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Flüssiges Gold aus der Mühle

Im Hofladen von Gut Gadewitz gibt es viele Produkte, die in der Region hergestellt werden. Die Vermarktung ist nicht einfach.

Michaela Fischer ist Verkäuferin im Hofladen im Gut Gadewitz. Besonders gefragt sind die in der hauseigenen Mühle hergestellten Gadewitzer Öle.
Michaela Fischer ist Verkäuferin im Hofladen im Gut Gadewitz. Besonders gefragt sind die in der hauseigenen Mühle hergestellten Gadewitzer Öle. © Dietmar Thomas

Großweitzschen. Zeit und Geduld sind beim Herstellen von kaltgepresstem Öl gefragt. Doch es lohnt sich. Maja und Dieter Horlacher stellen schmackhafte und qualitativ hochwertige Öle in ihrer eigenen Mühle im Vierseithof in Gadewitz her. Die Produktpalette ist in den vergangenen Jahren umfangreicher geworden.

Gleichmäßig rattert die Mühle im Seitengebäude des Hofgutes Gadewitz. Von der Decke hängt ein großer, heller Sack, gefüllt mit 300 Kilogramm kleinen schwarzen Rapskörnchen. Aus den Körnern entstehen 120 Liter Öl. 

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Der Raps stammt von den Feldern in der Region, die Dieter Horlacher bewirtschaftete, also vom eigenen Anbau.Auf dem Boden der Mühle befinden sich die Silos für die verschiedenen Körner. Von oben wird der Sack befüllt. Bevor die Kügelchen nach unten rieseln, wird Dreck abgeblasen und ausgesiebt. 

Dieter Horlacher bedient die Ölmühle. Von den Silos, die sich auf dem Boden befinden, fallen die Körner nach der Reinigung in den Sack. Danach werden sie ganz langsam gemahlen.
Dieter Horlacher bedient die Ölmühle. Von den Silos, die sich auf dem Boden befinden, fallen die Körner nach der Reinigung in den Sack. Danach werden sie ganz langsam gemahlen. © Dietmar Thomas

Damit Geschmack und Vitamine erhalten bleiben

Vom Sack purzeln die Körner langsam in einen Trichter und dann direkt in die Schneckenpresse. Von dieser werden sie bei maximal 45 Grad zerquetscht. „Wir pressen nur kalt, damit der intensive Geschmack und die Vitamine erhalten bleiben. Dadurch entsteht ein qualitativ hochwertiges Öl“, so Dieter Horlacher. Das honig-bernsteingelbe Rapsöl behält so seinen nussigen Geschmack.

Wie ein Faden tropft das Öl aus den kleinen Löchern der Presse und läuft in einen Eimer. Es dauert etwa drei bis vier Stunden, bis ein 20-Liter-Eimer voll ist. „Wenn wir die Presse schneller stellen, entsteht mehr Wärme und genau das ist nicht gewollt“, sagt Horlacher.

Das Öl wird später in ein Fass umgefüllt und in diesem zehn Tage gelagert. „Zunächst sieht das Öl aus wie naturtrüber Apfelsaft. Die Schwebstoffe setzten sich am Boden des Fasses ab und sammeln sich als Ölschleim“, so Maja Horlacher. 

Das frisch gepresste Öl wird in Fässer umgefüllt. In diesen lagert es zehn Tage. Zunächst sieht das Öl aus wie naturtrüber Apfelsaft.
Das frisch gepresste Öl wird in Fässer umgefüllt. In diesen lagert es zehn Tage. Zunächst sieht das Öl aus wie naturtrüber Apfelsaft. © Dietmar Thomas

Das Öl wird in kleine, dunkle Flaschen gefüllt und ist etwa zehn Monate haltbar. Die Gadewitzerin klebt in Handarbeit und mit viel Geduld die Etiketten auf die Flaschen. Damit diese dabei nicht wegrollen, hat Dieter Horlacher eine Halterung gebaut.

Neben den Raps werden auf Gut Gadewitz noch Lein, Leindotter, Mohn, Sonnenblumen, Walnüsse und seit zwei Jahren Hanf zu Öl verarbeitet.Was nach dem Pressen von den Körnern übrig ist, kommt in Würstchenform hinter der Presse heraus und fällt in einen Sack. In den Pellets steckt noch Öl. Aber sie werden nicht noch einmal, so wie in der Industrie, zerstoßen und erneut gepresst. 

Der sogenannte Presskuchen enthält noch viel Eiweiß und wird an die Tiere verfüttert. Seit einiger Zeit stellt die Gadewitzerin aus den Pellets Hanf- und Leinmehl her. Das findet seine Abnehmer im Hofladen.

„Als wir uns dazu entschlossen, einen Hofladen zu eröffnen, wollten wir auch ein eigenes Produkt anbieten“, sagt Maja Horlacher. Dass, das keine schlechte Idee war, ist am Interesse der Kunden an den kaltgepressten Ölen zu erkennen. 

