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Mit Technik gegen Umweltsünder

Die Veolia will das Abwassernetz mit Sensoren aufrüsten. Die schlagen bei unzulässigen Einleitungen Alarm.

Vor zwei Jahren war am Gewerbegebiet Am Fuchsloch schädliches Styrol in ein Regenrückhaltebecken gelangt. Der Schaden war beträchtlich. Ein Frühwarnsystem soll künftig zeitig Alarm geben.
Vor zwei Jahren war am Gewerbegebiet Am Fuchsloch schädliches Styrol in ein Regenrückhaltebecken gelangt. Der Schaden war beträchtlich. Ein Frühwarnsystem soll künftig zeitig Alarm geben. © André Braun/Döbelner Anzeiger

Döbeln. Vor zwei Jahren hatte ein holländischer Lasterfahrer im Gewerbegebiet Am Fuchsloch die schädliche Chemikalie Styrol auf die Straße und damit in die Kanalisation abgelassen. Der Schaden war beträchtlich. Ein Regenrückhaltebecken in Großsteinbach musste aufwendig saniert werden. Damit die Veolia als Betreiber der Anlagen künftig in solchen Fällen schneller reagieren kann, will sie im Gebiet des Abwasserzweckverbandes Döbeln-Jahnatal in den nächsten Jahren großflächig technisch aufrüsten.

Sensoren werden installiert

Im Abwassersystem werden eine ganze Reihe von Sensoren installiert, die unzulässige Einleitungen melden. So sind sechs Sensoren an den Regenrückhaltenbecken in den beiden Gewerbegebieten in Döbeln Ost, in Masten, in Großsteinbach am Gewerbegebiet Fuchsloch, Am Gewerbegebiet Mockritz und in Ostrau geplant.

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 Auch die sechs Kläranlagen im Verbandsgebiet werden damit aufgerüstet. „Drei weitere Sensoren sollen außerdem an noch zu definierenden Punkten, zum Beispiel in Gewerbegebieten oder anderen für die Abwasserbeschaffenheit neuralgischen Punkten, installiert werden“, so Tina Stroisch, Pressesprecherin der Veolia. Alle Sensoren werden an das zentrale Überwachungssystem der Veolia Wasser Deutschland angebunden. „Sollte ein Sensor lokale Probleme feststellen, wird das Fachpersonal gleich alarmiert.“

Die Sensoren erkennen eine ganze Reihe umweltschädlicher Substanzen. Sie erfassen unter anderem den pH-Wert des Abwassers. Sie erkennen Lösungsmittel und organische Substanzen wie Öl und Benzin. „Außerdem messen sie die Leitfähigkeit des Abwassers, sodass bei erhöhten Messwerten auf erhöhte Konzentrationen von gelösten Substanzen wie Nitrat und Schwermetalle im Abwasser geschlossen werden kann“, so Stroisch. Die Messtechnik werde entsprechend den örtlichen Gegebenheiten und Anforderungen ausgewählt.

Vorfälle mit schädlichen Chemikalien

In den vergangenen Jahren hatte die Veolia einige Vorfälle mit umweltschädlichen Substanzen in der Kanalisation. So gab es vor dem Styrol-Vorfall im Jahr 2008 im Regenrückhaltebecken im Gewerbegebiet Fuchsloch ein Fischsterben, weil das Wasser vergiftet worden war. 2010 wurde das Schwermetall Chrom VI in die Kläranlage Döbeln Masten eingeleitet. Es hemmt die Biologie in der Kläranlage und damit den Reinigungseffekt. „Im Jahr 2018 beeinträchtigte ammoniumhaltiges Abwasser die Reinigungskapazität der Biologie der Kläranlage Döbeln. Den Veolia-Wasserexperten gelang es glücklicherweise jedesmal, die Grenzwerte im Kläranlagenablauf einzuhalten“, so Tina Stroisch. 

Der Aufwand, um die Funktionalität der Kläranlage sicherzustellen, die verunreinigten Kanalabschnitte zu säubern und schädliche Substanzen zu entfernen, sei jedoch immens.

Vorgaben übertroffen

Mit den geplanten Sensoren wird die Veolia die behördlichen Vorgaben noch übertreffen. Bis spätestens Ende 2022 sollen sie ins Kanalnetz eingebaut sein. Die Kosten für die moderne Sensorik müssten noch ermittelt werden, so Tina Stroisch. „Wir gehen davon aus, dass sich die Investitionskosten im sechsstelligen Bereich belaufen werden. Um die passende Technologie für die Anlagen einzubauen, stützen wir uns auf die Erfahrungen der Veolia-Gruppe weltweit und arbeiten eng mit Herstellern aus Deutschland zusammen.“

 Mit den Sensoren bekommt die Veolia auch einen technischen Vorlauf. Nämlich dann, wenn zum Beispiel die Überwachungswerte für das in den Vorfluter eingeleitete Wasser vom Gesetzgeber verschärft werden.

Teure Entsorgung

Ein Vorfall mit gefährlichen Substanzen kann sehr teuer werden. Die Sanierung der Regenrückhaltung nach dem Styrol-Vorfall im Fuchsloch hat den Abwasserzweckverband rund 160.000 Euro gekostet. „Das war alles Sondermüll und musste bis nach Magdeburg geschafft werden“, sagte Geschäftsführer Stephan Baillieu. Von dem Geld hat der Verband bisher noch nichts wiedergesehen. Baillieu ist aber zuversichtlich, dass der Schaden ersetzt wird. „Die Versicherung des Verursachers hat sich gemeldet. Sie prüft den Fall.“

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