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Mit Jugendgang auf Diebestour

Der Südafrikaner kam nach Deutschland, um die Schule zu besuchen, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Aber er startete eine kriminelle „Karriere“.

Wegen elf Delikten war ein Marokkaner vor dem Amtsgericht Döbeln angeklagt.
Wegen elf Delikten war ein Marokkaner vor dem Amtsgericht Döbeln angeklagt. © dpa

Region Döbeln. In Handschellen wird der junge Mann von drei Beamten in den Saal des Döbelner Amtsgerichtes geführt. Acht Wochen hatte der 24-Jährige in Untersuchungshaft gesessen. Damit sorgten die Richter dafür, dass er auch tatsächlich zu der Verhandlung erscheint. Zu der begleitet ihn neben seinem Anwalt auch ein Dolmetscher.

Laut Jugendgerichtshilfe wuchs der junge Mann als Ältestes von drei Kindern in Marokko auf. Dort sei er eingeschult worden, habe dann aber bereits ab dem zehnten Lebensjahr im Fischfang gearbeitet. Im Oktober 2016 sei er allein nach Deutschland gekommen. Hier wollte er die Schule besuchen, arbeiten und Geld verdienen.

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Elf Taten angeklagt

In den zurückliegenden Jahren wohnte er in Unterkünften in Leipzig, Chemnitz und zuletzt in einer speziellen Einrichtung für „kritische minderjährige Flüchtlinge in Hainichen“, so der Anwalt des Angeklagten.

Aber statt seine Vorhaben umzusetzen, schloss sich der damals 20-Jährige einer Gruppe anderer ausländischer Jugendlicher an und ging mit dieser auf Diebestour. Angeklagt sind elf Taten, die er alle im Jahr 2017 begangen hat. Neben dem Diebstahl gehören außerdem Beihilfe zum Diebstahl, Sachbeschädigung, vorsätzliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte dazu.

Taschen vorher präpariert

Vorwiegend in Filialen großer Bekleidungs- und Drogerieketten in Leipzig und Günthersdorf steckten die Männer Sportschuhe, Parfüm, zwei Jacken, vier Jeans und andere Kinderbekleidung ein. Dafür brachten sie teilweise Plastiktaschen mit, die so präpariert waren, dass die Diebstahlsicherung am Ausgang keinen Alarm auslöste.

Mehrere Male wurde die Gruppe trotzdem von Laden-Detektiven entdeckt. Um denen entwischen zu können, ließen sie die gestohlene Ware dann teilweise in den Geschäften zurück. Das Diebesgut habe überwiegend zur Finanzierung von Genussmitteln gedient, erklärt der Anwalt. Drogen seien nicht im Spiel gewesen.

Außerdem hatte der Marokkaner ein angespanntes Verhältnis zu einem Betreuer in einer Flüchtlingsunterkunft. Zwischen beiden habe es viele verbale Auseinandersetzungen gegeben, bei denen der Marokkaner auch rege Gebrauch von deutschen Schimpfwörtern machte, die er inzwischen gelernt hatte.

Angeklagter droht, sich umzubringen

In zwei Fällen wehrte sich der 24-Jährige heftig gegen Entscheidungen des Betreuers. Umstimmen wollte er ihn mit der Drohung, sich umzubringen und sich am Oberkörper und den Armen mit Rasierklingen zu verletzen. Hinzugerufenen Beamten widersetzte er sich. Einen stieß er dabei zu Boden, sodass sich dieser am Handgelenk verletzte.

Der Angeklagte, der bereits neun Einträge im Bundeszentralregister hat, gestand alle ihm vorgeworfenen Taten. Er entschuldigte sich mehrfach, versprach ordentlich weiterzuleben. „Ich werde an mir arbeiten“, sagt er.

Arrest und Arbeitsstunden

Bei sieben Delikten galt der Marokkaner vom Alter her noch als Jugendlicher. Deshalb und weil bei ihm eine gewisse Reifeverzögerung nicht auszuschließen sei, beantragt der Staatsanwalt ihn nach Jugendstrafrecht zu verurteilen, ihn zu verwarnen und ihm vier Wochen Dauerarrest aufzuerlegen. Außerdem soll er innerhalb von sechs Monaten 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Sowohl der Anwalt des Angeklagten, als auch Richterin Marion Zöllner schließen sich dem an. Sie weißt darauf hin, dass der Dauerarrest auf die Untersuchungshaft angerechnet wird und dass der Angeklagte nach Ablauf der sechs Monate nachweisen müsse, dass er sich um Arbeitsstunden bemüht und auch schon einige geleistet hat, auch wenn in dieser Zeit aufgrund von Corona möglicherweise nicht die kompletten 100 Stunden machbar wären. Der Haftbefehl wurde aufgehoben.

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