„Für unser Leinöl kommen sogar Zwickauer nach Gadewitz. Hoch im Kurs steht auch das Leindotteröl, weil es geschmacklich etwas milder ist“, so Maja Horlacher. Das Mohnöl sei etwas für Liebhaber. Walnussöl gibt es in kleinen Mengen, da nur die Ernte der vier hauseigenen Nussbäume gepresst wird. Hergestellt werden immer nur geringe Mengen, damit das Öl auch immer frisch ist.

So wie die meisten Waren, die im Hofladen angeboten werden. Sie stammen fast alle von kleineren Produzenten oder Manufakturen aus der Region. „Für mich ist es wichtig, dass es den Tieren gut geht, von denen die Produkte stammen, dass ich die Direktvermarkter und Manufakturen kenne, von denen ich meine Ware beziehe. Das ist von Anfang an mein Steckenpferd“, so die Gadewitzerin.

Im Hofladen gibt es nicht nur Produkte von Manufakturen, sondern auch von Künstlern aus der Region.
Im Hofladen gibt es nicht nur Produkte von Manufakturen, sondern auch von Künstlern aus der Region. © Dietmar Thomas

Seit 14 Jahren kann im Hofladen, der zu einer kleinen Oase mitten auf dem Land geworden ist, gekostet, gekauft und genossen werden. Der Einkauf wird zu einem Erlebnis. Denn es werden nicht nur frische Produkte wie Eier, Fleisch, Molkereiprodukte oder Obst und Gemüse angeboten. 

Im gemütlich eingerichteten Lädchen gibt es Keramik, Holzspielzeug und Schokolade. „Ich möchte auch den Künstlern aus der Region eine Möglichkeit bieten, ihre Waren zu präsentieren. Die müssen allerdings zu unserem Gesamtkonzept passen“, sagt Maja Horlacher.

Bei den Frischeprodukten setzt sie auf Regionalität. So beliefert der Auenhof in Niederlützschera den Hofladen mit Gemüse und Obst. Aus dem Striegistal werden Brände angeboten und die Molkereiprodukte stammen unter anderem vom Hofgut in Pulsitz oder vom Caprinenhof bei Sornzig. Im Hofladen gibt es auch frisch gemahlenes Getreide und für den, der nicht selbst backen will, bietet einen Vollkornbäckerei entsprechendes Backwerk an.

Frisches Obst bezieht Maja Horlacher für ihren Hofladen unter anderem von der Biogärtnerei Auenhof in Niederlützschera.
Frisches Obst bezieht Maja Horlacher für ihren Hofladen unter anderem von der Biogärtnerei Auenhof in Niederlützschera. © Dietmar Thomas

 „Direktvermarktung ist ein Stück Idealismus“, so Maja Horlacher. Deshalb gebe es auch keine großen Handelshallen, in denen die Produkte der Direktvermarkter oder Bio-Bauern an einem Standort angeboten werden. Die Gewinnspanne sei dafür einfach zu klein.

 „In solch einer Markthalle erwarten die Kunden auch, dass es immer alles ausreichend gibt. Das ist zum Teil nicht möglich. Wer bei uns einkauft weiß, dass es auch einmal etwas nicht gibt. Das passiert zwar selten, ist aber möglich“, sagt die Gadewitzerin. In ihrem Hofladen gibt es das, was in Sachsen wächst. „Die Produkte sind dann authentisch. Und das schätzen unsere Kunden.“ Ob den Hofladen während des Corona-Lockdowns neue Kunden besucht haben, kann Maja Horlacher schwer sagen.

„Die Leuten haben mehr gekauft, weil sie Daheim waren und Zeit zum Backen und Kochen hatten. Neue Kunden seien aber auch dabei gewesen, so die Gadewitzerin. Auch in ihrem Laden wurden Mehl und Hefe rar. Doch das war eine Ausnahme in einer besonderen Zeit. Um Kunden, die zur Risikogruppe zählen, weiterhin bedienen zu können, dürfen sie nach telefonischer Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten im Hofladen einkaufen oder die gewünschten Produkte werden eingepackt und können abgeholt werden.

Ein Mal im Jahr lädt das Hofgut Gadewitz im Wechsel zum Hoffest am Mühlentag oder zur Langen Hofnacht ein. In diesem Jahr musste das Hoffest wegen Corona abgesagt werden. Dafür gibt es die Möglichkeit, im Laden Erworbenes direkt auf dem Hof im idyllischen Ambiente zu verkosten. Manche Radfahrer nutzen diese Möglichkeit für eine kurze Rast. Auch an kleinere Kinder wurde gedacht. Für sie bietet der Hofladen Spielmöglichkeiten im Freien an.

Die nächste Folge der Serie „Lecker vom Hof“ erscheint am 20. Oktober.

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