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Leisnig: Mittelsachsen will Bäume fällen

42 Linden sollen für den Ausbau der Allee zwischen Bockelwitz und Naunhof bei Leisnig weichen. Das sorgt für Diskussionen.

Für den Ausbau der Kreisstraße zwischen Bockelwitz und Naunhof will der Landkreis Mittelsachsen in der vorderen Reihe 42 Allee-Bäume fällen lassen und an anderer Stelle eine alleinstehende Stileiche.
Für den Ausbau der Kreisstraße zwischen Bockelwitz und Naunhof will der Landkreis Mittelsachsen in der vorderen Reihe 42 Allee-Bäume fällen lassen und an anderer Stelle eine alleinstehende Stileiche. © Dietmar Thomas

Leisnig. Die Alleebäume wurden im südlichen Bereich der Straße zwischen Bockelwitz und Naunhof, kurz nach dem Abzweig zur Sandgrube gepflanzt. „Lange stehen sie noch nicht, und sie haben einen guten Stamm ausgebildet“, erklärt Bauamtsleiter Thomas Schröder im Stadtrat.

Das Landratsamt Mittelsachsen plant die Sanierung der Kreisstraße. Zwischen der Kreuzung an der S 31 und etwa der Mitte der Zufahrt zur Sandgrube soll eine Oberflächenbehandlung erfolgen. Daran anschließend ist bis Naundorf ein grundhafter Ausbau geplant. Dem sollen die 42 Linden weichen.

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Laut einer Stellungnahme des Landratsamtes soll die Straße so ausgebaut werden, dass sich zwei Laster problemlos begegnen können. Das bedeute, die Fahrbahn müsse 6,50 Meter breit sein. Dazu komme auf beiden Seiten ein Bankett mit einer Breite von 1,50 Metern und eine Entwässerungseinrichtung in derselben Breite.

Schutz der Gehölze hat Vorrang vor Straßenbau

„Das macht eine Gesamtbreite von 12,50 Meter“, rechnet Elgine Tur de la Cruz (Die Linke) vor. Die Fraktion habe sich ausführlich mit der Situation beschäftigt und vor Ort die Gegebenheiten angesehen. Die Bäume stünden von denen auf der gegenüberliegenden Straßenseite 17 Meter weit entfernt, also dem Straßenbau nicht im Weg. Außerdem habe sich die Fraktion intensiv mit dem Straßenbaugesetz beschäftigt. 

„Nirgendwo steht, dass das Fällen von Gehölzen Vorrang hat, sondern im Gegenteil, der Schutz der Gehölze hat Vorrang“, so Elgine Tur de la Cruz. Die Linke hat der Stadtverwaltung ein Schreiben übergeben, mit dem sie dem Wunsch nach dem Erhalt der 42 Bäume Nachdruck verleiht.

Auch Michael Heckel (SPD) verlangt einen Kompromiss, zum Beispiel die Bankette zu verkleinern, zumal dieser Abschnitt nicht der gefährlichste der Straße sei. „Die Bäume müssen erhalten bleiben“, sagt er. 

Das sehe die Stadtverwaltung ähnlich, so der Bauamtsleiter. Er versichert, dass er ein Gespräch mit dem Landratsamt anstrebe, bei dem er diesem Wunsch der Leisniger vorbringen wolle.

Eiche ebenfalls auf der Streichliste

Auf der Zeichnung des Landratsamtes gibt es aber noch ein weiteres Kreuz. „Nördlich der Straße bleiben alle Bäume stehen, bis auf eine Stileiche zwischen dem Abzweig nach Nicollschwitz und Naunhof“, so Schröder. Auch die Eiche hat einen kräftigen Stammumfang und Wuchs. „Aber nach der jetzigen Planung, steht sie zehn Zentimeter auf der neuen Fahrbahn“, sagt Thomas Schröder.

Möglich wäre es, die Tangente um etwa sieben Meter zu verschieben, um den Baum zu erhalten und dessen Wurzeln nicht zu beschädigen. Allerdings betreffe das nicht nur den unmittelbaren Bereich um die Eiche, sondern eine Strecke von 410 Metern. Dabei würde dann das nächste Problem auftreten. 

Denn in diesem Abschnitt befindet sich ein Durchlass, durch den der Schickelsbach fließt. „Dieser Durchlass soll erhalten bleiben und für die neue Straße nachgenutzt werden“, sagt Schröder. Bei einer Verschiebung der Tangente sei das allerdings nicht möglich.

Dass die Eiche gefällt werden muss, weil die andere Variante der Straßenführung unwirtschaftlich wäre, akzeptieren die meisten Stadträte. Derzeit liegen die Unterlagen für den Ausbau der Kreisstraße 7545 zur Prüfung beim Umweltamt.

Neue Bushaltestelle geplant

Auch, wenn der Bauherr der Landkreis sein wird, so muss die Finanzierung eines bestimmten Teils die Stadt Leisnig übernehmen. Am Abzweig nach Beiersdorf und Nicollschwitz befinden sich zwei Bushaltestellen. 

„Die sind aus Sicht des Landratsamtes und der Stadt in einem sehr schlechten Zustand“, sagt der Bauamtsleiter. Deshalb müssten sie entfernt werden. Eine neue Haltestelle soll am Anfang der Straße nach Nicollschwitz geschaffen werden. Dort seien ein Unterstand mit Aufstellmöglichkeit geplant und einige Meter weiter eine Wendestelle für den Bus.

Dies sei eine günstige Variante für die Kinder aus beiden Orten. Die Stadt werde bei der Ausführungsplanung aber darauf drängen, dass im Bereich des Abzweigs die Geschwindigkeit auf der Kreisstraße reduziert werde. Denn die müssen die Mädchen und Jungen aus Beiersdorf künftig überqueren, um zum Schulbus zu gelangen.

Vermessungs-, Planungs- und Baukosten belaufen sich auf insgesamt 160.400 Euro. 85 Prozent des Betrages werden aus dem Programm GRW gefördert. Somit beträgt der Eigenanteil der Stadt noch rund 41.000 Euro.

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