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Nachfrage nach Ausweisen verdreifacht

Der Ansturm hat gleich mehrere Gründe. Nur einer ist bisher den wenigstens bekannt: Der Ausweis wird 2021 teurer.

Fast verdreifacht hat sich die Zahl der Anträge auf einen Personalausweis in einigen Bürgerämtern der Region.
Fast verdreifacht hat sich die Zahl der Anträge auf einen Personalausweis in einigen Bürgerämtern der Region. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Er gehört zu den wichtigsten Dokumenten in der Geldbörse, die jeder immer bei sich trägt: der Personalausweis. Seit gut zehn Jahren ist er der Form nach kaum von der EC-Karte zu unterschieden. Und genau das ist auch der Grund, weshalb es jetzt einen wahren Ansturm auf die Bürgerbüros im Landkreis gibt.

Denn als im November 2010 der neue Personalausweis eingeführt wurde, haben sich viele noch einmal das Vorgängermodell ausstellen lassen. Vor allem, um Kosten zu sparen, sagt Thomas Mettcher, Sprecher der Stadt Döbeln. Denn für den neuen Ausweis mussten knapp 20 Euro mehr auf den Tisch gelegt werden als noch für das alte Dokument für acht Euro. 

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„Viele Bürger zogen es vor, kurz vor Ultimo einen Ausweis zu einem günstigeren Tarif zu beantragen“, erklärte der Stadtsprecher. Der Ausweis läuft nun allerdings aus. Die Folge: eine steigende Nachfrage nach dem Dokument in den hiesigen Bürgerbüros.

Wie hat sich die Nachfrage in den Bürgerbüros entwickelt?

„Üblicherweise werden etwa 150 Ausweise pro Monat beantragt, derzeit sind es circa 250“, beziffert Mettcher die Zahlen für die Stadt Döbeln. Fast verdreifacht hat sich nach Angaben von Dirk Schilling (CDU) die Zahl der Neubeantragungen des Ausweises im Bürgerbüro in Ostrau, bezogen auf die Monate August und September. Festgestellt worden ist zudem, dass die Anträge für Reisepässe in diesem Jahr etwas weniger geworden sind. „Sicher durch die coronabedingten Reisebeschränkungen“, so Schilling.

 Auch in der Stadt Leisnig ist eine erhöhte Nachfrage nach Personalausweisen zu verzeichnen. So wurden bisher im Schnitt 77 Ausweise pro Monat beantragt. Insgesamt sind seit Januar bis Ende September fast 700 Bürger wegen dieses Anliegens in der Behörde gewesen. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 820, im Jahr zuvor 712, heißt es aus dem Rathaus. 

Eine erhöhte Nachfrage kann auch Diana Fiedler von der Gemeindeverwaltung Großweitzschen bestätigen. Allein im September hätten 61 von derzeit rund 2.750 Anwohnern ein neues Dokument beantragt.

 Von 56 von 1. August bis 5. Oktober 2019 auf 187 Anträge von Bürgern ab 24 Jahren im selben Zeitraum 2020 ist die Zahl in Roßwein gestiegen, so Hauptamtsleiterin Michaela Neubert. 

Zwischen 17 und 19 Ausweise pro Woche werden derzeit im Bürgerbüro von Hartha neu beantragt. „Das ist ein bisschen mehr geworden“, so Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos). 

Und schließlich ist auch in Waldheim eine vermehrte Nachfrage festzustellen: So wurden im ersten Quartal 2020 132 Ausweise ausgestellt, im zweiten Quartal 175. Im eben zu Ende gegangenen dritten Quartal waren es immerhin schon 302, wie Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) informierte. Ernst merkt jedoch an, dass bei der Betrachtung der Zahlen für 2020 die besondere Situation durch Corona zu beachten sei.

Wie bewältigen die Behörden den Ansturm?

Verzögerungen gibt es aktuell in den Bürgerbüros und Einwohnermeldeämtern nicht. Lediglich vereinzelt sei mit längeren Wartezeiten zu rechnen, so zum Beispiel in Großweitzschen. Wenn in Stoßzeiten zu viel los sei, kämen die Bürger einfach am nächsten Tag wieder, heißt es von Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling: „Das ist der Vorteil der kurzen Wege und der Behörde vor Ort.“ 

Das Mehraufkommen werde dadurch kompensiert, dass zum Beispiel Auskunftsersuche anderer Behörden an Schließtagen von zwei Mitarbeiterinnen bearbeitet würden, erklärt der Bürgermeister. Erweiterte Öffnungszeiten gibt es aktuell in keinem Bürgerbüro.

