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Mit "Alter" wird Döbelner Museum digital

Die neue Ausstellung sollte eigentlich am Sonntag eröffnet werden. Daraus wird nichts. Aber es gibt Alternativen.

Sophie Stephan (links) und Laura Gutschow zeigen in der Ausstellung „Alter!?“ zwei technische Geräte von anno dunnemals, mit denen manche junge Menschen heute nichts mehr anfangen können. Aber von den Älteren könnten sie lernen, wie man mit einer
Sophie Stephan (links) und Laura Gutschow zeigen in der Ausstellung „Alter!?“ zwei technische Geräte von anno dunnemals, mit denen manche junge Menschen heute nichts mehr anfangen können. Aber von den Älteren könnten sie lernen, wie man mit einer © Dietmar Thomas

Döbeln. Kathrin Fuchs vom Stadtmuseum ist ziemlich frustriert. Viel Arbeit steckt in der ersten Ausstellung des ohnehin eingeschränkten Museumsjahres, die am Sonntag eröffnet werden sollte. Und jetzt wirft die Verschärfung der Corona-Maßnahmen wieder alles über den Haufen. Dabei ist die Ausstellung „Alter!?“ darauf ausgelegt, dass Menschen oft ins Museum kommen. Sie ist eine „Mitmachausstellung“ für ältere und junge Leute. „Dazu sollten sich viele Menschen hier treffen. Frauen aus dem Nähcafé sollten zeigen, wie man früher Sachen geflickt hat. Und Frauen des Kreativtreffs sollten Handarbeitstechniken vorstellen“, sagte Kathrin Fuchs.

Ältere bringen Jüngeren etwas bei

Mitmachausstellung heißt auch, dass die älteren den jüngeren Besuchern etwas beibringen. Die alte mechanische Schreibmaschine steht nicht nur zum Anschauen, sondern zum Tippen von Texten in der Ausstellung. Ein DDR-Kassettenrekorder war vor 40 Jahren modern. Heute wissen viele jungen Leute gar nicht mehr, wie man ihn bedient.

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Ideen und Konzept für die Ausstellung stammen von der Medienkünstlerin Sophie Stephan und von Laura Gutschow von der Caritas. Die beiden zeigen auch die Ergebnisse von Workshops, die sie mit Senioren durchgeführt haben. Bei der WG Fortschritt hatten jeweils ein Kind und ein älterer Mensch zusammen kleine Heftchen gestaltet, in denen sie Geschichten erzählen.

Filme online ansehen

Die Senioren hatten bei dieser Gelegenheit gleich einen Einführungskurs zum Umgang mit dem Tablet erhalten. Der war für Mai eigentlich auch in der Ausstellung geplant. Im Seniorenhaus Am Südhang in Technitz hatten die beiden mit dementen Menschen gearbeitet.

Bis 9. Mai ist das Museum erst einmal dicht. Um die Ausstellung zu retten, will die Einrichtung neue Wege gehen. Die Besucher werden über digitale Angebote eingebunden. Zwei Filme zu Thema Leben im Alter, deren Vorführung geplant war, können Interessierte am Rechner sehen. Auch die anschließenden Gespräche mit den Autorinnen Leonie Kock und Alina Cyranek werden online übertragen.

Treibhaus unterstützt mit Technik

Das ist fürs Museum absolutes Neuland, wie Kathrin Fuchs sagte. „Der Verein Treibhaus unterstützt uns technisch. Die haben viel Erfahrungen und waren bereit, uns zu helfen.“ Welche der Veranstaltungen online übertragen werden, soll tagesaktuell auf der Homepage der Stadt veröffentlicht werden. „Wir hoffen aber, dass im Ausstellungszeitraum wieder ein Besuch möglich ist“, sagte Kathrin Fuchs. Geplant ist „Alter!?“ eigentlich bis Ende Mai, aber eine Verlängerung ist wahrscheinlich.

In der kleinen Galerie und im Museum ist in diesem Jahr noch nichts gelaufen. Eine Schau der Döbelner Künstlerin Olga Scheck sollte eigentlich die erste des Jahres sein – sie ist nach hinten verschoben worden. Andere Ausstellungen sind verkleinert worden, um sie parallel in der Kleinen Galerie und im Stadtmuseum zeigen zu können. „Das ist die einzige Möglichkeit, um diese Ausstellungen, die teilweise schon um ein Jahr verschoben sind, überhaupt stattfinden zu lassen“, sagte Kathrin Fuchs.

Zeit für Digitalisierung

Sie sieht in der Situation aber auch eine Chance. „Wir waren bisher digital wenig wahrzunehmen. Vielleicht ist es der richtige Zeitpunkt, in diese Richtung etwas zu tun. Auch wenn das sehr anstrengend ist. Unsere Besuchergruppe ist auch eher analog unterwegs und muss sich digital einrichten.“

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