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Musikschule Döbeln verliert Lehrer und Schüler

Die Ausbildung in drei Instrumenten ist derzeit nicht möglich. Trotzdem ist die Schulleitung optimistisch.

Der 14 Jahre alte Til Bräuer erhält in der Musikschule Döbeln von Andreas Berger Unterricht.
Der 14 Jahre alte Til Bräuer erhält in der Musikschule Döbeln von Andreas Berger Unterricht. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Die Situation in der Musikschule Mittelsachsen ist ähnlich der in der Gastronomie. Während des Lockdowns in der Corona-Pandemie haben sich Honorar-Lehrer einen anderen Job gesucht.

Jetzt fehlen allein an der Döbelner Einrichtung acht Lehrer. In Freiberg sind es vier. „In Mittweida und Flöha gab es keinen Abgang“, sagt die Leiterin der Musikschule Margot Berthold. Als am 13. März 2020 die Lichter in den Schulen ausgingen, habe sich niemand annähernd vorstellen können, welche Probleme sich daraus ergeben würden.

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Online wurde Einzelunterricht angeboten und von etwa 80 Prozent der Schüler genutzt. „Aber es erstarb jegliches Zusammenspiel. Es gab kein Ensemble, kein Orchester, keinen Chor und keine Tanzklasse mehr. Eineinhalb Jahre lang ist keine musikalische Früherziehung erfolgt. Das ist äußerst dramatisch“, meint Margot Berthold.

Oboe, Fagott und Klarinette unbesetzt

Den Honorar-Lehrern, die sich beruflich neu orientiert haben, mache sie keinen Vorwurf. „Sie brauchten ja auch in dieser Zeit Einnahmen, um zu leben. Und die Förderprogramme waren für sie nicht relevant“, so die Schulleiterin. Die Döbelner Musikschule habe es besonders getroffen, weil sie die wenigsten Festangestellten hat.

Für die Oboe, das Fagott und die Klarinette kann in Döbeln derzeit keine Ausbildung angeboten werden, weil für diese Instrumente keine Lehrer zur Verfügung stehen. Für das Saxofon gibt es nur noch einen Lehrer, vor Corona waren es zwei. Auch die Blockflöte wird derzeit nur von einer Lehrkraft unterrichtet.

„Wir brauchen händeringend Lehrer für die musikalische Früherziehung“, so Margot Berthold. Die bisherige Mitarbeiterin habe sich einen Job gesucht. Deshalb stehe ihr nur noch etwa ein Viertel der früheren Zeit für die Ausbildung der Jüngsten zur Verfügung.

Schüler haben die Lust verloren

Neben den Lehrern hat die Döbelner Musikschule während Corona auch rund 100 Schüler verloren, in ganz Mittelsachsen waren es 450. Der jährliche Weggang der Zwölftklässler habe sich durch die Pandemie potenziert.

Zwar sei Online-Unterricht angeboten worden, der habe sich aber als recht schwierig erwiesen. Durch eine gewisse technische Verzögerung sei ein synchrones Zusammenspiel von Lehrer und Schüler nicht möglich gewesen. Dadurch hätten einige Schüler die Lust verloren.

Andere hätten neben der Schule nicht auch noch den Unterricht an der Musikschule online absolvieren wollen. Auch die Eltern seien vorsichtiger geworden und würden erst einmal warten wollen. „Worauf auch immer“, so Margot Berthold.

Sie ist trotzdem äußerst optimistisch und denen, die durchgehalten haben, dankbar. Die Lehrer hätten Unglaubliches geleistet, um die Schüler zu motivieren – und das mit erstaunlichen Ergebnissen. Der Wettbewerb „Jugend musiziert“ sei nicht ausgefallen, sondern in einer völlig neuen Form erfolgt. Die jungen Musiker hätten Videos aufgenommen, eingesandt und jeder Juror habe sich diese Zuhause angesehen.

Bestleistungen trotz Problemen

Besonders schwierig sei dabei das Zusammenspiel von Bläsern und Klavier gewesen. Statt einer gemeinsamen Probenzeit von sechs Monaten seien in einer kurzen Zeit des Präsenzunterrichts nur vier Wochen möglich gewesen.

