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Döbeln

Mochau: Ein Küsterhaus voller Erinnerungen

Vor zehn Jahren wollte Regina Bonk nur eine Heimatstube einrichten. Dann brachten die Leute immer mehr Exponate.

Die Fuchsstola, die Regina Bonk in den Händen hält, hat sie fürs Heimatmuseum geschenkt bekommen. Die Räume des Küsterhauses sind wie eine Wohnung eingerichtet. Hier steht sie gerade im Schlafzimmer, an der Wand hängt ein Anzug.
Die Fuchsstola, die Regina Bonk in den Händen hält, hat sie fürs Heimatmuseum geschenkt bekommen. Die Räume des Küsterhauses sind wie eine Wohnung eingerichtet. Hier steht sie gerade im Schlafzimmer, an der Wand hängt ein Anzug. © Foto: Lutz Weidler

Döbeln. Regina Bonk ist auf dem Land aufgewachsen und kennt sich aus mit den Dingen, die im Stall und Hausgalt gebraucht werden. Aber der eine oder andere Gegenstand gibt ihr Rätsel auf. „Was bin ich?“, ist auf einem Zettel zu lesen und darauf liegen eine Art Zange und ein Utensil an einem langen Griff. „Das eine könnte eine Zuckerzange sein“, sagte die Chefin Heimatmuseums im Mochauer Küsterhauses. Vielleicht hat einer der Besucher am Sonntag die Lösung.

Nach langer Pause durch Corona öffnet das Küsterhaus zum ersten Mal wieder. Und es wird gleich ein Jahrestag. Nämlich der zehnte seit der Eröffnung im Jahr 2011, der eigentlich schon im Frühjahr begangen werden sollte. „Eigentlich wollte ich damals bloß ein Zimmer haben, um eine Heimatstube einzurichten. Aber dann wurde es ein ganzes Haus“, sagte sie.

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So hat man vor 300 Jahren gekocht. Regina Bonk sitzt vor einem Kamin in der Küche, der sich erhalten hat.
So hat man vor 300 Jahren gekocht. Regina Bonk sitzt vor einem Kamin in der Küche, der sich erhalten hat. © Foto: Lutz Weidler
Dagmar Schulz hat für die Kamera mal auf dem Plumsklo im Stall Platz genommen. Auch das gehörte damals zu einer Bauernwirtschaft.
Dagmar Schulz hat für die Kamera mal auf dem Plumsklo im Stall Platz genommen. Auch das gehörte damals zu einer Bauernwirtschaft. © Foto: Lutz Weidler
Über die Verwendung mancher Dinge kann Regina Bonk nur rätseln. Wer kann weiterhelfen?
Über die Verwendung mancher Dinge kann Regina Bonk nur rätseln. Wer kann weiterhelfen? © Foto: Lutz Weidler
Das Küsterhaus gehörte zum Pfarrgut. Mit etwa 300 Jahren ist es eines der ältesten Häuser in Mochau. Über einige Jahre war es Stück für Stück instand gesetzt worden.
Das Küsterhaus gehörte zum Pfarrgut. Mit etwa 300 Jahren ist es eines der ältesten Häuser in Mochau. Über einige Jahre war es Stück für Stück instand gesetzt worden. © Foto: Lutz Weidler

Das Haus ist um die 300 Jahre alt und gehörte früher zum Pfarrgut. Diakon Michael Richter sei es vor allem zu verdanken, dass es noch steht, sagte Regina Bonk. 1989 habe er die ersten Reparaturen am Haus organisiert, zumindest das Dach war dann dicht.

Nach und nach wurde das Fachwerkhaus Stück für Stück saniert. Alle Dielen und die Treppen waren erneuert, die Lehmziegelwände instand gesetzt. „Da haben viele Ehrenamtliche mit geholfen. Firmen haben Hand angelegt und das Vorhaben gesponsert. Der Bürgermeister hatte damals gesagt: Wir helfen mit“, sagte Regina Bonk.

Rest der Mochauer Schule

Im Laufe der Jahre hatte sie das Haus mit Dingen angefüllt, die in den Werkstätten und auf den Bauernhöfen, in der Schule und in den Haushalten verwendet wurde. Etwas, das wie der Sims eines Kamins aussieht, ist der Türsturz der alten Schule, die 1988 abgerissen wurde.

Dagmar Schulz hatte noch über ein Jahr in dem Haus gewohnt. „Bei uns in der Wohnung stand ein alter gusseiserner Ofen. Ich weiß nicht, was aus dem geworden ist.“ Jetzt hilft sie manchmal mit, wenn es im Küsterhaus etwas zu tun gibt.

Ohne Schuhe zum Unterricht

Am Sonntag erwarten Regina Bonk und ihr Team wieder Gäste. Es gibt Kaffee und Kuchen. Die Chefin führt durch Haus, in dem jede Menge Zeugnisse des Lebens auf dem Lande eingelagert sind. Zum Beispiel die alten Klassenbücher der Mochauer Schule. Das älteste stammt von 1825. Mancher Besucher hat sich oder Verwandte darin schon wiedergefunden. „Darin kann man Stunden lesen und findet immer etwas“, sagte Regina Bonk.

Beim Blättern war sie auch auf Entschuldigungszettel gestoßen. „Das Highlight war: Ich konnte meine Mädels nicht in die Schule schicken, weil schlechtes Wetter war und sie keine Schuhe haben.“ Das war 1954. „In der Nachkriegszeit lebten hier viele Umsiedler. Wir hatten doch nichts“, erzählte sie. Erhalten haben sich auch die Hausaufgaben eines Kindes: Es hatte sie auf dem Randstreifen einer Zeitung erledigt.

Geschlachtetes Pappschwein

Viele Leute haben Exponate gebracht. Sogar ein aufgeschnittenes Schwein ist dabei. Eines aus einer Art Pappmaché mit inneren Organen in der richtigen Größe. Hausschlachtung gehörte früher auf jeden Bauernhof.

Regina Bonk öffnet das Küsterhaus einmal im Monat oder auf Bestellung. Manchmal steht auch jemand spontan vor der Tür und ruft an, erzählt sie. Helfer findet sie immer, wenn sie sie braucht. Aber bisher hat sich noch niemand gefunden, der ihre Nachfolge antreten könnte.

Sonntag, 8. August, 10 Jahre Küsterhaus Mochau, geöffnet ist von 10 bis 18 Uhr. Die Sommerkirche kann besichtigt werden. Um 8.30 Uhr ist ein Gottesdienst geplant.

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