krankenhaus auch mit Investitionen des Freistaates unter Führung von Helios fachlich und baulich sehr gut entwickelt hat.

„Der Personalmangel trifft ländlich gelegene Häuser sicher besonders. Aber es sind bisher nicht alle Möglichkeiten der Personalgewinnung für Frauen- und Kinderärzte ausgeschöpft worden“, behauptet der Bürgermeister. „Der sehr schnelle Wechsel des Fachpersonals am Krankenhaus ist ein Teil des Problems“, meint der Leisniger Rathauschef.

Ist das der Anfang vom Ende?

Nach seinen Darstellungen gebe es die Befürchtung, dass die Schließung der Geburtshilfeabteilung der Anfang vom Ende sein könnte. Dann „ist zu befürchten, dass auch die Kinderklinik und die gesamte Gynäkologie mittelfristig in Gefahr geraten“, so der Bürgermeister. Das dürfe aus seiner Sicht nicht passieren: „Die Geburtshilfe in Leisnig ist mit öffentlichem Versorgungsauftrag im Krankenhausplan Sachsen verankert.“

Diesem Auftrag will Helios künftig mit einer Kooperation der Kliniken Leisnig und Schkeuditz gerecht werden: „Unser Netzwerk zwischen Leisnig und Schkeuditz lebt“, so Prof. Sebastian Heumüller, Regionalgeschäftsführer der Helios Region Ost. „Dies schließt die Verlagerung des stationären geburtshilflichen Angebots nach Schkeuditz ein. In Leisnig wird es zukünftig ein bereites Serviceangebot zur Vor- und Nachbetreuung Schwangerer geben, jedoch keine Entbindungen mehr.“

Prof. Sebastian Heumüller ist der Regionalgeschäftsführer der Helios Region Ost. Er hat den Kommunalpolitikern die Hintergründe der Schließung der Geburtsklinik in Leisnig erklärt.
Prof. Sebastian Heumüller ist der Regionalgeschäftsführer der Helios Region Ost. Er hat den Kommunalpolitikern die Hintergründe der Schließung der Geburtsklinik in Leisnig erklärt. © Helios

Bereits seit einiger Zeit kooperiert die Helios Leisnig mit der Geburtshilfe in Schkeuditz. „Wir wissen um die Umstände der Verlagerung der Geburtsmedizin und tun unser Bestes, nach wie vor umfassend für Schwangere da zu sein. Daher freue ich mich, dass wir mit der Helios Klinik Schkeuditz einen verlässlichen Partner an der Seite haben und das Helios Netzwerk Geburtshilfe nutzen können“, so Dr. René Schwarz, Ärztlicher Direktor der Helios-Klinik Leisnig.

"In diesem Netzwerk setzen wir auf ein Angebot, das eine sichere Entbindung in Schkeuditz ermöglicht“, so der Regionalgeschäftsführer. Dies habe man im Gespräch mit den Kommunalpolitikern deutlich machen können. Nach dieser Runde waren die Klinikvertreter zu dem Schluss gekommen: „Die Beratungen verliefen offen und konstruktiv. Bei allem Bedauern für die Situation haben wir auch Verständnis für die Entscheidung erhalten.“

Dem widersprechen Landrat und Bürgermeister. „Eine Entbindung in Schkeuditz ist für die Region Mittelsachsen keine Lösung“, so Goth.

Oder geht es doch nur um Profit?

Elgine Tur de la Cruz, Abgeordnete der Fraktion Die Linke/Bündnis Grüne im Stadtrat Leisnig, mischt sich jetzt auch in die Debatte ein. Tur de la Cruz, selbst Allgemeinmedizinerin mit eigener Praxis in Leisnig, sagt dazu: „Der Fachkräftemangel, wie von der Klinik als einer der Gründe für die Schließung benannt, wirkt vorgeschoben. Engagement, personell oder finanzieller Natur in Hebammenausbildungen wurden und werden seit langem versäumt“, behauptet die Stadträtin.

Ihre Befürchtungen gehen dahin, dass die tatsächlichen Gründe für die Schließung doch eher finanzieller Art waren: „Laut Gynäkologen in ärztlichen Fachzeitschriften lässt sich die Rentabilität bei weniger als 1.200 Geburten jährlich auf einer Entbindungsstation nach wirtschaftlichen Parametern in Frage stellen. Wie so oft in unserer Gesellschaft steht also auch hier die Profitabilität im Vordergrund“, bedauert Elgine Tur de la Cruz.

Für die Ärztin stehe fest, dass eine Geburtsklinik in Leisnig notwendig ist. Um die 450 Kinder sind hier zuletzt jedes Jahr zur Welt gekommen.

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