Die Döbelner Musikschüler haben 23 Videos eingereicht und alle vordere Plätze erreicht. „Es waren 13 erste und sieben zweite Plätze sowie drei Weiterleitungen zum Landeswettbewerb“, konkretisiert Margot Berthold. Besonders hebt sie Till Niemann (solo Gitarre) sowie Inga Sophie Lehle (Blockflöte) und Lara-Sophie Berger (Klavier) hervor, die erste Plätze erreicht haben.

An den Jahresendprüfungen haben sich diesmal zwar nur halb so viele Schüler wie in den Vorjahren beteiligt, aber ebenfalls mit sehr guten Ergebnissen. Das beste erreichte die 19-jährige Anna Adam mit einer 1,0 mit Auszeichnung. Die Schülerin von Lucas Malek spielt Klavier.

Auch Dominik Adam erhielt für die Soloprüfung am Klavier die Note 1,0. Der 15-Jährige bereite sich schon jetzt auf ein Lehramtsstudium im Fach Musik vor, so Margot Berthold.

Der Blick geht nach vorn

Sie ist optimistisch, blickt nach vorn und sucht gemeinsam mit den Mitarbeitern und dem Förderverein nach neuen Wegen. Auch das Instrumentenkarussell ist Corona zum Opfer gefallen. Dabei können Kinder jeweils für vier Wochen ein Instrument ausprobieren und dann zum nächsten wechseln.

Nach einem halben Jahr könnten sich die Mädchen und Jungen dann gemeinsam mit den Eltern für eine Ausbildung in dem Instrument entscheiden, dass ihnen am meisten Spaß gemacht hat. Für ein solches Instrumentenkarussell soll nun eine Internetseite aufgebaut und ab Februar angeboten werden.

In fast allen Fächern freie Plätze

Für die musikalische Früherziehung werde wieder Kontakt zu den Kindertagesstätten gesucht, und auch mit der Tanzklasse müsse von vorn begonnen werden. In fast allen Fächern der Musikschule gibt es freie Plätze und keine Warteschlangen wie in den Vorjahren.

„Die Krümelgruppe ist am Zerfallen“, sagt die Schulleiterin. Dafür werden Kinder im Alter von drei Jahren gesucht, die zu den Unterrichtsstunden von einem Erwachsenen begleitet werden können. Die Kinder werden in der Gruppe spielerisch an die Musik herangeführt.

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„Corona hat alle Bereiche betroffen, aber den künstlerischen besonders hart“, meint Margot Berthold und ergänzt: „In den 31 Jahren, in denen ich an der Musikschule arbeite, habe ich eine solche Situation noch nicht erlebt.“ Deshalb sei sie für den Rückenhalt durch den Förderverein, die Döbelner Rotarier und die Döbelner Sparkasse sehr dankbar.

Kleine und große Konzerte

Mit vielen kleinen Konzerten macht die Musikschule derzeit verstärkt auf sich aufmerksam. Das Interesse der Organisatoren von Veranstaltungen an Auftritten von Musikschülern sei groß. Das freut Margot Berthold sehr, auch wenn sie gerade das Gefühl habe, im September und Oktober werde das gesamte Jahre 2021 nachgeholt.

Es sind aber auch zwei größere Konzerte in Vorbereitung. Das Erste ist der Musikerlebnistag, an dem die Musikschüler gemeinsam mit Musikern der Mittelsächsischen Philharmonie musizieren. Das zweite Konzert wird ein festliches. Mit ihm wird das 70-jährige Bestehen der Musikschule gewürdigt. Da das im letzten Jahr war und nicht gefeiert werden konnte, heißt es jetzt 70+1.

Musikerlebnistag: 9. Oktober, 11 Uhr, Abschlusskonzert 16 Uhr, Theater Döbeln; Festkonzert 70+1 Jahre Musikschule: 13. Oktober, 18 Uhr, Nicolaikirche Döbeln.

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