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Mit der Kittelschürze fing alles an

Die Geschichte der Textilfirma Max Schade ist ab Sonntag im Waldheimer Museum zu sehen. Die Schau eignet sich nicht nur für Modebewusste.

Patricia Hölzel vom Stadt- und Museumshaus steht im neuen Ausstellungsraum, in dem ab Sonntag die Schau zur Firma Max Schade zu sehen ist.
Patricia Hölzel vom Stadt- und Museumshaus steht im neuen Ausstellungsraum, in dem ab Sonntag die Schau zur Firma Max Schade zu sehen ist. © Dietmar Thomas

Waldheim. Vier Schaufensterpuppen stehen aufgereiht auf der rechten Seite des Raumes. Eine trägt einen Hosenanzug aus synthetischer Seide. Das Kleidungsstück wurde speziell für die Jugendweihe hergestellt – ungefähr 40 Jahre ist das her.

Auch die anderen Puppen sind hübsch herausstaffiert. Alle tragen sie Kleider, die in der ehemaligen Fabrik für Damen- und Mädchenoberbekleidung in Waldheim hergestellt worden sind.

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Mit der Ausstellung „Mode im Wandel der Zeit“ eröffnet das Team des Stadt- und Museumshauses am Waldheimer Niedermarkt auch einen neuen Raum. Der soll künftig für Sonderausstellungen aller Art genutzt werden.

Firma hätte dieses Jahr 75. Geburtstag

Weil die Firma Max Schade in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden wäre, bot sich die Modeausstellung als erste Schau an. Aufgebaut haben sie die Mitarbeiter des Museumshauses mithilfe der ehemaligen Mitarbeiterin Maria Bernhardt. Sie hatte 1955 in dem Waldheimer Betrieb ihre Lehre als Bekleidungsfacharbeiter begonnen und bis zuletzt dort gearbeitet.

 „Frau Bernhardt hatte nicht nur die Idee für die Ausstellung, sondern hat uns auch zahlreiche Utensilien zur Verfügung gestellt“, sagt Museums-Mitarbeiterin Patricia Hölzel. Stoffproben beispielsweise, die hübsch drapiert in einem Körbchen liegen. Auf alten Fotos finden die Besucher mitunter dazu auch die Kleidungsstücke, zu denen der Stoff verarbeitet worden ist.

Die Produkte der Firma Max Schade konnten sich schon zu DDR-Zeiten durchaus sehen lassen. Regelmäßig waren die Modelle auf der Leipziger Messe vertreten. Das älteste Stück, das es bis dahin geschafft hat, stammt aus dem Jahr 1950 und wurde auf der Frühjahrsmesse präsentiert.

Vier Schaufensterpuppen tragen Kleidungsstücke, die in der Firma Max Schade in Waldheim hergestellt worden sind.
Vier Schaufensterpuppen tragen Kleidungsstücke, die in der Firma Max Schade in Waldheim hergestellt worden sind. © Dietmar Thomas

Auf einem Bildschirm läuft nebenher eine Fotoshow. Sie zeigt Bilder von einer Modenschau, die regelmäßig auf dem Eichberg gezeigt wurde. „Die Models waren die Mitarbeiterinnen der Firma selbst“, so Patricia Hölzel. 

Neben dem Bildschirm steht ein alter Radioapparat. Auch eine altertümliche Nähmaschine, Kleiderständer und ein historischer Kleiderschrank sind zu sehen. „Die Materialien haben wir aus unserem Fundus. Wir können sie hier sehr gut gebrauchen“, so Patricia Hölzel.

Nachfrage nach modischer Kleidung wuchs

Angefangen hatte die Firma Max Schade mit einer Kleider- und Schürzenfabrik im privaten Einfamilienhaus an der heutigen Luise-Romstedt-Straße. „Schürzen wurden damals einfach gebraucht“, so Patricia Hölzel. Doch es dauerte nicht lange, bis die Damenwelt auch wieder Wert auf modische Oberbekleidung legte, so dass die Produktion stetig wuchs.

Mehrmals zog die Firma um. Die meiste Zeit verbrachten die Näherinnen nebst Verwaltung und Firmenleitung in den Häusern Bahnhofstraße 43/45. Dort wurde 1955 das zehnjährige Bestehen des Betriebes gefeiert. 

Nachdem er 1959 zu einer Kommanditgesellschaft wurde, kam 1972 die Umwandlung in Volkseigentum. Max Schade ging in den Ruhestand und das Unternehmen firmierte von da an unter dem Namen VEB Junge Mode Waldheim.

Bald Ausstellung zum Thema Euthanasie

Neun Jahre später wurde der Waldheimer Betrieb dem VEB Jugendmode Roßwein angegliedert und lief so noch etwa zehn Jahre. Im Februar 1991 wurde die Produktion in Waldheim endgültig eingestellt, das Firmengebäude im November 1998 abgerissen.

Vergessen sind die Produkte der Waldheimer Bekleidungsfabrik bis heute nicht. Dazu trägt auch die Ausstellung im Stadt- und Museumshaus bei. Zu sehen ist sie von Sonntag (Eröffnung von 10 bis 11 Uhr) bis zum Ende dieses Jahres zu den Öffnungszeiten des Museums. 

Im kommenden Jahr sind in dem neuen Raum eine Ausstellung zum Thema Euthanasie in Sachsen, eine Schau mit Werken von Irmgard Biernath und anschließend zur Geschichte der Waldheimer Kinos geplant.

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