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Jugendwehren verlieren Mitglieder

Die jungen Leute in Mittelsachsen wollen aktiv sein. Beim Wechsel in die aktive Wehr klemmt es. Deshalb gibt es eine Forderung an die Politik.

Im Februar vergangenen Jahres wurde die in Meinsberg eine Kinderfeuerwehr gegründet. Durch Corona konnten sich die Kinder jedoch bisher kaum treffen.
Im Februar vergangenen Jahres wurde die in Meinsberg eine Kinderfeuerwehr gegründet. Durch Corona konnten sich die Kinder jedoch bisher kaum treffen. © Lutz Weidler

Mitelsachsen. Sie lernen alle Handgriffe, die für einen Löschangriff nötig sind, wie eine Karte gelesen wird und wie sie Erste Hilfe leisten können – die Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehren.

Ihre Ausbildung ist vielfältig. Normalerweise. Durch die Corona-Pandemie ist sie fast zum Erliegen gekommen. „2019 hat sich jede Jugendwehr in Mittelsachsen im Durchschnitt zu 25 Gruppenabenden getroffen. 2020 waren es noch elf und in diesem Jahr, mit wenigen Ausnahmen, noch keiner“, sagt Kreisjugendfeuerwehrwart Roy Schlesinger.

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Das hat Folgen, obwohl sich die Jugendwarte viel einfallen lassen, um die Kinder und Jugendlichen bei Laune zu halten. Doch das geht fast nur digital. Deshalb habe die Kreisjugendfeuerwehr den Ausbildern ein Online-Seminar unter dem Motto „Wie halte ich in Pandemiezeiten Kontakt“ angeboten. „Das hatte eine sehr gute Resonanz“, so Schlesinger.

Apps, Spiele und Rätselhefte während der Corona-Pandemie

Einige Jugendfeuerwehren hätten die Vorschläge aus dem Seminar auch umgesetzt, den jungen Leuten Online-Apps mit feuerwehrtechnischem Inhalt vorgestellt, ebensolche Online-Spiele angeboten oder Rätselhefte entworfen oder, wie die Feuerwehr Waldheim, die Kinder mit Osterpräsenten überrascht. „Aber irgendwann ist die Theorie überstrapaziert. Die Jugendlichen wollen wieder aktiv werden“, erklärt Hauptlöschmeister Schlesinger.

Insgesamt 100 Jugend- und 17 Kinderfeuerwehren gibt es im Landkreis. Sie haben 1.779 Mitglieder im Alter von sechs bis 18 Jahren. Unter ihnen sind knapp 500 Mädchen. Das freut den Kreisfeuerwehrjugendwart.

"Erste Mitglieder wenden sich ab"

Nicht nur die Zahl der jungen Mädchen in der Feuerwehr steigt seit Jahren, es wechseln auch immer mehr in die aktive Wehr. Doch auch das gestaltet sich derzeit schwierig – für die Jungen und Mädchen. Im Alter von 16 Jahren können sie den ersten Teil der Truppmann-Ausbildung absolvieren, die Voraussetzung für den Wechsel ist.

Das wäre in diesem Jahr bisher nur sechs Wochen lang möglich gewesen, als es kurzzeitig für die Wehr kleine Lockerungen gab. Allerdings umfasst solch ein Lehrgang 70 Stunden und erfolgt meistens abends oder am Wochenende, war also in der kurzen Zeit nicht zu schaffen. Somit sei bei den Wechsel-Kandidaten ein Stau entstanden. Im vergangenen Jahr wurden 109 junge Leute von der Jugend- in die aktive Wehr übernommen.

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Zudem mehren sich die Informationen aus den Jugendwehren, dass die Kinder traurig seien, dass nichts mehr passiert. „Es ist ein Spagat, die Kinder bei Laune zu halten. Die ersten Mitglieder wenden sich bereits von der Feuerwehr ab“, sagt Roy Schlesinger. Und viele Jugendwarte hätten schon signalisiert, dass sie einen weiteren Mitgliederschwund erwarten.

Auch die Neuaufnahmen in die Jugendwehr halten sich in Grenzen. Kamen 2018/19 noch 120 Mitglieder dazu, waren es 2019/20 lediglich 39. Und diese resultierten aus der Gründung der Jugendfeuerwehr Neukirchen sowie der Kinderfeuerwehren Meinsberg und Lunzenau.

Negativtrend bis Sommer stoppen

Dieser Negativtrend könne gestoppt und wahrscheinlich auch wieder gedreht werden, wenn die Jugendwehren noch vor den Sommerferien wieder mit der aktiven Ausbildung beginnen könnten, meint Schlesinger. Deshalb fordern die Kreisjugendfeuerwehr Mittelsachsen und der Kreisjugendring Mittelsachsen von der Politik eine Klarstellung der derzeitigen Gesetzlichkeiten.

„Bei den bisherigen Corona-Schutz-Verordnungen des Freistaats Sachsen gab es wenigstens inzwischen konkrete Durchführungsanweisungen, damit eine effektive Jugendarbeit weiterhin stattfinden konnte. Allein mit dem vorliegenden Bundesgesetz ist eine Einordnung der Jugendarbeit freier Träger der Jugendhilfe auch nach mehrfacher Lektüre nicht möglich.

Es wird nur auf Sport und Schulen eingegangen, nicht jedoch auf die pädagogisch betreuten Angebote im Sozialraum sowie auf Jugendarbeit in Hilfsorganisationen wie zum Beispiel der Jugendfeuerwehr“, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung des Kreisjugendrings und der Kreisjugendfeuerwehr.

Ab September 2021 wieder Projekte geplant

„Wir arbeiten mit angezogener Handbremse. Kinder brauchen Kontakte. Ihnen fehlt der soziale Halt“, so Schlesinger. Bisher sei die Feuerwehr als „kritische Infrastruktur“ betrachtet worden, die möglichst immer einsatzbereit sein sollte. Inzwischen gehören die Kameraden zur Priorisierung 3 und können sich impfen lassen.

„Wir sind Feuerwehrleute und diszipliniert. Alle Wehren haben Hygienekonzepte erstellt und können in dieser Jahreszeit mit den Kindern draußen üben, statt im Gerätehaus“, erläutert der Kreisjugendfeuerwehrwart.

Die Situation sei schwierig. Einerseits bestehe das Verständnis für die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Dem gegenüber stehe das Interesse der Jugendlichen an der Feuerwehr. „Und wenn diejenigen, die kurz vor dem Wechsel in die aktive Wehr stehen, das Interesse verlieren, waren viele Jahre unserer Arbeit umsonst“, sagt Roy Schlesinger.

Trotz der derzeit schwierigen Phase, wolle der Kreisfeuerwehrverband den Jugendlichen eine Perspektive bieten. „Deshalb halten wir an allen Veranstaltungen fest, die ab September geplant sind“, so Schlesinger.

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Dazu gehören ein Bowlingturnier in Döbeln, ein Kinotag in Freiberg, die Gruppenstafette und diverse Wettbewerbe. Außerdem soll mit dem Projekt „Vernetzt durchs digitale Zeitalter“ die Chance genutzt werden, mit den Jugendwarten im Gespräch zu bleiben. Zudem sind Seminare für die Ausbilder vorgesehen.

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