Sind Termine in den Ämtern nötig, um einen Ausweis neu zu beantragen?

Lediglich im Rathaus in Roßwein sollten für die Beantragung eines Ausweises im Vorfeld Termine im Bürgerbüro vereinbart werden, informierte Hauptamtsleiterin Michaela Neubert. „Damit lässt sich eine Wartezeit für die Leute vermeiden“, begründet sie. Eingeführt worden sei diese Methode während der Corona-Krise. Und die Terminvereinbarung habe sich bewährt.

Zudem sei Dienstag ein langer Sprechtag bis 19 Uhr und einmal im Monat auch sonnabends geöffnet. In Leisnig sei es möglich, so die Stadtverwaltung, bei Bedarf auch außerhalb der Sprechzeiten einen Termin zu vereinbaren. 

Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling verweist ebenfalls auf einen Sonnabend im Monat, an dem die Behörde geöffnet habe, zeitgleich mit dem Bürgermeistersprechtag. Ronald Kunze empfiehlt lediglich eine Terminvereinbarung in Hartha, wenn eine mehrköpfige Familie ein Anliegen in der Behörde hat.

Wie lang ist derzeit die Wartezeit auf das neue Dokument?

Zwischen zwei bis vier Wochen geben die Kommunen als Wartezeit auf das neue Dokument an, das den Bürgern von der Bundesdruckerei zugeschickt wird. Jene sei darauf eingestellt, dass der Ansturm alle zehn Jahre höher sei, so Dr. Markus Lammert, Sprecher des Bundesministeriums des Inneren, für Bau und Heimat. Er weist zudem darauf hin, dass mit der Wiedervereinigung am 2. Oktober 1990 zahlreiche Dokumente neu ausgestellt worden sind. Bei einer Gültigkeit von zehn Jahren ergebe sich dadurch ebenfalls eine erhöhte Nachfrage. 

„Aktuell beträgt die Produktionszeit beim Hersteller für einen Personalausweis oder regulären Reisepass circa sieben Tage vom Bestelleingang bis zur Versendung an die Behörde, ein Expresspass wird im Schnitt bereits nach 1,1 Tagen an die Behörde versendet“, informiert Lammert. Wie lange dann die Ausgabeprozesse im Bürgeramt dauere, hänge von der regionalen Auslastung ab. 

„Ab Antragstellung dauert es in der Regel mindestens zwei Wochen, bis der Personalausweis im Bürgeramt abgeholt werden kann“, so Lammert. In dringenden Fällen könne im Bürgerbüro auch ein vorläufiger Ausweis ausgestellt werden, so Steffen Ernst aus Waldheim. Jener liege im Normalfall noch am selben Tag vor.

Wie viel kostet aktuell ein neuer Personalausweis?

Die Kosten für einen neuen Personalausweis für alle ab 24 Jahren betragen aktuell 28,80 Euro. Das Dokument ist für zehn Jahre gültig. Für alle Bürger unter 24 Jahren fällt eine Gebühr von 22,80 Euro an. Der Ausweis ist für sechs Jahre gültig. 

Ein vorläufiger Personalausweis mit einer Laufzeit von höchstens drei Monaten kostet 10 Euro. Wer einen Ausweis in einem Bürgerbüro außerhalb seines Hauptwohnsitzes neu beantragt, muss 13 Euro mehr bezahlen.

Die Preise für den Personalausweis steigen um fast zehn Euro. Warum?

Ab 1. Januar müssen Personen ab 24 Jahren 37 Euro für einen Personalausweis zahlen, wie Dr. Markus Lammert informiert. Die Gebühr für Personen unter 24 Jahren bleibe unverändert. Seit zehn Jahren sei die Gebühr nicht verändert worden. Inzwischen übersteigen die Kosten für die Herstellung der neuen Ausweise die Einnahmen durch die Gebühr.

 Da jedoch im Personalausweisgesetz festgehalten ist, dass die Gebühr die Leistung aller Beteiligten decken soll, sei nun eine Anpassung notwendig. Wegfallen soll in Zukunft allerdings die Gebühr in Höhe von sechs Euro für das Reaktivieren des Online-Ausweisens sowie das Neusetzen der persönlichen Geheimnummer. „Der Bundesrat muss diesen Neuregelungen noch zustimmen“, äußerte sich Lammert.

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